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Syrische Geisteswissenschaftler im deutschen Exil

Youssef Kanjou: Vor fünf Jahren war er noch gefragter Archäologe und Direktor des Nationalmuseums in Aleppo - jetzt wohnt er bei Tübingen und schreibt nur noch über die Ausgrabungsstätten, die er früher erforschte. Von Hendrik Heinze

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„Aleppo - eine der schönsten Städte der Welt! Ich komme von dort, und Aleppo war immer von ganz anderer Schönheit als eine moderne Stadt. Es ist die Schönheit der Jahrhunderte, viele Gebäude waren einfach so unglaublich alt. Wer vor dem Krieg in Aleppo war, der kennt das: Man fühlte sich tatsächlich wie im Mittelalter.“ Youssef Kanjou

Aleppo - Tokio - Gomaringen

Erst dachte und hoffte Youssef Kanjou, dass er nach einem halben Jahr oder so in seine geliebte Stadt zurückkehren kann. Inzwischen sind es vier Jahre geworden, seit 2013 ist Kanjou mit seiner Frau und inzwischen fünf Kindern auf Wanderschaft. In Deutschland kannte der passionierte Archäologe schon einige Kollegen - und so wohnt er nach drei Jahren in Japan jetzt in Gomaringen, einem kleinen Ort bei Tübingen.

Die Tübinger Archäologen haben mit Kanjou bei der berühmten Ausgrabung am Assad-Stausee zusammengearbeitet. Wie es bei der Ausgrabungsstätte Emar heute aussieht, das wissen allerdings weder der Syrer noch seine alten Kollegen: Der Ort gehört zu dem Gebiet, das der sogenannte "Islamische Staat" kontrolliert. Auch das Museum in Aleppo, das Kanjou leitete, lag genau an der Frontlinie zwischen Rebellen und Regierung - und ist ziemlich zerstört. Trotzdem hofft Kanjou, dass er wieder nach Aleppo zurückkehren kann - schon allein, weil er wieder Ausgrabungen machen will und nicht nur schreiben!

Exil - das große Warten

Zurückkehren - mit diesem Traum steht Youssef Kanjou nicht allein da. Da ist Abdelrazzaq Moaz, der früher Generaldirektor der syrischen Antikenverwaltung und Vize-Kulturminister war und nun mit seiner Familie in Bonn lebt. Dort dokumentiert er jetzt die Zerstörung des kulturellen Erbes in einer wissenschaftlichen Arbeit. Und da ist Azad Hamoto, Archäologe und Altorientalist, der früher Touristen durch die Ausgrabungen von Emar geführt hat. Er lebt in München - und gibt die Hoffnung nicht auf, dass das "Provisorium", dass das Leben in der Fremde bald ein Ende hat.

Hendrik Heinze über seine Begegnung mit syrischen Geisteswissenschaftlern im deutschen Exil.
Heute (22. Januar) um 18:05 Uhr auf Bayern 2