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Streit um Schauspielerin Gal Gadot: Darf sie Cleopatra spielen? | BR24

© Hahn Lionel/ABACA/Picture Alliance

Gal Gadot: Streit um Besetzung

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    Streit um Schauspielerin Gal Gadot: Darf sie Cleopatra spielen?

    Die Lebensgeschichte der ägyptischen Königin Cleopatra soll von der Paramount neu verfilmt werden, abermals mit einer weißen Schauspielerin in der Titelrolle. Das kritisieren viele in und außerhalb der Branche als "Rückschritt" und "Whitewashing".

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    Um die Filmrechte soll es bei einer Versteigerung bis zuletzt einen heißen Kampf zwischen so mächtigen Konzernen wie Apple, Universal, Warner Bros. und Netflix gegeben haben, berichtete das US-Branchenblatt Variety am vergangenen Sonntag. Die Lebensgeschichte der ägyptischen Königin Cleopatra, die gleichermaßen Liebesaffären mit den römischen Herrschern Julius Caesar und Mark Anton hatte, gilt also immer noch als Kassenknüller, obwohl die 20th. Century Fox 1963 an ihrer mehrstündigen Monumental-Verfilmung mit Elizabeth Taylor in der Hauptrolle fast pleite gegangen wäre - trotz der vier Oscars und sehr guten Besucherzahlen. Dennoch kursieren in Hollywood diverse neue Cleopatra-Projekte, wie Variety herausgefunden hat. So soll Sony an einer Verfilmung mit Angelina Jolie und Lady Gaga gearbeitet haben, auch wenn inzwischen unklar ist, ob noch an der Idee getüftelt wird.

    Paramount will sich auffrischen

    Paramount jedenfalls bestätigte sein anvisiertes Cleopatra-Abenteuer, in dem Patty Jenkins ("Wonder Woman") Regie führen soll . In dem Unternehmen hat neuerdings eine Frau das Sagen, Präsidentin Emma Watts, und die soll nach Branchen-Beobachtern mit ihrer Energie eine geradezu "funkensprühende" Wirkung auf die Firma haben. Vor allem will sie traditionsreiche, aber "gealterte" Stoffe aufpolieren und Paramount kreativer aufstellen. Vorstandschef Jim Gianopulos soll ebenfalls hinter dem Cleopatra-Stoff her gewesen sein. Doch kaum war am Montag bekannt gegeben worden, dass die israelische Schauspielerin Gal Gadot ("Wonder Woman") für die Hauptrolle vorgesehen ist, ging im Netz und in Fachkreisen eine Diskussion darüber los, ob es nicht langsam an der Zeit wäre, die ägyptische Königin von einer Afrikanerin oder jedenfalls nichtweißen Darstellerin spielen zu lassen.

    © Fox/Picture Alliance

    An diesem Glanz ging Fox fast pleite: Elizabeth Taylor und Richard Burton

    Im britischen "Guardian" spricht die Kolumnistin Hanna Flint von einem "Rückschritt", einer "vergebenen Chance" und einem Fall von "Whitewashing", eine Besetzungspolitik, für die Hollywood bekannt sei. Bereits Claudette Colbert, Hildegard Neil, Vivien Leigh und Elizabeth Taylor seien Fälle von "Whitewashing" in der Cleopatra-Rolle gewesen. Nun habe Gadot den nahöstlichen Kinomarkt im Auge. Sie sei zwar "nicht ganz so eine westliche Wahl" wie die Vorgenannten, setze den "weißen Standard" aber immer noch fort.

    Der amerikanische Sachbuch-Autor James Hall, der seit Jahrzehnten als Fachmann für Geschichte und Kultur des Kontinents gilt ("Sangoma: Eine Reise zu den Geistern Afrikas", 1996) twitterte: "Hollywood hat immer nur weiße, amerikanische Schauspielerinnen als Königin des Nils gecastet. Könnten die nicht endlich mal eine afrikanische Darstellerin finden?" Und Schriftstellerin Morgan Jenkins ergänzte in ihrem Tweet: "Ich bin mir sicher, Gal Gadot wird einen wundervollen Job als Kleopatra machen. Aber ich persönlich würde eine Kleopatra lieben, die dunkler ist als eine braune Papiertüte, weil das historisch genauer wirken würde." Viele weniger prominente Netz-Kommentatoren schlossen sich dieser Haltung an. Dagegen begrüßte die israelische Botschaft in Washington die Entscheidung für Gal Gadot: "Eine Ikone spielt eine andere! Gespannt auf die 'Cleopatra'-Neuverfilmung von Gal Gadot und Patty Jenks!"

    © Warner Bros./Picture Alliance

    Wonder Woman: Gal Gadot

    Im Nahen Osten wurde auch kritisiert, das Gadot in der israelischen Armee gedient hat. Vor allem in Ägypten nahmen Intellektuelle daran Anstoß. In Tunesien, Katar und im Libanon war das ein Grund dafür, dass "Wonder Woman" verboten wurde. Es gibt jedoch auch Stimmen, die darauf hinweisen, dass Gadot griechische Wurzeln hat - wie vermutlich auch Königin Cleopatra VII. Jedenfalls war deren Vater Ptolemaios XII. Neos Dionysos griechisch-mazedonischer Herkunft, über die Mutter ist wenig bekannt, möglicherweise entstammte sie einer ägyptischen Priesterfamilie aus Memphis. Insofern wäre Gadot unabhängig von ihrem schauspielerischen Können sogar eine überraschend stimmige Kandidatin für die Titelrolle - ganz abgesehen davon, dass Kenner der nahöstlichen Geschichte nicht müde werden, auf die kulturelle Vielfalt im Römischen Reich hinzuweisen, die nationale Abgrenzungen, wie sie heute von einigen angestrebt werden, rückblickend völlig anachronistisch erscheinen lässt.

    "Durch die Augen von Frauen erzählt"

    Gal Gadot, die die Idee zu dieser Neuverfilmung für sich in Anspruch nimmt und ihren Ehemann Jaron Varsano ("Pilot Wave") gebeten habe, das Ganze auf die Spur zu setzen, wie Deadline.com herausgefunden hat, kündigte an, sie wolle mit ihrem Team die Geschichte Cleopatras "zum ersten Mal durch die Augen von Frauen erzählen, sowohl hinter als auch vor der Kamera." Das Drehbuch wird die ebenfalls von "Wonder Woman" her bekannte Laeta Kalogridis schreiben, die auch als ausführende Produzentin vorgesehen ist.

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