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Tragiker alter Schule: Brian Dennehy gestorben | BR24

© Richard Drew/dpa

Brian Dennehy

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    Tragiker alter Schule: Brian Dennehy gestorben

    Als knallharter Sheriff in "Rambo" erlebte er seinen schauspielerischen Durchbruch. So martialisch, wie er gern vorgab, war Brian Dennehy gar nicht. Er spielte auch an der Seite von Klaus Maria Brandauer in "Georg Elser - Einer aus Deutschland".

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    Es war eine herausfordernde schauspielerische Aufgabe, die er nach Ansicht von Kritikern nicht durchweg überzeugend löste: 1989 spielte Brian Dennehy im Film "Georg Elser - Einer aus Deutschland" den fiktiven Gestapo-Beamten Ernst Wagner, der dem titelgebenden Hitler-Attentäter auf der Spur ist.

    Zwar kann der NS-Scherge die Explosion der Bombe im Münchner Bürgerbräukeller, bei der Hitler unverletzt blieb, nicht mehr verhindern, ist dem flüchtigen Elser, gespielt von Klaus Maria Brandauer, jedoch auf der Spur.

    "Tintenklecks-Schufte" mochte er

    Bei der deutschen Filmkritik fiel Brian Dennehy damals durch. Fast schon hämisch wurde in der Presse darauf hingewiesen, dass er für die Rolle des Ernst Wagner Erfahrungen als "Footballstar, Vietnamkämpfer und US-Mariner" gesammelt habe und in so "dubiosen Filmen" wie "Rambo" und "Staatsanwälte küsst man nicht" aufgetreten sei. Da sei viel "US-Nazi-Klischee" im Spiel gewesen.

    Mit solch harschen Urteilen tat die Fachpresse Dennehy teils Unrecht - immerhin: Der Mann hatte Verständnis für die Nöte (und Neurosen) von Journalisten, sein eigener Vater hatte für die Associated Press gearbeitet. Kritiker bezeichnete Dennehy gern als "Tintenklecks-Schufte", nicht ganz ernsthaft natürlich, dafür gab er viel zu gern Interviews und sprach über sein Leben und seine Arbeit.

    © ARD Degeto

    Als alter Mann in "Eine Familie wie jede andere"

    Dennehy, der irische Familien-Wurzeln hatte, machte sich selbst in Interviews gern lustig darüber, dass er noch nach Jahren auf seinen Auftritt im TV-Film "Jagt den Killer" (1992) angesprochen wurde, in dem er den Serienmörder John Wayne Gacy gespielt hatte. Immer wieder fixierten ihn die Leute mit merkwürdig befremdeter Miene, überlegten krampfhaft und sagten ihm dann mit fast ängstlichem Unterton, woher sie ihn meinten zu kennen, nämlich aus besagtem Film.

    Für die US-Presse galt Dennehy als "nimmermüder Tragiker alter Schule", der vor allem auf der Theaterbühne die großen Rollen bis hin zu Shakespeare-Stücken wie ein Schwergewichtler geschultert habe.

    Das Football-Fieber legte sich

    Tatsächlich machte sich Dennehy mit "Rambo" einen Namen, dem legendären Vietnam-Film, in dem er an der Seite von Sylvester Stallone den übereifrigen Sheriff Will Teasle verkörperte. Das war 1982 sein künstlerischer Durchbruch. Harte Kerle wurden somit zu seinem Markenzeichen.

    Sein Kino-Debüt hatte Dennehy 1977 in "Auf der Suche nach Mr. Goodbar". Später war er in solchen Klassikern wie "Gorki Park" (1983) und "Aus Mangel an Beweisen" (1989) besetzt. Immerhin arbeitete er mit so renommierten Regisseuren wie Michael Apted und Peter Greenaway zusammen. Für den TV-Film "Tod eines Handlungsreisenden" (2001) nach dem gleichnamigen Drama von Arthur Miller heimste er sogar einen Golden Globe ein. 2008 war er bei "Kurzer Prozess" mit von der Partie, neben Robert De Niro und Al Pacino.

    Begonnen hatte Dennehys Karriere, wie im US-Filmgeschäft üblich, mit Fernsehrollen. So war er im "Denver-Clan" ebenso in Episoden-Rollen zu sehen wie in "Dallas". Dabei wandte er sich erst spät der Schauspielerei zu. Nach seiner Armee-Zeit verlegte er sich zunächst aufs Börsengeschäft in New York, wo er als Makler tätig war und zog dann erst in die Film-Metropole Los Angeles.

    Dennehy starb nach Angaben seines Agenten im Alter von 81 Jahren eines natürlichen Todes in seinem Haus in Connecticut im Beisein seiner Frau Jennifer und seines Sohnes Cormac.

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