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"The Hunting": Endlich eine Serie, die "Sexting" verstanden hat | BR24

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Zoe (Luca Asta Sardelis) ist immer Online.

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    "The Hunting": Endlich eine Serie, die "Sexting" verstanden hat

    "The Hunting" gelingt, woran "Tote Mädchen lügen nicht" gescheitert ist: Eine glaubwürdige Story über Teenager, den Reiz von Nacktfotos und die Konsequenzen von Online-Mobbing. Und darüber, wie wenig die Erwachsenenwelt auf all das vorbereitet ist.

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    In "The Hunting" sind einige Jungs ständig auf der Pirsch: Sie jagen nach Fotos. Intimen Bildern von den Mädchen ihrer Schule, die sie dann wie Trophäen im Netz herumreichen. Auch die Fotos von Amandip (Kavitha Anandasivam) und Zoe (Luca Asta Sardelis) machen die Runde. Beide Mädchen sind beide 15 Jahre alt, wohnen in Nachbarorten und werden zur Zielscheibe von Online-Mobbing. Die eine, nachdem sie ein Nacktfoto von sich an ihren Freund geschickt hat und die andere, weil ein Screenshot von einem sehr freizügigen Videochat mit einem Mitschüler plötzlich in der Schule kursiert.

    Die Dynamiken hinter toxischem Verhalten

    Die intimen Fotos wurden auf eine Website hochgeladen – für die die Jungs in einem geheimen Onlineforum nach Bildern ihrer Mitschülerinnen jagen. In diesem Forum werden Mädchen aus den unterschiedlichsten Gründen zur Jagd freigegeben: Manche, weil sie einen bestimmten Ruf haben, andere, weil sie den Jungs mit feministischen Ansichten auf die Nerven gehen, als Rache für Abweisung oder nur, weil es noch kein Nacktbild von ihnen gibt. Auf diese Seite stößt irgendwann zufällig auch ein Lehrer.

    Die Situation ist für alle Beteiligten verzwickt – auch für den Lehrer: Schließlich handelt es sich bei den intimen Bildern um Kinderpornografie. Die betroffenen Jugendlichen, egal ob Täter oder Opfer, sind seine Schüler*innen, die er schützen will.

    Und auch die Beziehungen zwischen den betroffenen Schülern und Schülerinnen und deren Eltern werden auf die Probe gestellt. Während einige Eltern ihre Kinder sehr verständnisvoll unterstützen, begünstigt ein Vater das destruktive Verhalten seines Sohnes sogar noch. Und die Eltern eines betroffenen Mädchens machen ihr aus Angst um den Ruf der Familie Vorwürfe und bestrafen sie. Besonders interessant ist auch, wie diese verschiedenen Dynamiken in Bezug auf den kulturellen Hintergrund und sozialen Status der Familien dargestellt werden: Ein Mädchen ist indisch-stämmig, das andere wächst mit ihren beiden sehr progressiven Müttern auf. Um erwartbare Klischees macht "The Hunting" auch hier einen großen Bogen.

    Die Erwachsenenwelt ist überfordert

    Keine Sorge, "The Hunting" ist trotz allem keine Pädagogik-Serie für den Aufklärungsunterricht (auch wenn sie dort gezeigt werden sollte). Sie kommt ohne den erhobenen Zeigefinger aus und ist gerade wegen ihrer Einfühlsamkeit so effektiv. "The Hunting" ist das, was "Tote Mädchen lügen nicht" sein wollte: Eine Teen-Serie, die zeigt, wie das Leben wirklich ist, was Männlichkeitsbilder mit sexualisierter Gewalt zu tun haben und welche vielschichtigen Konsequenzen sich aus einer so total banalen und normalen Sache wie einem intimen Foto ergeben können.

    Die vier Folgen kurze und absolut empfehlenswerte Miniserie macht auch sehr deutlich, dass das Rechtssystem und die Erwachsenenwelt auf diese Herausforderungen überhaupt nicht vorbereitet sind: In Australien, wo die Serie spielt, können Minderjährige, die von sich selbst Nacktbilder machen und verschicken, wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornografie belangt werden. Aber diejenigen, die die Bilder dann aus Rache veröffentlichen, nur sehr, sehr schwer. Das ist verrückt – und in Deutschland glücklicherweise anders.

    "The Hunting" ist im Angebot vom Streamingdienst TVNow verfügbar.

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