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So klingt Kinder-Kino: Neue Schau zeigt "The Sound of Disney" | BR24

© Bild: picture alliance / United Archives; Audio: BR

Für Walt Disney war der Sound die Seele eines Films - entsprechend viel Aufmerksamkeit widmete sein Team den Geräuschen und der Musik. Wie das genau gemacht wurde, das zeigt jetzt eine Ausstellung im DFF in Frankfurt am Main.

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So klingt Kinder-Kino: Neue Schau zeigt "The Sound of Disney"

Die Seele des Animationsfilms ist der Sound - das hatte Walt Disney schon begriffen, als die meisten Filme noch stumm waren. Sein erster, stilbildender Tonfilm erschien 1928, "Steamboat Willie". Wie es dann weiterging? Ab ins Filmmuseum Frankfurt!

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Bestens gelaunt manövriert Mickey Mouse das Dampfschiff durch den Fluss, ehe ihn Kapitän Carlo vom Steuer fortjagt und damit jede Menge Turbulenzen auslöst. Für die Art, wie Musik, Sprache, Geräusche ineinandergreifen und punktgenau die Handlung unterstreichen und dramatisieren, wurde Walt Disney schlagartig berühmt.

Man nannte das damals sogar "Mickey Mousing", erklärt Kuratorin Daria Berten: "Diesen Begriff hat der sehr berühmte Filmproduzent David O. Selznick geprägt. Weil in den Disney-Filmen eben dieses Prinzip so deutlich wurde, dass er das eben mit der Mickey Mouse verbunden hat. Eine Treppe wird hinaufgegangen, die Tonleiter geht hinauf. Oder: Bei 'Schneewittchen' fällt eine Schildkröte die Treppe runter, dann geht die Tonleiter bergab."

Es ist das Märchenland unserer Kindheit, aber eben ein perfektioniertes, meisterhaft auf der Klaviatur der Gefühle spielendes Märchenland. Überall flackern Filmausschnitte auf unterschiedlich großen Screens, begleitet von Produktionsskizzen, Figurenstudien, Hintergrundgestaltungen und Fotografien.

Erbsen in einer Tonne erzeugen ein Regengeräusch

"Da sieht man Walt Disney zusammen mit seinen Mitarbeitern, am Klavier stehend, wir haben eine Aufnahme aus dem Tonstudio, wir sehen am Mikrofon Jimmy MacDonald", erzählt Berten. "Der ist ein ganz langjähriger Mitarbeiter von Disney gewesen und der hat das Geräusch-Effekte-Department aufgebaut, 1934/35. Das war innovativ und kreativ, weil er sich wirklich für jedes Geräusch die verrücktesten Geräte hat einfallen lassen. Zum Beispiel eine Regentonne, die er mit Nägeln präpariert hat und durch die er Erbsen sich hat drehen lassen, um das Geräusch von Regen zu erzeugen."

© Uwe Dettmar / DFF

Ein Blick in die Ausstellung "Sound of Disney"

Nächste Station: Schneewittchens Zwerge singen ihr bekanntes "Heiho"-Lied. Gleich daneben in einer Vitrine die Notenmaterialien mit handschriftlichen Notaten von Pinto Colvig, der zwei der Zwerge gesungen und gesprochen hat. Einer der erfolgreichen Komponisten im Disney-Team war Carl Stalling.

Einblicke in die Entstehung

Die Ausstellung zeigt Reproduktionen von Produktionszeichnungen zu einem "Mickey Mouse"-Cartoon mit Notizen des Komponisten. "Carl Stalling hat einen Pfeil auf die Figur gemalt und hat drüber geschrieben: Hier 'Boing'", sagt die Kuratorin. "Oder: 'Auf dieser Bewegung liegt der Schlag'. Und diese Notizen sind natürlich für unsere Ausstellung Gold wert."

© Disney Enterprises / DFF

Eine Frau scheint tot, acht Männer können's nicht fassen. Ein "Cel" von 1937, im Besitz des Münchner Stadtmuseums und nun im DFF zu sehen

Präzisen Einblick in die Werkstatt des Animationsfilms geben nicht nur die verschiedenen Figurenstudien, sondern auch die sogenannten Cels. Das sind auf durchsichtige Folien übertragene Detail-Zeichnungen, die dann auf ein Hintergrundbild gelegt und fotografiert werden – Phasen der Animation.

"Das ist ein Exponat aus unserer eigenen Sammlung, das wir auch als Key Visual verwendet haben, also als Motiv auf unseren Plakaten", sagt Berten. "Das ist ganz toll, weil wir da Balu, King Louie, ein kleines Äffchen und Mogli in einem Bild haben."

© Disney Enterprises / DFF

Das "Cel", von dem Kuratorin Berten spricht - entstanden ist es im Jahr 1967

Die Rede ist natürlich vom "Dschungelbuch", dem Film, der nicht nur in Deutschland Begeisterungsstürme ausgelöst hat. Es dürfte schwer sein, jemanden zu finden, der den Erkennungssong des sympathisch trägen Bären Balu nicht mitsummen kann.

Der weltweite Erfolg von „Dschungelbuch“ hat den französischen Regisseur und Künstler Pierre Bismuth zu einer Film-Adaption animiert, in der jede Figur eine andere Sprache spricht: Baghira Arabisch, Balu Hebräisch, Mogli Spanisch. Mit dieser babylonischen Hommage endet die opulente und bezaubernde Schau im Frankfurter Filmmuseum.

"The Sound of Disney. 1928-1967", zu sehen bis zum 10. Januar 2021 im Deutschen Filminstitut und Filmmuseum in Frankfurt am Main.

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