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Streetart - ein Kunstspaziergang durch München | BR24

© Marlene Thiele
Bildrechte: Marlene Thiele

Die wilde Seite Münchens findet man zum Beispiel bei und unter der Donnersberger Brücke.

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    Streetart - ein Kunstspaziergang durch München

    Die Kulturszene scheint gänzlich ins Internet abgewandert zu sein - außer, wir widmen uns vielleicht noch nicht so bekannten Genre der Bildenden Kunst: Streetart. Die gibt es nicht nur in New York oder Berlin, sondern auch in München.

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    Von
    • Marlene Thiele

    Die Donnersbergerbrücke in München gehört zu den meistbefahrenen Brücken Europas. Was viele der Autofahrer kaum ahnen: Unter ihnen befindet sich eine der größten Freiluftgalerien Deutschlands: Auf sämtlichen Pfeilern und Mauern, halb verdeckt von parkenden Autos und Fahrrädern, leuchtet Kunst. Der Laie würde die Wandmalereien als Graffiti bezeichnen – dabei handelt es sich um Streetart. "Streetart kam um 2000 herum auf. Der Begriff betont mehr den Aspekt draußen auf der Straße und aber auch Kunst", erklärt Martin Arz. "Graffiti wird heute eher nur noch das genannt, wo es tatsächlich um Schreiben geht."

    Martin Arz ist Künstler und Buchautor. Er hat unter anderem ein Buch über Streetart in München verfasst und macht Führungen – sofern die Pandemie es zulässt. Die Donnersberger Brücke gehört zu den Hotspots der Szene. Man findet Graffiti in allen möglichen Stilrichtungen. "Da ist sowohl Oldschool da als auch ganz moderne, ganz verrücke Sachen. Völlig Abstraktes ist auch da, wie eben Figuratives. Und das macht dieses ganze Areal natürlich spannend."

    Keine der Waldmalereien ist illegal

    2012 hat die Stadt München das Areal zur Gestaltung an die Graffiti-Vereinigung Writers Corner Munich vergeben, die die Flächen unter sich aufgeteilt haben. 2016 und 2020 kamen weitere Mauern hinzu, außerdem wurden zerstörte Kunstwerke erneuert. Zerstört wird die Streetart einerseits durch Witterung, anderseits durch Schmierereien – auch mit der Spraydose, aber nicht genehmigt und ohne künstlerischen Anspruch.

    Sie sind der Grund, weshalb es die Freiluftgalerie unter der Brücke überhaupt gibt, erklärt Martin Arz. Das Baureferat habe schon vor Jahren festgestellt, dass die Schmierereien verhindert werden, wenn die Pfeiler und Unterführungen von Streetart-Künstlern gestaltet werden

    Männer dominieren die Streetart-Szene

    Nun aber zur Kunst: Writers Corner Munich gibt die Flächen natürlich nicht einfach irgendwem. Hier verewigen sich die großen Namen der Szene. Direkt über den Fahrradparkplatz prangt das Bild eines riesigen Bolzenschneiders. "Easy Rider" lautet der Titel. Der Künstler, Zot One, gehört zu den bekanntesten Street Artists Münchens und wird auch international gebucht. Weitere Namen: Loomit und WON ABC. Die Streetart-Szene wird von Männern dominiert. Aber nicht ausschließlich: Mit Beastiestylez und Fraubath sind auch bekannte Künstlerinnen vertreten.

    © Marlene Thiele
    Bildrechte: Marlene Thiele

    "We are all mad here" von der Streetart-Künstlerin Beastiestylez.

    Nur Einzelne können von ihrer Kunst leben. Die meisten haben einen anderen Brotjob, oft in der Kreativbranche, es gibt aber auch sprayende Lehrer oder Psychologen. Insgesamt ist die Szene gar nicht so jung, wie man vermuten würde.

    Die Graffiti-Bewegung kam Ende der 1970er- Anfang der 80er-Jahre aus den USA nach Europa. "Damals gab es in Europa ein paar Zentren, wo es so richtig losgegangen ist. Das war natürlich London, das war Paris, das war Amsterdam und – München!"

    Ein Graffiti-Spaziergang ist kein Galerie-Besuch

    Den Weltrang hat München inzwischen verspielt, aber es gibt immer noch einiges zu entdecken, etwa an der Tumblinger Straße, im Schlachthofviertel und im Werksviertel Mitte. Sehenswert sind auch die Unterführungen an der Isar - besonders die der Luitpoldbrücke, unweit des Friedensengels. Aber Achtung, ein Graffiti-Spaziergang ist nicht wie der Besuch in einer Galerie: "Streetart findet man in der Regel nicht in den schicksten Ecken, es ist laut, es ist stinkig mitunter, es ist vermüllt teilweise und auch ein bisschen spooky."

    © Marlene Thiele
    Bildrechte: Marlene Thiele

    Ein politisches Kunstwerk bei der U-Bahn-Haltestelle Candidplatz.

    Viele ehemalige Streetart-Paradiese mussten bereits der Münchner Bauwut weichen. Arz erinnert sich an die ehemalige Bundeswehr-Kaserne an der Dachauer Straße, wo jeder legal malen konnte wie er wollte. Später gab es ein Gebäude am Heimaranplatz, was dann abgerissen wurde.

    Arz findet, München hat einiges zu bieten, aber es müsste noch weitaus mehr ermöglicht werden: "Dass eine Stadt wie München das so vernachlässigt, das ist echt erschütternd!" Natürlich könne die Stadt einiges von früher vorweisen, aber es müsse jetzt etwas geschaffen werden. "Es fehlt einfach irgendwo eine Möglichkeit, dass Künstler legal sich austoben können. München braucht mehr Mauern, jetzt haben wir es auf den Punkt gebracht!"

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