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Suhrkamp-Verlag verteidigt Peter Handke in "Richtigstellung" | BR24

© Samir Yordamovic/Picture Alliance

Proteste gegen Peter Handke in Sarajewo

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    Suhrkamp-Verlag verteidigt Peter Handke in "Richtigstellung"

    Literaturnobelpreisträger Peter Handke wird international wegen seiner proserbischen Aussagen zu den Balkankriegen kritisiert. Sein Verlag Suhrkamp hat auf die Empörung mit einer Verteidigungsschrift reagiert. Diese erntet nun ebenfalls Kritik.

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    Nachdem Peter Handke der Literaturnobelpreis 2019 zuerkannt wurde, ist sein Verlag offenbar alarmiert von empörten Reaktionen auf die Auszeichnung des österreichischen Schriftstellers. Die Kritiker Handkes werfen ihm vor, einseitig für Serbien Stellung zu beziehen, den Völkermord geleugnet und die Opfer verhöhnt zu haben. Dazu kommt, dass Handke seine ehemalige Lebensgefährtin Marie Colbin misshandelt haben soll. Jetzt hat der Suhrkamp-Verlag zu den Vorwürfen eine längere englischsprachige "Clarification" (Richtigstellung) verschickt.

    Dabei handelt es sich laut Presseberichten um ein 24-seitiges Dokument, in dem die Hauptvorwürfe gegen Handke aufgelistet sind. Ergänzt werden sie durch Erklärungen und Handke-Zitate aus Interviews oder aus seinen Büchern, die die Vorwürfe entkräften sollen.

    "Richtigstellung" für internationales Publikum

    Das Dokument richtet sich offenbar nicht an die deutsche Öffentlichkeit. Offiziell veröffentlicht wurde es bislang nicht. Gedacht sei es „besonders für die Länder, in denen die meisten schrägen/teils falschen Zitate ,von‘ Peter Handke auftauchen. Darunter viele Länder, in denen man Handke-Texte gar nicht lesen kann, weil entsprechende Texte (noch) nicht übersetzt sind...“, wird der Suhrkamp Verlag von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zitiert.

    © Erkin Keci/Picture Allliance

    Proteste in Pristina

    In der "Clarification" schreibt der Verlag beispielsweise, der Autor habe "niemals Völkermord und Kriegsverbrechen bestritten oder entschuldigt". Vielmehr habe Handke kritisiert, wie die Medien auf diese Vorfälle reagiert hätten. Ihm sei es darum gegangen, auch die jugoslawische beziehungsweise serbische Sichtweise auf die Berichterstattung einzubringen. Ausdrücklich schreibt Suhrkamp auch, Handke habe den Völkermord in Srebrenica nicht abgestritten. Schon 2006 habe er den Ausdruck "Srebrenica-Völkermord" verwendet, noch bevor die UNO 2007 offiziell eine entsprechende juristische Einschätzung abgegeben habe.

    Darüber hinaus sei Handke trotz provokanter Äußerungen durchaus kritikfähig und habe wiederholt frühere Äußerungen erläutert und richtiggestellt. Vieles, was von ihm als Stellungnahme in Umlauf sei, habe er tatsächlich in Frageform formuliert, anderes werde unzutreffend zitiert oder aus dem Zusammenhang gerissen.

    Kritik an der Verteidigung Handkes

    Suhrkamps "Richtigstellung" der Vorwürfe überzeuge nicht, urteilt Deutschlandfunk Kultur. Die Verteidigungsschrift sei "auf bestürzende Weise unbedarft oder vertraut auf unsere Unbedarftheit, denn natürlich kann man nicht durch ein Zitat kontextlos etwas beweisen oder widerlegen, was an anderer Stelle ganz anders stehen kann", äußert dort die Redakteurin Wiebke Porombka. Der Berliner Tagesspiegel nennt den Vorstoß Suhrkamps "ein problematisches Unterfangen", da viele der Handke-Zitate aus ihrem Zusammenhang gerissen würden.

    © Jonas Ekströmer/Picture Alliance

    Solidaritätsaktion vor der Schwedischen Akademie

    Die Kritik an der Vergabe des Nobelpreises an Handke reißt seit der Bekanntgabe am 10. Oktober nicht ab: Beispielsweise zeigte sich der Träger des Deutschen Buchpreises Saša Stanišić in seiner Dankesrede "erschüttert" darüber, "dass so was prämiert wird". Am Dienstag demonstrierten mehrere Dutzend Frauen aus dem ostbosnischen Dorf Srebrenica vor der schwedischen Botschaft in Sarajevo gegen die Auszeichnung Handkes. Der Literaturnobelpreis wird am 10. Dezember übergeben, dem Todestag von Alfred Nobel.

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