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Erstmals Schauspielerin im Rollstuhl mit Tony ausgezeichnet | BR24

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Erstmals ist eine Schauspielerin, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist, mit dem wichtigsten Theaterpreis der USA ausgezeichnet worden. Abräumer des Abends ist das Stück "Hadestown" über die griechische Unterwelt.

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Erstmals Schauspielerin im Rollstuhl mit Tony ausgezeichnet

Erstmals ist eine Schauspielerin, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist, mit dem wichtigsten Theaterpreis der USA ausgezeichnet worden. Abräumer des Abends ist das Stück "Hadestown" über die griechische Unterwelt.

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Erstmals ist eine Schauspielerin, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist, mit dem wichtigsten Theaterpreis der USA ausgezeichnet worden. Ali Stroker bekam bei der Gala in New York für ihre Rolle der Ado Annie in einer Neuauflage von "Oklahoma!" einen Tony Award als beste Nebendarstellerin in einem Musical. Seit einem Autounfall im Alter von zwei Jahren ist Stroker von der Brust abwärts gelähmt.

"Dieser Preis ist für jedes Kind, das heute Abend zuschaut, das eine Behinderung hat, das eine Begrenzung oder eine Herausforderung hat, das darauf gewartet hat, in dieser Arena repräsentiert zu werden", erklärte die 31-Jährige in ihrer Dankesrede. "Nun seid ihr es."

Stroker gab 2015 in der Neuauflage des Musicals "Spring Awakening" ihr Broadway-Debüt. Damals war sie die erste Darstellerin auf der legendären Theatermeile, die in einem Rollstuhl saß. Schon in der Vergangenheit betonte Stroker, es sei höchste Zeit, dass behinderte Menschen auf den Bühnen auf authentische Weise vertreten sein sollten.

"Hadestown" räumt acht Auszeichnungen ab

Die meisten Auszeichnungen gewann das Stück "Hadestown", das in der griechischen Unterwelt spielt. Acht Trophäen räumte es ab, darunter für das beste Musical, beste Regie und bester Hauptdarsteller: Der Schwarze André de Shields, der der Welt dann gute Ratschläge gab, die ihm stets halfen: Umgib dich mit Menschen, deren Augen leuchten, wenn sie dich sehen. Der schnellste Weg anzukommen: Langsam. Der Gipfel hier ist nur der Fuß des nächstes Berges. Die "Hadestown"-Regisseurin Rachel Chavkin drückte dagegen etwas auf's Tempo: Es brauche mehr Frauen und Minderheiten in der Branche. "Es gibt so viele Frauen, bereit sind. Es gibt so viele dunkelhäutige Menschen, die bereit sind", sagte sie.

© picture alliance/Pacific Press Agency

Der Tony wurde zum 72. Mal verliehen.

Den Preis für das bestes Theaterstück ging an die Familiensaga über den Nordirlandkonflikt "The Ferryman" von Regisseur Jez Butterworth. Für seine Mitarbeit an der Produktion bekam Filmemacher Sam Mendes ("American Beauty"), der bei der Gala nicht anwesend war, erstmals einen Tony für die beste Regie.

Bester Schauspieler: Brian Cranston

Den Preis für die beste Schauspielerin ging an die 86-jährige Elaine May für ihre Rolle als alzheimerkranke Frau im Drama "The Wavery Gallery". Als bester Schauspieler wurde Brian Cranston ausgezeichnet für seine Rolle als wütender Nachrichtenmoderator in dem Stück "Network". Seinen Preis widmete er allen Journalisten, die die Wahrheit suchten. Die Medien seien nicht die Feinde des Volkes. Demagogie sei der Feind, sagte er. Es ist bereits der zweite Tony Award für Cranston, der vor allem durch seine Rolle in der Netflix-Serie "Breaking Bad" bekannt wurde.

Als beste Wiederaufnahme eines Theaterstückes wurde "The Boys in the Band" ausgezeichnet - 50 Jahre nach Beginn der Schwulen- und Lesbenbewegung. Eine späte Ehre für Autor Mart Crowley, der 1968 das Stück über neun schwule Männer schrieb. Ein Skandal damals. In seiner Dankesrede kommen Crowley die Tränen. Er widme seinen Tony den Schauspielern, die damals den Mut hatten, die Rolle zu übernehmen, sagte er.

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