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Bäume pflanzen gegen die Trauer | BR24

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Mario Dieringer, Initiator von 'Trees of Memory', pflanzt Bäume zur Erinnerung an Menschen, die sich das Leben genommen haben

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    Bäume pflanzen gegen die Trauer

    Mario Dieringer geht einen besonderen Weg: Zu Fuß ist er unterwegs zu Menschen, die einen Angehörigen durch Suizid verloren haben. Mit seinem Verein 'Trees of Memory' pflanzt er Bäume – zur Erinnerung und als Zeichen der Hoffnung.

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    Der Tod seines Partners ist für Mario Dieringer Ende und Anfang zugleich. Jürgen war depressiv und nahm sich 2016 das Leben. Nach dem Schock und einer tiefen Trauer fasst der 52-jährige neuen Mut und einen Entschluss. Er kennt die Abgründe, die eine Depression auslösen kann, aus eigener Erfahrung. Seit seiner Jugend hat er Suizidgedanken. Einen Suizidversuch hat er nur knapp überlebt – Jürgen hatte ihn damals gerettet.

    Das Projekt 'Trees of Memory'

    Heute hat Dieringer eine Mission: Der Journalist gründet den Verein 'Trees of Memory" und macht sich auf den Weg durch die Welt. Bewusst geht er zu Fuß, denn Trauer braucht Zeit. Auf seinem Weg möchte er Geschichten von Menschen sammeln, die Suizid begangen haben. Und Geschichten von Angehörigen, die damit fertig werden müssen. Gemeinsam mit ihnen pflanzt er Bäume, um an die Menschen zu erinnern, die mit ihrem Leben nicht mehr fertig geworden sind.

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    Iris Pfister und Mario Dieringer von Trees of Memory e.V.

    Auf seinem Weg trifft er auch Iris Pfister. Sie unterstützt das Projekt 'Trees of Memory' und arbeitet mittlerweile im Vorstand. Kurz vor Ostern pflanzt er auch mit ihr einen Baum. Für Kevin, ihren Sohn. Er hat sich vor vier Jahren das Leben genommen.

    Mit dem Baum verbindet Iris Pfister eine besondere Hoffnung: "Kevin war ja mehr als seine Todesursache. Er hat sehr viel Glück und sehr viel Leben in unser Leben gebracht, und die Erinnerungen verschwinden durch die Trauer so sehr. Das wird so überlastet. Ich denke, dass durch eine Baumpflanzung ein bisschen Frieden geschlossen werden kann. Und auch diese Erinnerungen wieder wachsen können. Es ist ein bisschen Trauer loslassen."

    Wege aus der Depression finden

    Dieringer will, dass über Depression und Suizid offen gesprochen wird. In Vorträgen und Interviews klärt er über die Krankheit auf und erzählt von seinen persönlichen Erfahrungen mit ihr: "Die meisten können sich gar nicht vorstellen, wie es ist, wie gelähmt im Bett zu liegen. Und sich nicht einmal zu trauen, raus zu gehen. Oder wie es ist, wenn man in der Wohnung sitzt und für zehn Tage nicht geduscht hat, weil man es einfach nicht kann." Wenn ein Mensch mit Depressionen diesen Zustand erreicht hat, braucht er dringend Unterstützung.

    "Das Besondere ist, dass ich nicht nur Erinnerungen an Menschen schaffe, die es in diesem Leben nicht geschafft haben, sondern dass es Menschen Mut macht. Mut auf ein erfülltes Leben hinzuarbeiten", sagt Dieringer. "Ich sehe, was mein Projekt mit den Menschen macht, dass es ihnen eine Stück Leben zurückgibt. Das ist mein Motor."

    Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Das können Freunde oder Verwandte sein, müssen es aber nicht. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800 1110111 und 0800 1110222. Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis.

    Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Das dritte Angebot der Telefonseelsorge ist die Möglichkeit der E-Mail-Beratung. Auf der Seite der Telefonseelsorge melden Sie sich an und können Ihre Nachrichten schreiben und Antworten der Berater lesen. So taucht der E-Mail-Verkehr nicht in Ihren normalen Postfächern auf.

    Mehr zum Thema "Bäume pflanzen gegen die Trauer" in STATIONEN am Mittwoch, 8. Mai 2019 im BR Fernsehen und im Anschluss in der BR Mediathek.