BR24 Logo
BR24 Logo
Kultur

Trauer um Stardirigenten Mariss Jansons | BR24

© BR

Der Chefdirigent des Chores und Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks ist tot. Die Musikwelt trauert um einen ihrer ganz großen Vertreter.

2
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Trauer um Stardirigenten Mariss Jansons

Der gefeierte Stardirigent Mariss Jansons ist tot. Er starb in der vergangenen Nacht in Sankt Petersburg im Alter von 76 Jahren. Jansons hatte seit 2003 das Symphonieorchester und den Chor des Bayerischen Rundfunks geleitet.

2
Per Mail sharen
Teilen

Er galt als einer der besten Dirigenten der Welt: In der vergangenen Nacht ist Mariss Jansons im Kreis seiner Familie in Sankt Petersburg gestorben. Das bestätigte die Frau des verstorbenen Dirigenten dem Bayerischen Rundfunk. Mariss Jansons feierte als Dirigent in der ganzen Welt Erfolge. Er wurde vielfach für sein musikalisches Schaffen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Herbert-von-Karajan-Preis, dem Cannes Classical Award, dem Echo Klassik und dem Grammy.

Das Erbe seiner lettischen Eltern: die Leidenschaft für Musik

Geboren wurde er 1943, während des Zweiten Weltkriegs in der lettischen Hauptstadt Riga, die damals unter deutscher Besatzung stand. Seine jüdische Mutter, eine Mezzosopranistin, musste ihn in einem Versteck zur Welt bringen, nachdem ihre Familie im Rigaer Ghetto ermordet worden war. In seiner Kindheit und Jugend war Mariss Jansons ein begeisterter, talentierte Sportler.

"Es war auch ziemlich früh für mich klar: Ich werde Dirigent." Mariss Jansons

Dabei war für ihn eigentlich seit seinem dritten Lebensjahr klar, dass er Musiker werden würde. Schon damals begleitete er seinen Vater Arvīds Jansons immer wieder ins Opernhaus von Riga, wo dieser Kapellmeister war. Ganze Tage verbrachte Mariss damals im Opernhaus, kannte alle Ballette und Opern nahezu auswendig. Zu Hause funktionierte er das Hemd und die Jacke zu einem Frack um - und spielte Dirigent.

Jansons Karriere begann in Leningrad

Im Jahr 1956 zog die Familie nach Leningrad - wo Jansons sein Studium von Klavier, Violine und Dirigieren am Konservatorium mit Auszeichnung abschließen würde. Jansons begann seine Karriere in dem Orchester, dessen Dirigent schon sein Vater war, bei den Leningrader Philharmonikern. Deren damalige Chef, Jewgenij Mrawinskij, prägte Stil und Repertoire des jungen Dirigenten entscheidend und weckte Jansons Begeisterung für den Komponisten Dimitri Schostakowitsch. Seither wurde Jansons der "russischen Schule" zugerechnet. Später studierte er unter Hans Swarowsky in Salzburg und auch unter dem weltberühmten Herbert von Karajan, der eine Art Mentor für ihn wurde.

Von 1979 bis 2000 war Jansons Leiter des Osloer Philharmonie-Orchesters. Außerdem dirigierte er ab 1992 regelmäßig das London Philharmonic Orchestra. Und leitete ab 1997 als Chefdirigent das Pittsburgh Symphony Orchestra.

Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks

Seit 2003 war Jansons Chefdirigent des Symphonieorchesters, dass unter seiner Führung große Erfolge feierte. Vor allem seine Interpretationen der Symphonien von Gustav Mahler und Dimitri Schostakowitsch wurden berühmt. Er hatte seinen Vertrag zuletzt vor einem Jahr bis 2024 verlängert. Von 2004 bis März 2015 leitete er auch das Amsterdamer Concertgebouworkest, das als eines der besten Orchester der Welt gilt - und damit zwei Klangkörper parallel. Einen Ruf aus Berlin, von den dortigen Philarmonikern lehnte er 2015 ab. Er war jedoch, ebenso wie in Wien, Ehrenmitglied der Philarmonie.

Mit seinen bayerischen Musikern spielte der Stardirigent nicht nur im Vatikan vor Papst Benedikt XVI., sondern nahm auch in Tokio alle Beethoven Symphonien auf. Jahrelang kämpfte Jansons auch für seine Herzensangelegenheit: den Bau eines eigenen Konzertsaals für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Das Haus im Münchner Werksviertel befindet sich aktuell noch im Planungsstadium.

Noch im Oktober nahm Jansons in Berlin einen Opus Klassik für sein Lebenswerk entgegen. Zudem hatte er 2017 die Goldmedaille der Royal Philharmonic Society erhalten, eine der höchsten Auszeichnungen für klassische Musik.

Workaholic, Perfektionist, Opernliebhaber

Doch dem Klischee, des in Emotionen schwelgenden Orchesterleiters, der sich vor seinem Publikum vollkommen verausgabte, hat Jansons nicht entsprochen. Er arbeitete vielmehr Details aus Musik-Stücken heraus, die vielen eine neue Interpretation verlieh. Auch die Bezeichnung "Maestro" lehnte er für sich ab. Er galt als detailversessener Handwerker, Perfektionist und Workaholic, den nur seine Ehefrau Irina ab und zu hinter seinen hinter seinen Partituren hervorzuholen vermochte. Sein Repertoire reichte dabei über zahlreiche Musikstile von Barock über Klassik und Romantik bis zur gemäßigten Moderne.

Seine wahre Leidenschaft galt aber der Oper, wie Jansons immer wieder bekannte. Seine Opernauftritte waren in den vergangenen beiden Jahrzehnten zu seltenen Ereignissen zu denen Musikfans aus aller Welt eigens anreisten.

Allerdings musste der Stardirigent auch immer wieder Konzerte wegen Krankheit absagen. Bereits 2010 zwang seine Gesundheit Jansons zu einer monatelangen Auszeit. 1996 hatte er während einer Aufführung von Giacomo Puccinis "La Bohème" in Oslo einen Herzinfarkt erlitten, den er nur knapp überlebte. Jansons Vater war am Dirigentenpult gestorben.