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Ein Kind spielt Superman.
© picture alliance/Bildagentur-online
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Ein Kind spielt Superman.

Peter Parker alias "Spiderman", der Junge, der nach einem Spinnenbiss übermenschliche Fähigkeiten entwickelt ist nicht einfach nur ein Held: Er ist ein Superheld, der im Alleingang New York rettet. Und zwar immer wieder - denn Schurken gibt es genug. Dafür lieben ihn Kinder und Jugendliche. Aber auch Batman, Wonderwoman, Superman und Co. kommen gut an.

Superhelden: Der ewige Kampf "Gut gegen Böse"

Der Kampf "Gut gegen Böse", bei dem am Ende stets das Gute siegt, ist zum Kinoschlager geworden. Unzählige Superheldenfilme sind in den vergangenen Jahren produziert worden und ein Ende des Booms ist nicht abzusehen. Dies liege vor allem an der klaren Erzählstruktur, sagt Michael Gurt vom Münchner Institut für Medienpädagogik:

"Generell sind die Superheldengeschichten so erfolgreich, weil es sehr einfache, klare Geschichten sind. Der Held kann die Probleme im Alleingang lösen. Ich denke, es gibt in zivilisierten Gesellschaften eine Sehnsucht nach einfachen Lösungen, nach einer Klarheit der Welt. Und für Kinder ist das noch einmal wichtiger." Michael Gurt

Die Superhelden stellten eine Projektionsfläche für unsere Sehnsüchte nach wahrer Größe, Mut und Hilfsbereitschaft dar. Auf ihnen könne man alles abladen, was man nicht ändern kann - die Frustrationen, denen man ausgesetzt ist. Der Held sorge dann für Gerechtigkeit und rücke alles gerade, was in der Welt falsch läuft, erklärt Felicitas Kleiner der Kino-Publikation "Filmdienst".

Konfliktlösung immer mit Gewalt

Die Superheldin oder der Superheld, die/der für Gerechtigkeit kämpft und für das Gute eintritt. Eignen sich solche Figuren nicht prima als Vorbilder für Kinder? Medienpädagoge Michael Gurt sieht diese These kritisch:

"Es gibt meines Wissens nach kaum Superhelden, die nicht auf Gewalt setzen würden, wenn es darum geht, das Böse zu besiegen." Michael Gurt

Kein Wunder, stammen doch Superman und Kollegen von actionreichen Comics ab - und diese boomten vor allem während des Zweiten Weltkriegs, als die Sehnsucht nach einem Ende des Krieges groß war. Etwa um die Jahrtausendwende stellten dann die Hollywood-Studios fest, dass man mit den Verfilmungen dieser Comics und dem Vertrieb entsprechender Merchandising-Artikel viel Geld verdienen kann.

Merchandising-Artikel sprechen junge Zielgruppe an

Vor allem über letzteres - mit Spiderman bedruckte Socken, Batman-Spielfiguren oder Brotzeitboxen mit Superman-Logo - werden auch die Jüngeren angesprochen. Doch für die sind die Filme mit all ihrer Gewalt eigentlich noch gar nicht geeignet. Ein Problem, findet Michael Gurt.

"Das ist das Strickmuster, das aus pädagogischer Sicht einfach fragwürdig ist. Vor allem Kinder, die sich sehr stark mit Superhelden beschäftigen, könnten den Schluss ziehen, dass, wenn man tapfer und mutig sein will, das ausschließlich mit Gewalt zu regeln ist." Michael Gurt

US-Studie: Superhelden fördern Aggression

Bestätigt wird diese Einschätzung durch die Ergebnisse einer US-Studie: Wissenschaftler aus Utah befragten Kindergartenkinder und deren Eltern und stellten fest: Bei den Drei- bis Sechsjährigen, die viele Superheldengeschichten konsumierten, waren die Aggressionen nach einem Jahr signifikant angestiegen. Die "positiven" Seiten der Figuren - etwa, anderen zu helfen - wurden von den Kindern hingegen nicht kopiert.

Problematisch, neben der Gewalt, kann man auch die Grundkonzeption der Superhelden finden: Denn wohin die Sehnsucht nach dem einen starken Mann führen kann, sieht man derzeit ja am Aufstieg autokratischer Herrscher weltweit.

Bei Superhelden muss man differenzieren - Kinder können das nicht

Natürlich wäre es unfair, dafür die fiktiven Superhelden verantwortlich zu machen. Aber genau hinschauen sollte man schon, wie eine Figur erzählt wird. Denn in den unzähligen filmischen Interpretationen variieren diese stark: Den einen Spiderman oder den einen Batman gibt es nicht.

Dabei ist freilich eine Differenzierungsleistung gefragt, die kleinere Kinder überfordert. Insofern fahren Eltern womöglich am besten mit dem, was Michael Gurt vom "Institut für Medienpädagogik" empfiehlt: Bei jüngeren Kindern, zumindest bis Mitte Grundschulalter, sieht er Pippi Langstrumpf als die erste Superheldin. Diese habe ebenfalls Superkräfte bekämpfe aber ihre Widersacher nie auf Leben und Tod.