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Tipps vom Zukunftsforscher: So kommen Sie aus der Lockdown-Krise | BR24

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Der Lockdown verlangt uns einiges ab. Doch mithilfe der "Re-Gnose" könnte man gut durch die Krise kommen, glaubt Zukunftsforscher Matthias Horx

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    Tipps vom Zukunftsforscher: So kommen Sie aus der Lockdown-Krise

    Für viele ist die seit heute geltende Verschärfung des Lockdowns schwer zu ertragen. Woher sollen wir jetzt noch Kraft nehmen, wie positiv bleiben? Der Zukunftsforscher Matthias Horx schlägt die mentale Technik der "Re-Gnose" vor.

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    Von
    • Matthias Morgenroth
    • Anna Kemmer

    Matthias Horx ist einer der bekanntesten Zukunftsforscher. Sein Text "Die Zukunft nach Corona" ging im ersten Lockdown viral und ist immer noch aktuell. Um gut durch den erzwungenen "Winterschlaf" zu kommen, der heute noch mal mit weiteren Kontaktbeschränkungen verschärft wurde, empfiehlt Matthias Horx eine mentale Technik, die schon lange in der Psychotherapie eingesetzt wird: die sogenannte Re-Gnose.

    Wie die "Prognose" ist sie eine Zeitreise, allerdings eine, bei der man nicht von der von der ängstigenden Gegenwart in die Zukunft blickt. "Wenn die Seele voller Angst ist", sagt Horx, "dann konstruiert sie die Zukunft ja nur als Unmöglichkeit, also eigentlich als Weltuntergang. Alles wird immer schlimmer." Bei der Re-Gnose springe man hinter die Negativität der Krise, so Horx: "Wir stellen uns zum Beispiel vor: In diesem Sommer wird alles besser. Wie sieht die Welt dann aus?"

    Perspektive der Bewältigung

    Man versetzt sich also in eine Zukunft, in der die Sorgen und Probleme der Gegenwart bereits überwunden sind und schaut von dort zurück. Die Re-Gnose bietet für Matthias Horx auf diese Weise eine Perspektive der Bewältigung und des Wandelns. Man fragt eben nicht nach dem, was schiefgehen könnte, sondern wie man es hinbekommen hat, seine Probleme und Ängste zu überwinden.

    Mit dieser mentalen Technik entstünden ganz verblüffende Erkenntnisse, glaubt Matthias Horx:

    "Wir hören auf unsere Zukunft als schicksalsgegeben zu sehen und verstehen, dass wir einen großen Teil unseres Lebens und der Gesellschaft selber formen können." Matthias Horx

    Jede Krise hat schließlich auch eine andere Seite. In der Liebe, im Beruf - überall könne man scheitern, sagt der Zukunftsforscher. Aber man kann eben auch daraus lernen, sich neu strukturieren und neu erfinden: "Und dann beginnt auch die Liebe neu. Und dann beginnt auch der Beruf neu." Oder eben das Leben nach Corona.

    Großes Veränderungspotenzial

    An Krisen, so Horx, ist die Menschheit jedenfalls immer gewachsen und jeder Einzelne tut das letztlich auch: "Wenn wir unser Leben betrachten, dann haben wir uns am Intensivsten in Krisenzeiten verändert. Das ist der Sinn von Krisen."

    Auch die evangelische Theologin Petra Bahr hat in ihrer seelsorgerischen Arbeit mehr denn je mit Menschen zu tun, die sich seit Corona in einer tiefen Lebenskrise befinden. Um ein Zehnfaches sei die Nachfrage nach einer Telefonseelsorge gestiegen, sagt die Bischöfin im Raum Hannover, die auch Mitglied im Deutschen Ethikrat ist. Um gut durch Lockdown-Krisen zu kommen, empfiehlt sie eine "Disziplin des Herzens": Man solle versuchen das Virus nicht als persönlich Kränkung zu sehen und sich mit einer gewissen Disziplin Rituale schaffen, die einem selbst und anderen gut tun:

    "Auch wenn wir gerade bis zur Erschöpfung arbeiten, sollten wir uns einen Moment der Ruhe gönnen. Vielleicht mal eine leere Kirche betreten, eine Kerze anzuzünden, also sich Rituale schaffen mit Macht und Wille, obwohl man eigentlich denkt, das bringt doch sowieso nichts. Das meint Disziplin des Herzens." Theologin Petra Bahr

    Selbst wenn einem eigentlich nur noch zum Heulen zumute ist, sei es wichtig, den Kopf zu heben und "einen weiteren Horizont zu sehen." Mit einer anderen Haltung, einem anderen Blick kann die Krise weniger erschöpfend und belastend sein. Trotz allem seine Selbstwirksamkeit zu spüren, mache auch stark.

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