Ein Priester feiert die Alte Messe: auf Latein und mit dem Rücken zu den Kirchenbesuchern.
Bildrechte: Picture Alliance/dpa/Marijan Murat

Ein Priester feiert die Alte Messe: auf Latein und mit dem Rücken zu den Kirchenbesuchern.

    > Kultur >

    Streit um Alte Messe: Vatikan bekräftigt Neuregelung

    Streit um Alte Messe: Vatikan bekräftigt Neuregelung

    Viele traditionelle Katholiken bevorzugen nach wie vor die Alte Messe, die vor dem Konzil der 1960er Jahre üblich war. Im Juli schränkte Papst Franziskus die Möglichkeiten, die Alte Messe zu feiern, drastisch ein. Nun legte der Vatikan nach.

    "Traditionis custodes": Der so überschriebene und von Papst Franziskus unterschriebene Rechtstext von Juli 2021 war für viele traditionelle Katholiken eine bittere Enttäuschung. Damit schränkte das Oberhaupt der Katholiken die Möglichkeiten, die so genannte Alte Messe zu feiern, drastisch ein – und revidierte damit einen gegenläufigen Vorstoß, den sein Vorgänger Benedikt XVI. setzte. Nun warnte der Vatikan vor anhaltenden Streitereien um die Alte Messe, "bei denen das Rituelle oft für ideologische Ansichten instrumentalisiert wird".

    Franziskus macht Vorstöße Benedikts rückgängig

    Dreh- und Angelpunkt der Debatte ist die Liturgiereform im Nachgang des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965), wonach die bis dato allerorts gängige Gottesdienstform auf Latein – die Alte Messe – von der heutige üblichen Form des Gottesdienstfeierns abgelöst wurde. Seither feiert der Priester mit Blickrichtung zur Gemeinde und in der jeweiligen Landessprache, sodass es für die Gläubigen leichter ist, das liturgische Geschehen mit- und nachzuvollziehen.

    Zwei Jahre nach seiner Wahl zum Papst räumte Benedikt XVI. 2007 erneut Möglichkeiten ein, die sogenannte Alte Messe zu feiern. Sie sei als "außerordentliche Ausdrucksform" des katholischen Ritus zu verstehen, der nachkonziliare Ritus hingegen als "ordentliche Ausdrucksform". Daran knüpfte Papst Franziskus im Juli 2021 an, indem er klarstellte: Der vom Konzil und der nachmaligen Liturgiereform beschlossene Ritus sei "die einzige Ausdrucksform" katholischen Gottesdienstfeierns. Zur Feier der Alten Messe bedarf es jetzt der expliziten Zustimmung des jeweiligen Bischofs, Priester sollen nicht mehr nach eigenem Belieben oder dem der Gemeindemitglieder entscheiden.

    "Kirchliche Gemeinschaft bewahren"

    Und dabei bleibt es auch, wie der Vatikan am Wochenende neuerlich klarstellte – trotz vielfacher Kritik aus dem traditionellen Flügel der katholischen Kirche an "Traditionis custodes". In einem Schreiben reagierte der Präfekt der Gottesdienstkongregation Arthur Roche auf in Rom eingegangene Zweifel an dem Rechtstext. Roche bestätigt, dass Franziskus mit dem Erlass die "ordentliche Form" der Messe als "einzige Ausdrucksweise" des Römischen Messritus festgelegt habe.

    Die von Benedikt XVI. erlaubte außerordentliche Form dürfe demnach nur noch unter besonderen Voraussetzungen gefeiert werden. "Das ist die Richtung, in die wir gehen wollen", so der Erzbischof. Ziel sei es, "das Geschenk der kirchlichen Gemeinschaft zu bewahren".

    Keinesfalls werde beabsichtigt, Anhänger der Alten Messe auszugrenzen. Allerdings müsse sichergestellt sein, dass niemand "die Gültigkeit und die Legitimität der Liturgiereform, der Bestimmungen des Zweiten Vatikanischen Konzils und des Lehramtes der Päpste" ausschließe. Sollte dies doch zutreffen, dürfe der Bischof keine Ausnahme gewähren. Ortsbischöfe hätten indessen prinzipiell die Pflicht, sich für eine Rückkehr zur einheitlichen Zelebrationsform einzusetzen, so die neuen Richtlinien des Vatikan.

    Papst Franziskus will Spaltungen in der Kirche verhindern

    Die Vorgaben sollen nach den Worten von Franziskus Spaltungstendenzen innerhalb der Kirche begegnen. Verteidiger der traditionellen Liturgie beklagen neben dem Inhalt des Dokuments auch den strengen Ton.

    Bereits vor einigen Wochen war auf verschiedenen Websites ein vertraulicher Brief des Vatikan mit zusätzlichen Erläuterungen aufgetaucht. Das dreiseitige Schreiben vom 4. August ist an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz von England und Wales, Kardinal Vincent Nichols, gerichtet. Erzbischof Roche beantwortet seinem Landsmann darin mehrere Fragen. Er betont in dem Brief, dass Franziskus mit "Traditionis custodes" alle bisherigen Ausnahmen und Zugeständnisse für die Feier der Alten Messe abschaffen wolle. Für eine "sehr begrenzte Zeit" könne man bis zur vollen Umsetzung "pastorale Besonnenheit" walten lassen. Dabei seien aber sorgfältige Beobachtung und Begleitung notwendig.

    Sie interessieren sich für Themen rund um Religion, Kirche, Spiritualität und ethische Fragestellungen? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter. Jeden Freitag die wichtigsten Meldungen der Woche direkt in Ihr Postfach. Hier geht's zur Anmeldung.