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Die Düsseldorf Düsterboys mögen die Westernhagen-Pose | BR24

© Bayern 2

Als International Music haben Peter Rubel und Pedro Crescenti letztes Jahr Fans der gepflegten Schrammelgitarre begeistert. Als Düsseldorf Düsterboys schlagen sie jetzt ruhigere Töne an – und erinnern manchmal an Hannes Wader, manchmal an Tocotronic.

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Die Düsseldorf Düsterboys mögen die Westernhagen-Pose

Als International Music haben Peter Rubel und Pedro Crescenti letztes Jahr Fans der gepflegten Schrammelgitarre begeistert. Als Düsseldorf Düsterboys schlagen sie jetzt ruhigere Töne an – und erinnern manchmal an Hannes Wader, manchmal an Tocotronic.

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"Komm wir fahren irgendwo hin, irgendwo hin. Ich will nicht länger sein, wo ich grad bin." So singen die Düsseldorf Düsterboys am Anfang ihres Albums "Nenn mich Musik". Ein wenig erinnert dieser Beginn an Hannes Wader, an Arbeiterlieder und Wandersmann-Chansons. Trotzdem zeigt die vierköpfige Band schon im ersten Song "Teneriffa", dass sie einen eigenen Stil hat. "Manches lernen wir sehr spät. Man merkt erst, dass man weg muss, wenn man geht," heißt es da zum Beispiel. Eine Zeile, die typisch ist für die Düsterboys. Man hat das Gefühl, die Vorgeschichte verpasst zu haben, mindestens ein zwischenmenschliches Drama. Aber spätestens der Refrain erzeugt Verständnis, Versöhnung, ein schönes Gefühl.

Fernweh und Freundschaft

In "Teneriffa" gehe es um Fernweh, erzählt Pedro Crescenti. Das Wort sei eigentlich nur eine Projektionsfläche: "Ich finde es sehr schön, dass es für viele Leute unterschiedliches bedeutet. Meine Freundin wohnt in Berlin, kommt aber aus dem Ruhrgebiet, für sie ist Teneriffa ein totaler Ruhrgebietssong. Sie erzählt mir, dass sie da Heimweh nach dem Ruhrgebiet bekommt. Teneriffa kann also alles sein, kann ein Ort sein, kann ein Urlaub sein, kann die Heimat sein, oder auch eine Zeit, die Jugend zum Beispiel."

À propos Jugend: die Düsterboys Peter und Pedro sind Freunde seit Schultagen. Sitzen gemeinsam im Musikleistungskurs und nebeneinander im Chor. Später, als sie nach dem Abi in unterschiedlichen Städten wohnen, besuchen sie sich gegenseitig mit ihren Akustikgitarren. Klampfen zusammen bis tief in die Nacht. Und irgendwann ist sie da, diese eine Parole, Melodie oder Akkordfolge. Und an der wird dann gearbeitet.

"Was einen Text für mich persönlich interessant macht, ist ein Spannungsverhältnis, Verwässerungen, Unklarheiten," so Pedro Crescenti. "Natürlich muss es passen. Es ist die Zeile, die so wichtig ist und dass die Wörter in einer Zeile gut miteinander funktionieren. Sich schön anhören und auf einer Bedeutungsebene interessant sind. Und wenn dann Spannung entsteht, dann wird ein Text gut."

Musik für die Party nach der Party

"Wir machen Musik für die Party nach der Party," sagen Peter und Pedro, beide 27, beide Studenten. Lieder wie "Kneipe" oder "Alkoholgedanken" verdanken die Düsterboys sicherlich dem ein oder anderen Kneipenbierchen. Also: Erst saufen, dann singen? Pedro wiegelt ab: "Nein, so viel ist das auch nicht. Marius Müller Westernhagen hat uns da noch ein bisschen was voraus."

Westernhagen – am Namen der Band ist der nicht ganz unschuldig. Peter Rubel erzählt, der Name sei ihm mit 16 in einem Traum erschienen, dem der heftige Konsum von Westernhagens Album "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" vorausgegangen war. Und die Düsterboys mögen die Westernhagen-Pose: mit Lederjacke und Drink in der Bar. Spielen aber auch gegen alle Erwartungen intime Songs wie "Federleichte Tage".

Zwischen Folkpop und Experimentalrock

Die Düsseldorf Düsterboys, die by the way noch nie in Düsseldorf gelebt haben, klingen, als hätten sich Simon & Garfunkel mit Velvet Underground zusammengetan. Und manchmal erinnern Peter & Pedro an die frühen Tocotronic mit ihren so treffenden Beschreibungen von Banalitäten.

Und wenn die letzte Kippe geraucht und der Messwein aufgebraucht ist, dann wartet am Ende vom Debüt der Düsterboys noch einer dieser Momente, wo man das vorausgegangene Drama wieder mal nur erahnen kann. Wo man anfängt, unbewusst die zweite Stimme dazu zu singen und der Song einem übers Köpfchen streichelt und das Gefühl vermittelt: alles wird gut – oder zumindest "Teneriffa".

© Staatsakt

Albumcover von "Nenn Mich Musik" von den Düsseldorf Düsterboys

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