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Michael Ealy: Schwarzer Erfolgsschauspieler

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    Studie: Diskriminierung Schwarzer kostet Hollywood 10 Milliarden

    Rassismus ist offenbar teuer: Weil Produktionen, an denen Schwarze beteiligt sind, oft finanziell schlechter ausgestattet sind und schwarze Künstler generell benachteiligt werden, verliert die Filmbranche viel Geld, so eine neue McKinsey-Studie.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Mehr Fairness zahlt sich offenbar aus: Die Unternehmensberater von McKinsey kamen in einer groß angelegten Untersuchung zum Ergebnis, dass die amerikanische Filmindustrie zehn Milliarden Dollar mehr Umsatz machen könnte, wenn sie schwarzen Künstlern mehr Chancen geben würde. Das wäre eine Steigerung um sieben Prozent. Für die Studie analysierten die Experten rund 2000 Filme und führten Interviews mit zahlreichen Regisseuren, Produzenten, Agenten, Firmenbossen und Schauspielern. Demnach werden Produktionen, an denen Schwarze federführend beteiligt sind, generell schlechter ausgestattet und vermarktet, obwohl es erwiesen sei, dass sie im Verhältnis deutlich mehr Geld einspielen als vergleichbare andere Filme.

    Hinter der Kamera arbeiten nur sechs Prozent Schwarze

    Schwarze seien nicht nur vor der Kamera benachteiligt, sondern auch im Stab. So würden sie als Produzenten, Regisseure und Drehbuchautoren immer noch viel zu wenig engagiert. Seit fünfzehn Jahren habe sich diesbezüglich nichts getan. Der Statistik von McKinsey zufolge sind weniger als sechs Prozent aller maßgeblichen Filmleute in den genannten Berufen Hollywoods schwarz. Zum Vergleich: Schwarze machen in der Gesamtbevölkerung der USA knapp vierzehn Prozent aus. Und auch, wer vor der Kamera steht, muss mit Diskriminierung rechnen: Schwarze Schauspieler bekommen in den ersten zehn Jahren ihrer Karriere demnach sechs Hauptrollen angeboten, weiße Kollegen aber zehn.

    Was an den Ergebnissen von McKinsey schockiert: Wenn in einer Produktion kein einziger Schwarzer an führender Stelle dabei ist, werden Schwarze im Stab so gut wie nie maßgeblich beschäftigt.

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    Stephen James und KiKi Layne in "Beale Street" über Rassismus in den USA.

    McKinsey spricht auch das Thema der "Black Tax" an, ein Ausdruck dafür, dass Schwarze, die Karriere machen wollen, immer noch deutlich mehr leisten müssen als Weiße. Sei es, dass sie Abstriche an der Gage akzeptieren oder deutlich mehr 'Klinken putzen' müssen, also darauf angewiesen sind, viel mehr Aufwand zu betreiben, um sich durchzusetzen. Heikel daran: Wer im Film Karriere machen will, muss sich darauf gefasst machen, erst mal jahrelang ohne oder mit sehr wenig Bezahlung klar zu kommen, das fällt Weißen deutlich leichter, weil deren Durchschnittsvermögen in den USA höher ist als das von schwarzen Familien.

    In Chefetagen sitzen ohnehin fast nur Weiße: 87 Prozent der Fernsehbosse und 92 Prozent der Filmchefs sind weiß - damit bildet die Unterhaltungsindustrie übrigens das Schlusslicht, noch hinter Branchen wie Energiewirtschaft, Banken und Versicherungen. Noch am besten schneiden der Gesundheits- und Schwerindustrie-Bereich ab. Ähnlich sieht es bei den wichtigen Agenturen aus, die Künstler vermitteln. Deren Eigentümer sind zu 97 Prozent weiß, auch unter dem Personal gibt es fast keine Schwarzen.

    Filmindustrie verlässt sich auf informelle Beziehungen

    McKinsey empfiehlt vier Maßnahmen: Vielfältigere Personalauswahl, vor allem hinter der Kamera. Zweitens mehr Transparenz und Verlässlichkeit. Drittens die finanzielle Förderung von "schwarzen" Filmstoffen. Außerdem müsse die Branche dafür sorgen, dass es eine neutrale Anlaufstelle gibt, die sich firmenübergreifend um mehr Fairness kümmert. Schwierig wird die Bekämpfung der Diskriminierung nach Angaben der Fachleute vor allem deshalb, weil die Filmindustrie von informellen, privaten Beziehungen lebt, die von außen selten beeinflusst werden können. Wer Einladungen erhalten will, Mails und Anrufe, kurz, wer "dazugehören" will, muss in der Regel eine exklusive Ausbildung absolviert haben, am besten an einer Elite-Uni. Darüber hinaus seien Drehorte weltweit verteilt und die Verträge fast immer zeitlich begrenzt, so dass die Branche nicht mit anderen vergleichbar sei.

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    Bildrechte: Hahn Lionel/Picture Allliance

    Denzel Washington

    Immerhin, die großen Agenturen Hollywoods teilten mit, dass der Bedarf an "diverser" Besetzung deutlich gestiegen ist. So verlangten die Auftraggeber von Serien und Filmen inzwischen oftmals einen Anteil von mindestens vierzig Prozent nicht-weißen Darstellern. Netflix scheint in diesem Punkt voranzugehen: Der Streamingdienst gab eine eigene Studie in Auftrag und sorgte dafür, dass 2018 und 2019 immerhin rund fünfzehn Prozent der Hauptrollen mit Schwarzen besetzt wurden. Hinter der Kamera freilich gibt es auch bei Netflix erheblichen Nachholbedarf, was personelle Vielfalt angeht.

    Jenseits aller Zahlen geht es in Hollywood wohl auch die Frage, ob und wie die bisher tonangebenden Weißen bereit sind, sich auf neue Zeiten einzustellen. Ein schwarzer Drehbuch-Schreiber wird von McKinsey mit einem bezeichnenden Satz zitiert: "Ich war im Autorenteam einer populären, quotenstarken Show und hatte trotzdem Probleme, einen Agenten zu finden. Dein durchschnittlicher Gegenüber ist ein fünfzigjähriger Weißer, der es nie nötig hatte, sich in andere Leute oder deren Verhältnisse hineinzufinden. Deshalb fällt es diesen Agenten schwerer, Menschen zu vertreten, zu denen sie keinerlei innere Beziehung haben."

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