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Städtische Bühnen Wuppertal

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    Theater machen bis Sommer dicht: Ist die Spielzeit gelaufen?

    Nach dem Deutschen Theater in München haben jetzt auch die Städtischen Bühnen in Köln und Wuppertal alle restlichen Vorstellungen der aktuellen Saison vor Live-Publikum abgesagt. Anders sei keine Planungssicherheit herzustellen.

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    Von
    • Peter Jungblut

    "Eine Wiederaufnahme des regulären Vorstellungsbetriebs vor Publikum ist in den kommenden Wochen nicht mehr möglich", heißt es wenig überraschend in einer Pressemitteilung der Städtischen Bühnen Wuppertal, und Kulturdezernent Matthias Nocke (CDU) verweist gegenüber dem BR auf die wöchentlichen Inzidenzwerte in der Stadt (laut RKI aktuell 199,4) und sagt: "Wir werden bis weit in den Juni hinein nicht die Inzidenzwerte haben, die nötig sind, um tatsächlich vor Publikum, wenn auch mit Beschränkungen, spielen zu können."

    Ähnliche Nachrichten kamen aus Köln: Dort verkündete die Stadtverwaltung, die "Spielzeit werde vorzeitig" beendet, Aufführungen mit Publikum seien bis zur Sommerpause nicht mehr vorgesehen. Die Online-Streams sollen allerdings weiter angeboten werden. Das gelte für die Oper, das Schauspiel, das Gürzenich-Orchester und das Puppentheater.

    In Wuppertal soll lediglich ein Freiluft-Format möglicherweise unter geänderten Bedingungen Anfang Juli stattfinden, so Matthias Nocke: "Und da müssten wir dann auf einen anderen Platz ausweichen, wo man vermeiden kann, dass sich Menschentrauben bilden, das hat sonst immer eine Art Volksfestcharakter." Nocke muss kommunalpolitisch eine so seltene wie unbequeme Doppelrolle spielen: "Ich habe das undankbare Vergnügen, dass ich sowohl Kultur-, als auch Ordnungsdezernent bin, das heißt, ich muss meine eigenen Pläne immer aus dem Verkehr ziehen, das macht großes Vergnügen."

    Weiterer Probenbetrieb wenig sinnvoll

    In seiner Pressemitteilung hatte der Politiker geschrieben: "Kulturbetriebe brauchen Planungssicherheit. Die Entscheidung, dass wir keine Live-Veranstaltungen von den Wuppertaler Bühnen und dem Tanztheater Wuppertal Pina Bausch anbieten können, bedauere ich sehr. Aber es ist wichtig, zu diesem Zeitpunkt eine klare Entscheidung zu treffen, die es den beiden Kulturinstitutionen ermöglicht, sich mit ganzer Kraft auf die nächste Spielzeit 2021/22 zu konzentrieren."

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    Bildrechte: Robert Michael/Picture Alliance

    Nebel über der Kultur: Blick auf Dresden-Skyline mit Semperoper

    Die Vorratsspeicher der Theaterbetriebe seien voll, so Nocke im Gespräch mit dem BR, und mit einem Vorlauf von zwei bis drei Wochen könnten die Produktionen auf die Bühne gebracht werden, daher sei es wenig sinnvoll, ständig weitere Premieren vorzubereiten: "Es ist für niemanden auskömmlich, wenn wir jetzt vom Mitmach-Theater zum Proben-Theater kommen und ausschließlich proben, proben, proben, zumal wir für die meisten Betriebe Kurzarbeit vereinbart haben." Dafür ist geplant, dass das Schauspiel in Wuppertal schon zwei Wochen früher als sonst üblich in die neue Spielzeit startet, nämlich Mitte August.

    "Kultur hat katastrophalen Stellenwert"

    Nach dem Deutschen Theater in München sind die Wuppertaler Bühnen damit die zweite Institution, die in den letzten Tagen alle Live-Publikumsveranstaltungen bis zum Ende des Sommers offiziell absagt. Das Deutsche Theater macht bis Ende Juli ganz dicht und wird bis Oktober allenfalls kleinere Events unter freiem Himmel anbieten, in Wuppertal soll es in den kommenden Wochen einige Angebote im Netz geben. Die Dresdener Semperoper hatte bereits im Januar die Rest-Spielzeit storniert und auf einen möglichen "Ersatzspielplan" verwiesen, der von April bis Juli im Gespräch war. Den gibt es tatsächlich, so Pressesprecher Oliver Bernau gegenüber dem BR, und sobald die Politik grünes Licht gebe und Vorstellungen möglich seien, könne er veröffentlicht werden. Doch wer sich im Theaterbetrieb umhört, bekommt hinter vorgehaltener Hand die Einschätzung vermittelt, es sei "illusorisch", bis zum Ende der Saison noch mit Live-Publikum zu rechnen.

    So haben die Burgfestspiele Jagsthausen ihre komplette Sommer-Saison ebenso auf 2022 verschoben wie die Karl-May-Festspiele Bad Segeberg, das Torturmkabarett Allersberg und die Emsländische Freilichtbühne Meppen, um nur einige Beispiele zu nennen. Die großen Festivals in Salzburg, Bayreuth und Bregenz halten sich noch alle Optionen offen, die populären Open Airs wie "Rock im Park" und "Southside" waren schon Anfang März abgeblasen worden.

    Wegen der "Notbremse" in der Corona-Politik musste auch das Saarländische Staatstheater wieder schließen, wo zwischenzeitlich bei sechs Premieren 2.200 Besucher gezählt worden waren. Generalintendant Bodo Busse hatte dazu geäußert, die Modell-Projekte hätten gezeigt, dass "Kultur in Pandemiezeiten möglich" sei. Er sei enttäuscht darüber, dass die Kultur "im Rahmen der Änderung des Infektionsschutzgesetzes bei der Bundespolitik erneut einen solch katastrophalen Stellenwert" einnehme.

    Standby-Betrieb wird zu teuer

    Das ganz überwiegend von seinen Einnahmen finanzierte Deutsche Theater München, Bayerns größtes Musicaltheater, hatte die Absage aller weiteren Veranstaltungen bis Ende Juli damit begründet, ein weiterer "Standby"-Betrieb sei aus Kostengründen nicht länger machbar: "Trotz einer hoch modernen Lüftungsanlage und einem schlüssigen Hygienekonzept inklusive einer Reduzierung der Kapazität zeichnet sich nach wie vor keine Perspektive ab, unser Theater zeitnah wieder öffnen zu können. Darum treffen wir die Aussage diesmal schweren Herzens für einen längeren Zeitraum. Wir spielen nicht! Und zwar sicher bis Ende Juli! Alle bis dahin noch geplanten Veranstaltungen werden erneut verschoben oder final abgesagt."

    Bei den Münchner Live-Veranstaltern ist der Frust groß, weil offenkundig auch Open Airs bis auf Weiteres undenkbar geworden sind. David Süß vom Interessenverband hatte dem BR gesagt: "Damit eine Kulturveranstaltung im Freien stattfinden dürfte, müsste die Inzidenz 28 Tage unter fünfzig sein, und dann dürften sich aber auch nur höchstens fünfzig Menschen auf einer Open Air-Veranstaltung treffen! Also ganz ehrlich, heute Abend am Gärtnerplatz in München bei einer Inzidenz von 160 werden locker mehr als fünfzig Personen anwesend sein." Süß hatte die "Notbremse" als realitätsfremd kritisiert: "Im Freien ist es wirklich deutlich ungefährlicher. Man muss auch ein Stück weit der Lebensrealität der Menschen näher kommen. Es ist jetzt Sommer, alle denken an das vergangene Jahr. Die Leute werden sich unabhängig davon, ob das erlaubt ist, wie die Inzidenz ist, draußen treffen."

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