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Thatcher-Denkmal bleibt im Depot: Angst vor Vandalismus | BR24

© Douglas Jennings/Picture Alliance
Bildrechte: Douglas Jennings/Picture Alliance

Margaret Thatcher: Denkmal von Douglas Jennings

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    Thatcher-Denkmal bleibt im Depot: Angst vor Vandalismus

    Ihre Statue kostete 340.000 Euro, doch aufgestellt wird sie vorerst nicht: In Grantham, Geburtsort der hoch umstrittenen britischen Premierministerin Margaret Thatcher, fürchten Stadtpolitiker Beschädigungen.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Seit die Statue des britischen Kaufmanns Edward Colston am 7. Juni umgestürzt und ins Hafenbecken von Bristol geworfen wurde, tobt eine heftige Debatte über Sinn und Unsinn von Erinnerungsstätten, nicht nur in Großbritannien. Colston, im 18. Jahrhundert Mitglied des englischen Parlaments und Förderer von Kirchen, Armen- und Krankenhäusern, war als Kaufmann im Überseehandel aber auch an der Versklavung von mehr als 80.000 Menschen beteiligt. Der Denkmalsturz stieß weltweit auf viele Sympathien.

    Nur der Sockel steht bisher

    Und so, wie es aussieht, werden es Skulpturen von historischen Persönlichkeiten künftig generell schwer haben: Eine über drei Meter hohe Bronze-Statue der britischen Premierministerin Margaret Thatcher (1925 - 2013), die in ihrem Geburtsort Grantham in der Nähe von Nottingham aufgestellt werden sollte, ist seit zwei Jahren in einem "geheimen" Depot eingelagert. Im vergangenen Februar wurde lediglich der ebenfalls etwa drei Meter hohe Sockel aufgebaut und sogleich abgesperrt. Für die ungewöhnliche Höhe hatte sich die Polizei ausgesprochen, die auch Wert darauf legte, dass die Örtlichkeit gut einsehbar sein müsse. Seitdem sorgt der "Rumpf" als eine Art unfreiwilliges "Mahnmal" für erregte Debatten. In Grantham betrieb der Vater der nachmaligen Politikerin ein Lebensmittelgeschäft. Er war in den Jahren 1945/46 auch Bürgermeister.

    Die Stadtpolitiker ängstigten sich von Anfang an, dass eine derart monumentale Thatcher-Erinnerungsstätte Ziel von Anschlägen sein könnte. Bezahlt wurde das Werk des britischen Künstlers Douglas Jennings von einer gemeinnützigen privaten Stiftung, dem "Public Memorials Appeal". Jennings ist einem traditionellen Stil verpflichtet und hat 2018 auch bereits die Queen in Stein verewigt. Thatcher käme zwischen dem Naturforscher Isaac Newton und Frederick Tollemache zu stehen, einem früheren Parlamentsmitglied für den Wahlkreis Grantham, in einer Park-Anlage namens St. Peter's Hill.

    © Vladimir Vyatkin/Picture Alliance
    Bildrechte: Vladimir Vyatkin/Picture Alliance

    Umstrittene Erinnerung: Margaret Thatcher am Rednerpult

    Sogar die "New York Times" wurde jüngst auf den merkwürdigen Umgang mit dem Thatcher-Denkmal aufmerksam und widmete ihm einen längeren Artikel. Dort kommt unter anderem Graham Newton zu Wort, Redakteur des wöchentlichen "Grantham Journal", der sagte: "Wenn Sie ein Konservativer sind, möchten Sie das Denkmal und dass sie wahrgenommen wird. Aber wenn Sie keiner sind, und davon gibt es hier, ehrlich gesagt, viele, dann hassen Sie sie." Eine feierliche Enthüllung, wie sie bei neuen Denkmälern eigentlich üblich sein sollte, kann sich demnach in Grantham niemand so recht vorstellen.

    Falscher Zeitpunkt?

    Die konservative "Daily Mail" hatte bereits im vergangenen Juni darauf verwiesen, dass die nicht wenigen Fans von Thatcher, der "Eisernen Lady", darauf beharren, die Statue aufzustellen. Charmaine Morgan, eine örtliche Labour-Politikerin äußerte ganz offen ihre Besorgnis, dass eine derart hohe "Thatcher"-Säule beschädigt werden könnte. Parteikollegen von Morgan verwiesen darauf, dass gerade in Pandemie-Zeiten, wo Solidarität gefragt sei und alle zusammenrücken müssten, die Ehrung einer derart umstrittenen Frau unangemessen wäre.

    © Douglas Jennings/Picture Alliance
    Bildrechte: Douglas Jennings/Picture Alliance

    Wuchtig: Nahaufnahme des Margaret-Thatcher-Denkmals

    Im schottischen "Herald" hieß es letzte Woche zu den diversen Denkmal-Debatten: "Bitte, bitte, bitte keine Statuen mehr. Keine Skulpturen oder öffentliche Kunstwerke. Keine gigantischen Frauen, keine Männer, keine Pferde oder sonstwas Großes." Allerdings schrieb Autor Mark Smith mit Hinweis auf den Streit um Thatcher auch: "Standbilder von Frauen scheinen nur annehmbar zu sein, wenn diese Frauen linksorientiert waren."

    Statue ursprünglich für Westminster in London vorgesehen

    In anderer Form findet allerdings doch ein Gedenken an Thatcher in Grantham statt: Seit einigen Monaten ist eine Gedenkmünze zum geplanten Denkmal zum Preis von fünf britischen Pfund in allen Geschenkartikel-Läden der Stadt zu erwerben. Ursprünglich war die Statue übrigens für Westminster in London vorgesehen, doch dort winkten die Verantwortlichen sofort ab, mit der formalen Begründung, über solche Projekte grundsätzlich frühestens zehn Jahre nach dem Tod der zu ehrenden Person nachzudenken.

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