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Tal Niv wurde in Israel geboren und ist der erste staatlich geprüfte Berg- und Skiführer mit israelischem Pass in Bayern. Beim Klettern erlebt er das, was er in der Meditation nicht gefunden hat: innere Ruhe.

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Tal Niv: Ein jüdischer Bergführer im Allgäu

Tal Niv wurde in Israel geboren und ist der erste staatlich geprüfte Berg- und Skiführer mit israelischem Pass in Bayern. Beim Klettern erlebt er das, was er in der Meditation nicht gefunden hat: innere Ruhe und Zufriedenheit.

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Von
  • Bettina Weiz

Tal Niv wird in Israel geboren und lebt als kleines Kind mit seiner Familie in einem Kibbuz an der Grenze zum Gazastreifen. Es ist eine jüdische Bastion. Jenseits des Stacheldrahts: Palästinenser-Land. Er dient - wie alle Israelis - drei Jahre dem israelischen Staat und studiert anschließend in Jerusalem. Doch zwischen Wehrdienst und Studium reist er um den Globus und entdeckt die Berge für sich. Außerdem kommt er in Verbindung mit der kosmopolitischen Welt der Bergsteiger; in Frankreich begegnet er einem jüdischen Südafrikaner, der von seiner Bergführer-Ausbildung bei Amerikanern erzählt. "Und dann wir mir klar, dass ich die Ausbildung machen möchte. Mein Ziel war ein Berg-Leben", sagt Tal Niv.

Beim Klettern liebt er die Konzentration, die am Fels notwendig ist. Und ihn fasziniert die Bewegung. "Das Klettern blendet die Geräusche des Lebens aus. Ich persönlich finde es sehr meditativ." Mit herkömmlicher Meditation sei er selten so weit gekommen, trotz vieler Versuche, sagt er. Religion spielt für ihn keine große Rolle, obwohl ihm das Judentum gewissermaßen in die Wiege gelegt wurde.

Bergführer-Ausbildung in Bayern

Dass er nach Deutschland zieht, ist Zufall. Bei einem Event in Wales trifft er einen Rosenheimer Bergführer. Der lädt ihn ein, und Tal Niv setzt sich ins Flugzeug. "Es war wirklich ein Zufall und von meiner Seite vermutlich auch Vertrauen und ein bisschen Naivität." Aber es klappt. Der Freund holt ihn ab. Tal Niv macht seine Bergführer-Ausbildung in Bayern. Dabei lernt er Heidi Harder kennen. Durch sie kommt Tal Niv ins Allgäu. Eine Deutsche und ein Israeli, Bergführerin und Bergführer, beide weitgereist. Sie gründen Familie.

Jüdisches Laubhüttenfest und christliche Osterbräuche

Religiös sind beide nicht. Aber mit den Kindern haben sie angefangen, manche Feste zu begehen, erzählt Heidi Harder, das Lichterfest Chanukka im Advent etwa oder das jüdische Neujahrsfest Rosch Haschana im Herbst mit Freunden im Garten. "Im Herbst sind wir meistens in Israel, und da fällt oft Sukkot, das Laubhüttenfest, rein. Da haben wir uns diese Hütten bei Freunden angesehen. Und Pessach feiern wir auch, weil das ein wichtiger Feiertag ist." Wenn Tal Nivs Eltern zu Besuch sind, dann sei Freitagabend ein besonderer Abend, an dem sie etwas Besonderes kochten.

Sukkot, das Laubhütten-Fest, und Pessach erinnern an den Auszug der Juden aus Ägypten, hat Heidi dabei gelernt. Sie schätzt das Eintauchen in eine andere Kultur und Religion. Aus der Kirche ist sie vor langem ausgetreten, aber mit den Kindern pflegen sie auch Weihnachts- und Osterbräuche. Die strengen Regeln der jüdischen Orthodoxie befolgt Tal Niv allerdings nicht – so isst er zum Beispiel nicht nur koschere Kost und teilt sich mit seiner Frau die Hausarbeit.

"Ich bin ein Israeli, bin ein Jude, aber ich bin kein gläubiger Jude. Ich bin ein säkularer Jude, wie übrigens die meisten Israelis. Es wäre auch eine bisschen einfachere Welt, wenn man sich und andere nicht ständig definieren müsste." Tal Niv

Viele Kunden seiner Bergsteigerschule kommen aus Israel. Er bringt sie auf die höchsten Gipfel der Alpen. Umgekehrt führt er auch Deutsche auf Berge in Israel. Und dann kehrt er immer wieder gerne nach Hause zurück. Ins Allgäu.

Mehr zum Thema "Jüdisches Leben in Bayern" in STATIONEN am Mittwoch, 13.1.21 um 19 Uhr im BR-Fernsehen und in der BR-Mediathek.

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