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Taylor Swift bei den 63. Grammy Awards in Los Angeles

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    "Fearless": Darum nimmt Taylor Swift ihr altes Album neu auf

    Bei dieser Neueinspielung geht es um Macht und Geld: Die US-Sängerin will sich mit einem Trick die Verfügungsgewalt über ihre alten Songs sichern. Dahinter steckt ein Streit mit ihrem ehemaligen Plattenlabel – und ein 300-Millionen-Euro-Deal.

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    • BR24 Kultur

    Der Vorgang dürfte in der Welt der Popmusik bisher einmalig sein: Wegen des Streits mit ihrem ehemaligen Label nimmt Taylor Swift sechs ihrer alten Alben noch einmal auf, um sich weiterhin die lukrativen Rechte an ihren Songs zu sichern. Neben diesem Aspekt wird Swift ihre alten Songs wohl auch ihrem neuen Stil – mehr Folk, weniger Pop – anpassen. Zudem gibt es unveröffentlichte Songs als Bonus dazu.

    Den Auftakt der sechs Alben macht ihre Neufassung von "Fearless", die an diesem Freitag erscheint. Erstmals 2008 veröffentlicht, markierte das Album Swifts Wandlung von der Country-Musikerin zum Popstar und war bahnbrechend erfolgreich. Das zeigt ein Blick auf die Fakten: Bei der Veröffentlichung vor fast dreizehn Jahren war Swift gerade einmal achtzehn, schon damals schrieb sie die Lieder entweder komplett selbst oder war Co-Autorin. Sie gewann dafür vier Grammys, unter anderem für das "Album des Jahres". In den USA war "Fearless" 2009 die meistverkaufte Platte. Bis heute hat sie sich, wie Swifts jetziges Label Universal mitteilte, zwölf Millionen Mal verkauft.

    Alte Songs mit neuen Nuancen

    Das Album noch einmal neu aufzunehmen, sei keineswegs mühsam gewesen, meint Swift im Interview mit dem Musikjournalisten Zane Lowe: "Es war nicht so, also ob meine Hausaufgaben verloren gingen und ich sie nochmal machen muss, es ist sehr erfüllend!"

    26 Songs hat Taylor Swift auf das Album gepackt, die meisten dürften die Fans kennen, etwa den Titelsong "Fearless" oder "Love Story". Die Songs wurden dabei kaum neu interpretiert, vor allem Swifts ältere, reifere Stimme gibt ihnen eine neue Nuance.

    Streit mit Ex-Plattenlabel

    Dass Swift nun sechs Musikalben neu einspielt, hat vor allem etwas mit dem Rechtsstreit zu tun, den sich die Sängerin mit ihrem alten Plattenlabel Big Machine geliefert hat. Dieses hielt, wie meist üblich, die Rechte an den so genannten Master-Recordings. Also der Version ihrer Lieder, die auf den Alben landen. Der jeweilige Rechteinhaber kann entscheiden, wie die Songs lizensiert werden, wie sie also beispielsweise bei Streamingservices vermarktet werden.

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    Bildrechte: Universal Music/dpa

    Cover des Albums "Fearless (Taylor·s Version)" von Taylor Swift

    Big Machine hatte diese Rechte aber verkauft, gegen den Willen Taylor Swifts – und zwar für 300 Millionen US-Dollar an Scooter Braun, einen Musikmanager, den Swift nicht leiden kann und dem sie vorwirft, ihre Karriere zu sabotieren. "Der Grund, warum ich so leidenschaftlich dafür kämpfe, dass Musiker ihren Katalog besitzen sollten, ist, dass man als Schöpfer der Musik alle Details kennt, den Entstehungsprozess. Du bist die einzige, die weiß, was beinah reingeschrieben worden wäre und welche Geheimisse mit der Reise verbunden sind, die die Musik unternommen hat“, sagt Swift.

    Neuaufnahmen sind eine Art Selbstermächtigung

    Da die Sängerin ihre Lieder auch schreibt, hält sie die Rechte an den Liedern selbst – und darf sie deswegen neu aufnehmen. Die Neuaufnahme ihrer ersten sechs Musikalben ist also auch eine Art Selbstermächtigung gegenüber der Platten- und Musikindustrie.

    Dass sie kein Problem hat, für ihre Rechte zu kämpfen, zeigte der Streit mit Apple Music im Jahr 2015. Damals war es um die Bezahlung von Künstlern während einer dreimonatigen kostenlosen Probezeit für den damals neuen Dienst gegangen. Die Künstler sollten in diesen drei Monaten leer ausgehen – nach Taylor Swifts Intervention gab Apple nach.

    Bei den Neueinspielungen geht es also um Macht und natürlich auch Geld – aber auch um die Fans, das betont Swift immer wieder. Nur sie als Künstlerin könne den Fans eine besondere Freude machen.

    Das hat sie zumindest bei der neuen Version von "Fearless" eingelöst. Vor der Veröffentlichung gab es einige Rätsel zu lösen, Fans konnten die Trackliste mittels Anagrammen erraten. Zudem gibt es sechs unveröffentlichte Songs wie "You All Over Me" oder "Mr. Perfectly Fine".

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