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Theater und Kinos dürfen wieder öffnen - nur lohnt es sich? | BR24

© pa/dpa

Kinos dürfen öffnen - unter Auflagen

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    Theater und Kinos dürfen wieder öffnen - nur lohnt es sich?

    Theater, Kinos und Konzertsäle in Bayern dürfen ab heute wieder Vorstellungen anbieten. Zum Schutz vor Corona gelten spezielle Sicherheitsvorkehrungen. Abstandsregeln und Mund-Nasen-Schutz sind verpflichtend. Rentabel ist das für die Häuser nicht.

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    Aufführungen vor bis zu 50 Zuschauern in geschlossenen Räumen sind ab heute wieder möglich, im Freien dürfen es bis zu 100 sein. Im Theater, im Kino und im Konzert müssen Abstandsregeln beachtet werden. Also mindestens eineinhalb Meter zu anderen Menschen, egal ob im Freien, in den Sälen, den Gängen, Treppenhäusern oder Sanitärbereichen. Direkt zusammensitzen dürfen nur Ehepaare und Familien. Ansonsten müssen Plätze freigehalten werden.

    Theaterbesuch nur mit Mund-Nasen-Maske

    Die Zuschauer müssen eine Mund-Nasen-Maske tragen, auf dem Weg zum Platz und auch während der gesamten Vorstellung. Die Veranstalter sind verpflichtet, die Kontaktdaten der Besucher aufzunehmen, um reagieren zu können, wenn sich herausstellen sollte, dass ein Besucher mit dem Coronavirus infiziert war.

    Aufführungen rechnen sich nicht

    Für die Theater bedeuten die Abstandsregelungen, dass sie nur wenige Zuschauer in ihren Sälen unterbringen und somit auch nur wenig Geld verdienen können. Einige Theater öffnen vor der Sommerpause gar nicht mehr, etwa das Theater Wasserburg. Hinzu kommt, dass der Termin für die Lockerung für die Theater durchaus kurzfristig kam. Stücke, die sich nun eignen, sind nicht unbedingt im Repertoire, Corona-taugliche Produktionen also rar. Denn auch für die Künstler gilt ein Abstandsgebot. Und auch Theaterproben sind erst seit Kurzem wieder möglich.

    Kreative Lösungen gefragt

    Manche Theater setzen deshalb weiterhin auf Online-Angebote oder sie experimentieren, wie die Münchner Kammerspiele oder das Residenztheater, mit Kleinformaten. Einfacher scheinen da Open-Air-Veranstaltungen zu sein: Das Landestheater Niederbayern und das Staatstheater Augsburg zum Beispiel haben dazu Pläne veröffentlicht. Die Lindauer Marionettenoper hingegen hat extra Zusatzvorstellungen im Saal auf den Spielplan gesetzt, auch wenn zwei Drittel der Sitzplätze freibleiben müssen. Statt knapp 100 Zuschauern dürfen nur 33 in den Zuschauerraum. Das rechnet sich natürlich nicht. Aber dennoch: Die Freude bei den Theatermachern ist groß, dass es endlich wieder losgeht.

    © Lindauer Marionettenoper/Christian Flemming

    Boandlkramer und Kaspar. Szenenbild aus: Der Brandner Kaspar und das ewig´Leben

    Schutz- und Hygienekonzepte erforderlich

    Ob Theater, Kinos oder Konzerte: Die Veranstalter müssen ihre Termine bei den Behörden anmelden. Notwendig sind Hygienekonzepte für den Vorstellungsbesuch: Türgriffe und Handläufe müssen regelmäßig gereinigt werden und die Räume benötigen ein Lüftungskonzept. Auch sollen den Zuschauern Laufwege vorgegeben werden.

    Viele Kinos bleiben zu

    Die Betreiber etlicher Filmtheater warten noch ab, nicht nur wegen der geringen Besucherzahl, die Filmaufführungen unrentabel macht. Die Kinobetreiber können sich auch mit den Corona-Auflagen nicht anfreunden. In einem offenen Brief haben 20 Betreiber aus dem Raum München an die Bayerische Staatsregierung appelliert: Die Besucher dürften nicht durch "unangemessene Maßnahmen" verunsichert werden, heißt es in dem Schreiben.

    Die Unterzeichner sprechen sich gegen die Masken-Pflicht während der Vorstellung aus und fordern, dass die Kinobesucher während des Films essen und trinken dürften. Denn die Nebeneinkünfte durch Getränke, Chips und Popcorn seien für die Filmtheater wichtig.

    Christian Bräuer, der Vorsitzende der "Arbeitsgemeinschaft Kino - Gilde deutscher Filmkunsttheater e.V.", schätzt die bisherigen Verluste deutscher Kinos auf mehrere 100 Millionen Euro. Wegen der Beschränkungen rechnet er damit, dass sich die Verluste noch einmal mindestens verdoppeln werden. "Bei einer Auslastung von 20 Prozent weiß man, dass auch in der kommenden Zeit noch der größte Teil der Umsätze wegbleibt", so Bräuer im B5 Thema des Tages im BR. Wann das Kinogeschäft wieder anläuft, hänge zum einen von der Lockerung der Abstandsregeln ab und zum anderen davon, wann sich international agierende Verleiher wieder trauten, größere Produktionen zu starten.

    Trotz der Verluste der Kinobranche geht Bräuer derzeit nicht davon aus, dass die Ticketpreise steigen werden. Sofern, die Politik ihre Ankündigungen wahr mache und die Kinos entsprechend unterstützt. "Ich hoffe, dass die Politik da wie angekündigt unter die Arme greift und damit auch das ermöglicht, dass Kino weiterhin faire Preise aufrecht erhalten kann."

    Veranstalter fordern finanzielle Unterstützung

    Auch der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) fordert ein Überbrückungsprogramm für den Neustart in der Kultur. Unter Corona-Bedingungen sei der Verlust bei den Aufführungen immens. Finanzielle Hilfe für die Veranstalter rette somit auch die von der Corona-Krise gebeutelten Künstler. Viele von ihnen sind Solo-Selbstständige. Sie bekämen so wieder die Möglichkeit, zu arbeiten und Geld zu verdienen.

    Ein Trend lässt sich bereits absehen: Autokinos könnten heuer zum Renner der Saison werden, ob in Nürnberg , der Oberpfalz oder am Tegernsee.

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