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Eine verbissene Maggie Thatcher, eine unwiderstehliche Lady Di | BR24

© Audio: BR/ Bild: Netflix

Die Auseinandersetzungen der Queen mit Maggie Thatcher und die Ehe von Charles und Diana sind zentrales Thema der vierten Staffel von "The Crown".

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Eine verbissene Maggie Thatcher, eine unwiderstehliche Lady Di

Der arbeitslose Michael Fagan besucht die Queen heimlich, um ihr von den verheerenden Wirkungen des Thatcherismus zu berichten, und Lady Di ist unwiderstehlich, wenn sie auf Rollschuhen den Buckingham Palast aufmischt. The Crown, Staffel 4 ist da!

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Anders als in den Staffeln 1 bis 3, die auch als dramatisierter Geschichtsunterricht zu verstehen waren, betritt "The Crown" nun eine historische Ära, die viele der potentiellen Zuschauer selbst live erlebt haben, die 80er-Jahre, oder genauer: Die Regierungszeit von Premierministerin Margaret Thatcher, die von 1979 bis 1990 dauerte. Die Audienzen, die Königin Elisabeth der Politikerin gewährt, durchziehen die gesamte Staffel: "Eure Majestät! Ich denke, persönlich haben wir genug Respekt voreinander, um uns ein paar wichtige Fragen zu stellen, von Frau zu Frau. Immerhin sind wir im gleichen Alter!", leitet die Premierministerin eine dieser unterkühlten Konversationen ein, bei der sie am Ende erklären wird, dass sie sechs Monate älter ist als die Queen.

Queen gegen die Eiserne Lady

Die Konfrontationen der in Würde immer mehr erstarrenden Königin und der kleinbürgerlichen, aber durchsetzungsfähigen Regierungschefin werden anhand der politischen Krisen dieser Ära durchgespielt: Der Bürgerkrieg in Nordirland, der Falklandkrieg, vor allem das Ringen um die Apartheid in Südafrika, dem die Serie eine ganze Folge widmet, zeigen uns die "Eiserne Lady" Maggie Thatcher, die hier – in grotesker Verbissenheit dargestellt – manchmal wie eine Karikatur wirkt. Die Queen hat jedenfalls Schwierigkeiten, Thatcher zu verstehen: "Arbeitslosigkeit, Rezession, Krisen, ein gefährliches Spiel, sich links, rechts und in der Mitte Feinde zu schaffen!", bemerkt sie. "Nicht, wenn man sich wohl dabei fühlt, Feinde zu haben.", kontert Thatcher.

Wie schon in den vorausgegangenen Staffeln widmet sich auch in Staffel 4 jeweils eine Episode einem bestimmten Thema. So bekommen wir in einer Folge die ganze Geschichte des Michael Fagan serviert. Dem arbeitslosen Londoner gelang es, in einer Nacht im Juli 1982, unbemerkt von den Wachen, die Queen in ihrem Schlafzimmer zu besuchen und mit ihr über die sozialen Spannungen zu reden, die der Thatcherismus ausgelöst hatte. Das wird ganz großartig aus Sicht des Proletariers erzählt.

© Netflix

Lady Di: Sie bringt zuweilen Popkultur ins staubige Plüsch-Ambiente des Schlosses

"Diana ist ein unreifes Mädchen"

Eine andere Folge widmet sich – weniger spannend – Prinzessin Margaret, der extrovertierten Schwester der Queen. Die hat dann auch eine klare Meinung zu einer weiteren Hauptfigur der Serie, die in dieser Staffel eingeführt wird: "Diana ist ein unreifes Mädchen, das mit der Zeit seinen Kampf aufgeben und sich beugen wird, wie alle das tun." Andernfalls werde Diana zerbrechen – so ihre Prognose.

Natürlich geht es hier auch und häufig um die Ehe zwischen Thronfolger Charles und Lady Diana Spencer, wobei die pompöse Hochzeit des Jahres 1981 gar nicht gezeigt wird. "The Crown" gilt auch ohne diese Inszenierung ja schon als das teuerste Produkt, das der Streaming-Anbieter Netflix je hergestellt hat. Stattdessen versucht die Serie, die wieder von Show-Runner Peter Morgan auf die Beine gestellt wurde, die Abgründe dieser tragischen Ehe auszuleuchten. Also erleben wir einen immer seltsamer wirkenden Prince Charles, dessen bedingungslose Liebe zur verheirateten Camilla Parker-Bowles trotzdem unverständlich bleibt. Denn die hier gezeigte Lady Di wirkt in ihrer naiven Unschuld unwiderstehlich. Wenn sie sich etwa zum Walkman-Sound von Duran Duran auf Rollschuhen durch den Buckingham Palast bewegt, kehrt plötzlich Popkultur ins staubige Plüsch-Ambiente des Schlosses ein.

Die sehr diversen Aspekte dieser wie immer erstklassig ausgestatteten Serie haben jedenfalls Sucht-Potential und werden dafür sorgen, dass wir die geplanten zwei weiteren Staffeln kaum werden erwarten können. Denn die werden ja dann schon aufregend nah an unsere Gegenwart heranreichen.

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