BR24 Logo
BR24 Logo
Kultur

Theologe Johann Baptist Metz ist verstorben | BR24

© picture-alliance/ dpa

Johann Baptist Metz

Per Mail sharen
Teilen

    Theologe Johann Baptist Metz ist verstorben

    Mit 91 Jahren ist der katholische Theologe Johann Baptist Metz in Münster gestorben. Er war Begründer der "Neuen Politischen Theologie" und gilt als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Theologen des 20. Jahrhunderts.

    Per Mail sharen
    Teilen

    Sein Denken war geprägt von seiner eigenen Erfahrung im Zweiten Weltkrieg. Mit 16 Jahren, in den letzten Tagen des Kriegs, sollte Johann Baptist Metz als Frontsoldat eine Meldung zum Gefechtsstand seiner Kompanie bringen, doch er fand vor Ort "nur Tote, lauter Tote, überrollt von einem kombinierten Jagdbomber- und Panzerangriff." Er erinnert sich später an "nichts als einen lautlosen Schrei."

    Ein Trauma, das Metz in unzähligen Vorträgen, Interviews, wissenschaftlichen Artikeln immer wieder zitierte. "Alle großen Religionen sind um eine Mystik des Leidens konzentriert", sagte Metz, der sich weigerte, über Gott nachzudenken, ohne zugleich an die Opfer der Geschichte zu erinnern.

    Von der Kriegserfahrung zur "Neuen Politischen Theologie"

    Geboren im oberpfälzischen Auerbach, besuchte Metz das Gymnasium in Amberg, studierte in Innsbruck und Bamberg, wo er auch zum Priester geweiht wurde und in den pastoralen Dienst eintrat. In München begann er eine Habilitation bei seinem Lehrer Karl Rahner, wurde aber noch vor deren Beendigung an die Universität Münster berufen, wo er bis 1993 lehrte und für eine neue politische Theologie stand, die Partei ergriff für Ausgegrenzte, Entrechtete und Arme.

    Gegen innerkirchliche Widerstände führte Metz 1968 die neomarxistischen, ideologie- und gesellschaftskritischen Ansätze des Philosophen Ernst Bloch und der "Frankfurter Schule", also der Philosophen Horkheimer und Adorno, in die Theologie ein. Mit seiner "Neuen Politischen Theologie" prägte er die Aufbruchsstimmung in der Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Seine Theologie, vor allem die Idee einer "unbedingten Option für die Armen" hatten auch Einfluss auf die lateinamerikanische Befreiungstheologie.

    Theologie nach Auschwitz

    Die Schoah, der Massenmord an den Juden, stürzte die gesamte klassische christliche Theologie in eine Krise, so Metz, der deshalb eine "Theologie nach Auschwitz" entwickelte, rund um die Frage: Wie kann man nach all den Toten in Auschwitz noch von einem allmächtigen Gott sprechen?

    Metz war ein Kritiker Joseph Ratzingers, des späteren Papstes Benedikt XVI. Ratzinger hatte 1979 als Erzbischof von München und Freising zusammen mit Kultusminister Hans Maier die Berufung von Johann Baptist Metz an die Ludwig-Maximilians-Universität München verhindert. Dem weltweiten Einfluss der Politischen Theologie nach Metz hat das nicht geschadet. Sie fand am Ende doch noch päpstlichen Segen: Franziskus bestätigte sein Prinzip der "Option für die Armen" und die päpstliche Kritik am Weltwirtschaftssystem enthält viele Gedanken, die an Texte von Metz aus den 1970er Jahren erinnern.

    Abschied von einem Theologen von Weltrang

    Das Lebenswerk von Metz sei zukunftsweisend für eine grundlegende Reform der Theologie und Kirche gewesen, sagt Christian Weisner von der katholischen Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche". "Betrübt" über den Tod seines Münsteraner Kollegen zeigt sich der Tübinger Theologe Hans Küng. Auch wenn sich ihre theologischen Ansichten unterschieden hätten, so habe sie die Orientierung an Jesus Christus und das Bemühen um eine weltoffene Kirche geeint.

    Der Philosoph Jürgen Habermas spricht über seinen verstorbenen Freund Johann Baptist Metz als einen "sensiblen Gesprächspartner". Metz sei aus seiner Generation "vielleicht der Theologe, der sich am leidenschaftlichsten an der für ihn existenziellen Frage abgearbeitet hat, in welcher Sprache nach dem Holocaust überhaupt noch von Gott geredet werden" könne.

    Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) würdigt Metz als einen der weltweit bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts. "Mit ihm verlieren wir einen Theologen von Weltrang, eine starke Stimme für den christlich-jüdischen Dialog." Noch im Februar 2019 war Metz mit dem NRW-Verdienstorden ausgezeichnet worden.