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Martin Lüttge

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    Tatort und Volkstheater: Schauspieler Martin Lüttge gestorben

    Er war Tatort-Kommissar, spielte in Stuttgart den Faust in der Regie von Peymann und gründete eine Theaterkommune in der Nähe von Burghausen (Oberbayern). Am vergangenen Mittwoch ist Martin Lüttge nach längerer Krankheit gestorben. Von Peter Jungblut

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    Dem üblichen Theater-, Film- und Fernsehbetrieb stand Martin Lüttge immer skeptisch gegenüber, wollte er doch künstlerisch unabhängig, kollegial und politisch engagiert bleiben: Beides schien ihm im Unterhaltungsgeschäft und an Staatstheatern seit den späten sechziger Jahren immer weniger möglich. Daher gründete er 1978 in der Nähe von Mehring bei Burghausen (Oberbayern) auf einem traditionsreichen Bauernhof ein Zelttheater, das wenig später als "Theaterhof Priessenthal" von sich reden machte. Lüttge engagierte sich für modernes, zeitkritisches Volkstheater, weit jenseits von Mundart-Folklore und bäuerlichen Klischees. Stattdessen thematisierte er auf sehr unterhaltsame Weise soziale Ungerechtigkeit, Überfremdungsängste und Bildungsverluste. So nahm er 2004 das mittelalterliche Meier-Helmbrecht-Epos zum Anlass, auf der Burghauser Burg ein gleichnamiges Stück über Standesunterschiede und Aufstiegsträume zu spielen.

    Landwirt und TV-Serienrollen

    Der gebürtige Hamburger Martin Lüttge war der Sohn eines Gartenarchitekten und einer Krankenschwester. Er wollte nach dem Schulabschluss zunächst Landwirt werden und machte in den fünfziger Jahren in England eine Ausbildung auf einem Kälbermasthof. Dort war er bereits als Laienschauspieler tätig, wechselte dann an die Schauspielschule Zerboni in Gauting und später an die Neue Münchner Schauspielschule. Entdeckt wurde Lüttge vom Regisseur Fritz Umgelter, der ihm 1964 in "Bratkartoffel inbegriffen" das Fernsehdebüt verschaffte. Es folgten Serienrollen ("Hafenpolizei", "Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger", "Cliff Dexter", "Der Kommissar").

    Tatort-Nachfolger von Schimanski

    Von 1966 bis 1970 war Lüttge an den Münchener Kammerspielen engagiert, später am Düsseldorf Schauspielhaus und bis 1977 am Staatsschauspiel Stuttgart, wo er als betont jugendlicher, tatkräftiger Faust in der Regie von Claus Peymann und Achim Freyer Furore machte. Nach seinem Ausstieg aus Fest-Engagements drehte Lüttge neben seiner Tätigkeit als unabhängiger Theatermacher immer wieder für das Fernsehen. Von 1992 bis 1995 war er in fünfzehn Folgen als Tatortkommissar Bernd Flemming in Düsseldorf direkter Nachfolger von Götz Georges "Schimanski". Eine dieser Folgen rangiert bis heute unter den Top-Ten-Tatorten. Hohe Popularität erreichte Lüttge als TV-Partner von Hardy Krüger jr. in der Serie "Forsthaus Falkenau". Zuletzt tourte Lüttge bis Anfang 2007 als Jacob Grimm durch Deutschland, Finnland, Bulgarien und Polen.

    Martin Lüttge war von 1966 bis 1972 mit der Schauspielerin Gila von Weitershausen verheiratet. Wegen einer schweren Erkrankung konnte er in den vergangenen Jahren nicht mehr auftreten. Er starb nach Angaben seiner Hamburger Künstleragentur am vergangenen Mittwoch im schleswig-holsteinischen Plön.