BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Trauer um den Modeschöpfer Pierre Cardin | BR24

© ARD
Bildrechte: picture alliance / abaca | Briquet Nicolas/ABACA

Er galt als Pionier der Prêt-à-porter-Mode und visionärer Designer: Im Alter von 98 Jahren ist der französische Modeschöpfer Pierre Cardin gestorben.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Trauer um den Modeschöpfer Pierre Cardin

Astronauten-Look und geometrische Mini-Kleider: Mit Pierre Cardin verliert die Modewelt einen ihr großen Pioniere. Bis ins hohe Alter hinein begeisterte Cardin mit eigenwilligen Kollektionen. Jetzt starb er mit 98 Jahren bei Paris.

Per Mail sharen
Von
  • Marcel Wagner

Pierre Cardin war nicht einfach nur ein begnadeter Modedesigner und erfolgreicher Geschäftsmann. Er war fast sein ganzes Leben lang seine eigene Marke. Zur Mode kam der in Venetien als Pietro Costante Cardin geborene Sohn einer italienischen Weinbauernfamilie in frühester Jugend. Mit 14 begann er in Frankreich, wohin seine Eltern Mitte der 20er Jahre ausgewandert waren, eine Schneiderlehre.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zog es ihn nach Paris, wo er bei Elsa Schiaparelli die Haute Couture kennenlernte. Für den Star-Regisseur Jean Cocteau half er bei der Ausstattung von dessen Verfilmung von „Die Schöne und das Biest“. Auf die Erfolgsbahn brachte ihn aber die Zusammenarbeit mit einem Meister seines eigenen Metiers, der Mode: Christian Dior. "Ich wusste ein wenig über Mode, aber Dior half mir zu verstehen, was Eleganz bedeutet, und was gleichzeitig Tradition ist. Dior war allerdings klassischer als ich," erinnerte sich Cardin Jahrzehnte später.

Neue Maßstäbe zusammen mit Dior

Als erster Schneider im Hause Dior kreierte Pierre Cardin den „New Look“ mit. Mit ihrer Bar-Mode, entworfen für den Abendcocktail, setzten Dior und Cardin gemeinsam neue modische Maßstäbe. Doch Cardin wollte seine eigenen Ideen verfolgen. Mit nicht einmal dreißig Jahren gründete er deshalb sein eigenes Modehaus. Viele der starren Traditionen seiner Branche warf er dabei über den Haufen, zum Beispiel indem er Haute-Couture und Prêt-à-porter gleichzeitig entwarf. Und als erster großer Modeschöpfer sogar Kollektionen an Kaufhausketten vermarktete.

© Jana Call me J picture alliance ABACA
Bildrechte: Jana Call me J picture alliance ABACA

Couture Collection anlässlich 70 Jahre Haus Pierre Cardin

Seine Kollegen straften ihn dafür mit Verachtung - bis sie sahen, welche enormen Summen Pierre Cardin verdiente und ihn nachahmten. Cardin selbst interessierte das Geld dabei eher wenig: "Wenn ich hätte Geld verdienen wollen, hätte ich es auf die Bank gebracht oder an der Börse spekuliert," sagt Cardin. "Wenn ich viel gearbeitet habe, dann vielleicht nicht um einen Traum, aber doch immerhin einen Drang zu verwirklichen."

Internationaler Erfolg

Trotzdem erwies sich Pierre Cardin als genialer Geschäftsmann. Seinen Namen vermarktete er als Lizenz in der ganzen Welt, längst nicht nur für Mode, sondern für alle erdenkbaren Produkte, vom Mineralwasser bis zum Feuerzeug. Er selbst designte Möbel, kaufte Schlösser, Hotels oder das berühmte Maxim’s Restaurant in Paris, von dem er Dependancen in der ganzen Welt eröffnete.

Seine Modenschauen inszenierte er auch mal in der Wüste Gobi oder auf dem Roten Platz in Moskau. Bis ins hohe Alter feilte er täglich an neuen Entwürfen. "Das ist mein Grund zu leben. Ohne Arbeit würde ich mich langweilen, in ihr finde ich mein Gleichgewicht," bekannte Cardin noch an seinem 95. Gevurtstag. "Deshalb mache ich weiter!" Dabei war er bis zuletzt immer auf der Suche nach Neuem: "Für mich bedeutet Mode morgen. Was ist Mode? Morgen! Niemals gestern!"

© Andreas Altwein picture alliance
Bildrechte: Andreas Altwein picture alliance

Pierre Cardin bei der Präsentation seiner Frühjahrskolletion 1997

Für dieses visionäre Schaffen hatte die französische Academie des Beaux Arts Cardin eine besondere Ehre erwiesen. Zu seinem 70. Schaffensjubiläum hatte sie ihm 2016 eine Modenschau in ihren heiligen Räumen gewidmet. Mit seinen Geschäften hatte Cardin manchmal den Spott seiner Kollegen auf sich gezogen. Seine Mode aber wurde damit noch zu seinen Lebzeiten offiziell zur Kunst erklärt.

Pierre Cardin wurde 98 Jahre alt.

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang.