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Als "unfassbar therapeutisch" hat Antonia Rug, die als Novaa Musik macht, ihr neues Album beschrieben. Tatsächlich verarbeitet die 24-Jährige auf "She's a rose": Gewalt, Demütigung und sogar Missbrauch.

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Tänzelnde Träume - Novaas neues Album

Als "unfassbar therapeutisch" hat Antonia Rug, die als Novaa Musik macht, ihr neues Album beschrieben. Tatsächlich verarbeitet die 24-Jährige auf "She's a rose": Gewalt, Demütigung und sogar Missbrauch.

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Von
  • Matthias Scherer

Genauso wichtig wie die Töne, die Novaa in ihrer Musik anschlägt, sind die Räume, die sie zwischen den Tönen frei lässt. Worte und Akkorde haben Platz, um nachzuhallen und nachzuwirken. Man möchte ihre Musik fragil nennen, aber damit täte man ihr Unrecht. Denn auf "She’s a Rose" klingt Novaa so selbstbewusst, stark und auch wütend wie nie in ihrer noch jungen Karriere. Bereits im allerersten Song "This Ain’t Your Home" singt Novaa über ihre eigene Erfahrung mit sexuellem Missbrauch und markiert dabei die Grenzen, die damals überschritten wurden. Das ist mein Körper, singt sie, nur meiner.

Privilegien hinterfragen – auch eigene

Novaa hat sich während der Pandemie "emotional radikalisiert", wie sie sagt. Sie habe viel über Rassismus, Sexismus und andere Diskriminierungsformen gelesen und ihre eigenen Gefühle und Ansichten hinterfragt. Diese Prozesse hätten auch Wut ausgelöst. Wut, die sich in Songs wie "Audre" niederschlägt. Dort nimmt Novaa das Feindbild "weißer alter Mann" aufs Korn - spielerisch, aber auch ernsthaft.

"Es geht um die Werte dieses 'white old man'. Darum, wie man mit seinen Privilegien umgeht", sagt Novaa. "Nicht darum, ob man weiß und alt ist – also, natürlich auch darum – aber wichtiger ist: wie gehst du damit um?" Man müsse sich immer angucken, warum einen etwas treffe. "Deswegen finde ich es OK, wenn es beim Hören manche Leute ein bisschen zwickt."

Der Song "Audre" ist nach der schwarzen Dichterin und Aktivistin Audre Lorde benannt. Vor einigen Jahren entdeckte Novaa bei Social Media ihre Essay-Sammlung "Your Silence Will Not Protect You". "Das habe ich gelesen, und das hat mich sehr berührt und mir die Augen geöffnet", sagt Novaa. Sie sei in einer weißen und privilegierten Umgebung groß geworden. Dort hätte es zwar mit Themen wie Sexismus oder Rassismus Berührungspunkte gegeben, sie hätte aber nicht um deren gesellschaftliche Bedeutung gewusst. "Das habe ich mit Audre Lorde gelernt, beziehungsweise angefangen zu lernen."

Ein Album in Eigenproduktion

"She’s a Rose" sei ein "Do-it-yourself-Album", sagt Novaa. Sie hat die Songs geschrieben, aufgenommen und selbst produziert. Das war einerseits der Pandemie geschuldet, ist aber auch eine Arbeitsweise, die ihr als detailverliebtem Control-Freak auch entgegenkam.

"Bei diesem Album war ich natürlich eingeschränkt, aber ich muss auch sagen: ich liebe Einschränkungen beim Kreativ-Sein", so Novaa. "Das kann ich allen Musik machenden Menschen nur empfehlen: sich zu beschränken, gerade wenn man das Gefühl hat, es läuft nicht. Weil meistens will man zu viel, und man gerät ins Stocken. Ich habe diesen Produktions-Prozess sehr genossen; es war für mich wie Tagebuch schreiben oder mehr noch: wie Ausatmen."

Diese tiefe Atmung hört man dem Album an. Es markiert einen großen Schritt in Novaas künstlerischer und persönlicher Entwicklung, und der nächste Schritt steht unmittelbar bevor: noch dieses Jahr soll ein weiteres Novaa-Album kommen. Aber erstmal sollte man sich die Zeit für "She’s a rose" nehmen.

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