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Studie: Was heimische Medien im digitalen Umbruch brauchen | BR24

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Der Verband der Bayerischen Wirtschaft macht sich in Zeiten von Facebook, Twitter, Youtube und Co. Sorgen um die Zukunft heimischer Medien. Eine Studie sollte klären, was Zeitungen, Zeitschriften und Sender im digitalen Umbruch brauchen.

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Studie: Was heimische Medien im digitalen Umbruch brauchen

Facebook, Twitter, Youtube und Co. schaffen eine Landschaft, die sowohl für die einheimischen Medien als auch für die deutschen Unternehmen nicht von Vorteil ist. Eine neue Studie sucht nach Antworten.

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Das geänderte Nutzungsverhalten der Leser, Hörer, User sei in den letzten Jahren stark zu Lasten der heimischen Medienlandschaft gegangen, beklagt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bayerischen Wirtschaft (vbw).

Wenn die klassischen Medien Werbeeinnahmen verlieren und an Reichweite und Auflage einbüßen, fehle ihnen das Geld für Qualitätsjournalismus und hochwertige Filmproduktionen.

"Diese Angebote haben aber eine wichtige, ja identitätsstiftende Funktion für unsere Gesellschaft. Deshalb müssen wir unbedingt Strukturen finden, die unsere Medienwirtschaft stärken.“ Bertram Brossardt, vbw

Wie aber soll das geschehen? Der Verband der bayerischen Wirtschaft hat dazu eine Studie in Auftrag gegeben. Es galt auszuloten, wie in Zukunft gemeinsam an einem Strang gezogen werden kann, um so den großen amerikanischen und chinesischen Playern etwas entgegenzusetzen.

Medienunternehmen sollen kooperieren

Das Ergebnis: eine "kooperationsorientierte Weiterentwicklung der Medienordnung." Kooperationen seien in vielerlei Hinsicht denkbar, erläutert der Medienrechtler und Mitverfasser der Studie, Tobias Gostomzyk. Publizistische Kooperationen könnten sehr wirksam sein. Als Beispiele nennt er Rechercheverbünde wie den von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung oder von BR und etwa der "Zeit".

"Also da gibt es Ansätze, wo man auch die Produktivkraft sehen kann in der Zusammenarbeit öffentlich rechtlicher und privater Medien." Tobias Gostomzyk, Technische Uni Dortmund

Das dürfte Wasser auf die Mühlen des ARD-Vorsitzenden und BR-Intendanten Ulrich Wilhelm sein. Er versucht seit zwei Jahren, eine gemeinsame europäische Medienplattform zu initiieren.

Auch organisatorische Zusammenarbeit möglich

Aber nicht nur Rechercheverbünde und inhaltliche Zusammenarbeit, auch organisatorische Kooperationen seien möglich, so Gostomzyk. Beim Bayerischen Rundfunk werde das gemacht, etwa bei der Einführung der neuen DAB-Technik. Der BR habe die Technik auch privaten Veranstaltern schmackhaft gemacht. In Summe profitierten die Öffentlich-Rechtlichen und die Privaten davon.

Andere Beispiele: Private Unternehmen bekommen die Möglichkeit, Technik zu nutzen, etwa ein nicht ausgelastetes Fernsehstudio, Sendetechnik oder Teile eines Fuhrparks.

"Das sind alles Bereiche, wo es nicht negativ ist, für den Meinungsbildungsprozess und die Medienvielfalt." Tobias Gostomzyk, Technische Uni Dortmund

Studie: Medien brauchen mehr Geld

Allerdings müsse dazu auch der gesetzliche Rahmen geschaffen werden. Sowohl medienrechtlich als auch kartellrechtlich seien viele Fragen offen.

Strukturen dafür zu schaffen sei nun die dringende Aufgabe der Gesetzgeber, so die Verfasser der Studie. Sie bemängeln, dass etwa eine Budgetierung der Rundfunkbeiträge, also eine Koppelung an die Preissteigerung, nicht von den Ministerpräsidenten der Länder befürwortet wurde.

Aber nicht nur Öffentlich-Rechtliche, auch Printanbieter könnten mehr Geld gebrauchen, zum Beispiel durch staatliche Zuwendungen. Denn ein großes Problem sei, die Nutzer auf die jeweiligen Plattformen zu bekommen. Das sei auch der Haken etwa an Paywalls, die nicht gut angenommen würden.

Nutzer zahlen nur bei breitem Angebot

Nur wenn eine große Plattform viele unterschiedliche Angebote versammle, seien Nutzer bereit, dafür auch Geld zu bezahlen. Frank Lobigs von der Technischen Uni Dortmund geht sogar einen Schritt weiter. Er schlägt vor, den Preis für eine solche Plattform für die jüngeren Nutzer zu subventionieren. Damit könne man Anreizprobleme lösen, sagt der Wissenschaftler.

Änderung der Medienordnung unumkehrbar

Mittlerweile sei ein Tipping-Point erreicht, ein Umkehrpunkt, bei dem die alte Medienordnung ohne tiefgreifende Veränderungen nicht überleben könne.