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Tedeschi Trucks Band während eines Auftritts

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Dave Vann
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Albumtipp: Die Tedeschi Trucks Band startet großen Songzyklus

Die Tedeschi Trucks Band hat in der coronabedingten Tourpause ein ungewöhnliches Projekt gestartet: "I Am The Moon" – 24 Songs, inspiriert von einem historischen Epos aus Persien. Geplant sind vier Alben, mit "Crescent" ist nun das erste erschienen.

Von
Bernhard JugelBernhard Jugel
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Gleich das erste Album enthält auch den Titelsong des Zyklus, "I Am The Moon". Der klingt anfangs recht simpel: eine Akustikgitarre, eine einfache Gesangslinie – doch sobald die ganze Band einsteigt, wird die Musik sehr viel komplexer. Die zwölfköpfige Band, die mal mit Bluesrock angefangen hat, erweitert ihre stilistische Palette hier in Richtung Soul, Jazz und dem New-Orleans-typischen Second-Line-Beat, lässt indische Skalen einfließen und die vier Sängerinnen und Sänger der Band auch mal in gospelartigen Hymnen jubilieren.

Inspirationen aus dem 12. Jahrhundert

Die erste Inspiration für das Großprojekt "I Am The Moon" geht auf einen Festivalauftritt 2019 zurück. Damals coverte die Tedeschi Trucks Band das komplette Album "Layla and Other Assorted Love Songs" von Derek and The Dominos, das zum Teil von dem Epos "Leila & Majnun" des persischen Dichters Nezami aus dem 12. Jahrhundert inspiriert ist. Dieses Epos mit seinen mystischen und philosophischen Anspielungen beeindruckte die Bandmitglieder so sehr, dass sie anfingen, Songs nach einzelnen Motiven des Epos zu schreiben, die schließlich in einen 24 Tracks umfassenden Zyklus mündeten.

Exquisite Mischung aus Rock, Soul und Jazz

Das erste Album des "I Am The Moon"-Projekts heißt "Crescent" – also "zunehmend" oder "sichelförmig" – und die fünf Tracks des Albums legen die Messlatte ziemlich hoch. Southern Rock ist die Grundlage, auf der sich tanzbare Grooves und mitreißende Gesangsarrangements entfalten. Gitarrist Derek Trucks spielt, als wäre er Duane Allman, Eric Clapton und George Harrison in einer Person – und wenn die Bläser anfangen zu swingen, wähnt man sich mitten im Karneval von New Orleans.

Zu jedem ihrer vier Alben veröffentlicht die Tedeschi Trucks Band außerdem ein Video in Albumlänge auf ihrem eigenen Youtube-Kanal. Das erste ist eine Mischung aus psychedelischer Lightshow und Footage der Studioaufnahmen – solide montiert, aber ästhetisch im Rahmen des Gewohnten. Auch die Musik klingt beim ersten Hören nicht unbedingt neu – aber mit ihrer Mischung aus Rock, Soul und jazzigen Ausflügen schafft es die Tedeschi Trucks Band, ihren eigentlich in 70er-Jahren beheimateten Sound tatsächlich in die Jetztzeit zu beamen. "I Am The Moon: I. Crescent" ist ein Album, das tatsächlich mit jedem neuen Hören mehr Tiefe gewinnt.

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