© Sandra Then / Theater Basel

"König Arthur" am Theater Basel

Es ist eine reichlich hurrapatriotische Handlung, die der Dichter John Dryden einst für Henry Purcells Semi-Oper geschrieben hat. Wir begegnen darin einem Artus ohne Tafelrunde, der auch nicht den Heiligen Gral sucht, sondern sich gegen den Sachsenkönig Oswald zur Wehr setzen muss. Der will nicht nur King Arthurs Reich erobern, sondern gleich noch dessen Geliebte Emmeline dazu.

Bei Dryden eint Arthur die Briten, indem er am Ende Oswald und die Sachsen unterwirft. Ewald Palmetshofer setzt seine Version dagegen: In einem finalen Zweikampf setzen die beiden Könige einander Schachmatt. Ein Friedensschluss wird möglich, weil jeder im anderen Seinesgleichen erkennt. Gleich in Wert und Würde, über alle Unterschiede hinweg.

Kein vordergründig aktualisierendes Update

Das Thema der Gleichheit spielt Palmetshofer auf mehreren Ebenen durch. Im Aufeinandertreffen zweier Völker – Briten und Sachsen. Aber auch in der Begegnung der Klassen und Geschlechter. Das Fußvolk stellt die Logik von Herren und Knechten in Frage. Und die von den Königen umkämpfte Emmeline rebelliert gegen das patriarchale Eroberungsdenken, indem sie feststellt: „Ich bin kein Gewinn!“ Ewald Palmetshofers Stück-Überschreibung ist kein vordergründig aktualisierendes Update. Eher eine Umdeutung, die Themen unserer Zeit in das Zaubermärchenspiel hineinschreibt.

Uraufführungsregisseur Stephan Kimmig nimmt das Magische etwas zu ernst. Schon die mit leuchtend roten Vorhängen ausgekleidete, glühbirnenumrahmte Bühne von Katja Haß lässt mindestens so sehr wie an ein Theater an Varieté, Zirkus und Jahrmarkt denken. Purcells Semi-Oper, in der sich Spielszenen mit Lied- und Musikeinlagen abwechseln, die die Handlung eher kommentieren als fortschreiben, hat ja tatsächlich etwas von einer Nummernrevue. Bei Kimmig sind die von teils recht unterschiedlicher Güte. Es gibt unmotivierte Kinderturneinlagen, ungelenke Pantomimen und Clownsnummer von eher altbackenem Humor. Aber auch schöne Schauspielermomente von Michael Wächter und Elias Ellinghof. Wächter spielt den König Oswald als Underdog mit verletztem Proletarierstolz. Und Ellinghof ist ein schwermütig vergrübelter Arthur.

Zu viel Mummenschanz

Das Orchester unter Christopher Moulds interpretiert Purcell mit einem geradezu federnden Groove, den Ewald Palmetshofer in der Sprache aufnimmt. Das Vokabular ist zwar modern, die Dialoge aber sind in kurztaktige, fast hopsende Verse verpackt. Die Schauspieler spielen zwar die Hauptrollen, die Musik aber gibt Tempo und Temperament vor. So findet Palmetshofers Thema der Gleichheit seine formale Entsprechung: Musiktheater und Schauspiel begegnen sich auf Augenhöhe. Und doch: Die Inszenierung leidet unter einem Übermaß an Mummenschanz. Kimmigs Budenzauber lässt das, was Palmetshofer in seiner Neudichtung verhandelt, weitgehend verschwinden.

"König Arthur" am Theater Basel, Semi-Oper von Henry Purcell und John Dryden in einer Neudichtung von Ewald Palmetshofer, inszeniert von Regisseur Stephan Kimmig. Weitere Termine im September: 15., 23., 27., 29. September.

Autoren

Christoph Leibold

Sendung

kulturWelt vom 14.09.2018 - 06:30 Uhr