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Die Annette-und-Wolfgang-Döbrich-Stiftung hilft jungen Leuten in Mittelamerika, den nächsten Abschluss von Schule, Ausbildung oder Studium zu machen.

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Stiftung verhilft Kindern aus Lateinamerika zum Schulabschluss

Das Bildungswesen in Zentralamerika ist stark privatisiert. Viele Familien können ihren Kindern nicht die Schule zahlen. Da haben Wolfgang Döbrich und seine Frau Annette aus Feldafing eine Stiftung gegründet, um ihnen gezielt und direkt zu helfen.

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Von
  • Bettina Weiz

Armut, Kriminalität und Krankheiten gehören in Zentralamerika zum Alltag. Die Reichtümer des Landes sind extrem ungleich verteilt – wenige haben viel, viele extrem wenig. Dazu wurden viele staatliche Dienstleistungen privatisiert. Das trifft auch die junge Generation auf dem Weg in die Selbständigkeit.

Viele können sich die Schulausbildung ihrer Kinder nicht leisten

Nach der Grundschulzeit muss für die weiterführenden Schulen gezahlt werden, und zwar hohe Summen bei oft geringen Einkommen der Eltern. Auch Prüfungen und Universitätsexamen werden den Lernwilligen in Rechnung gestellt. Nur die wenigsten Familien können sich diesen "Luxus" leisten. Die meisten Leute arbeiten ihr ganzes Leben als Hilfsarbeiter in schlechtbezahlten, unqualifizierten Jobs. Zehntausende sind schon ausgewandert in der Hoffnung, für sich und ihre Familie bessere Lebensbedingungen zu schaffen. Die USA gelten vielen als das gelobte Land.

Doch junge, tatkräftige Menschen werden in ihrer Heimat gebraucht, meint Wolfgang Döbrich aus Feldafing am Starnberger See. Er war zehn Jahre lang der Beauftrage der bayerischen Evangelischen Landeskirche für Lateinamerika und hat bei vielen Reisen dorthin Land und Leute sehr gut kennengelernt. Auch qualifizierte Jobs wären vorhanden, argumentiert er. Was fehlt ist die Bildung. Dabei reichen oft kleine Summen, um Großes zu bewirken. Die Gründung einer Stiftung zur Unterstützung von Schülern, Auszubildenden und Studenten in Zentralamerika war eine logische Folge für das Ehepaar Döbrich.

Mit 2.000 Euro Eigenkapital begonnen

Die Annette-und-Wolfgang-Döbrich-Stiftung unterstützt seit 17 Jahren junge Menschen in Zentralamerika bis zu ihrem jeweils nächsten Abschluss von Schule, Ausbildung oder Studium. Der gibt ihnen neue Perspektiven im Leben. Begonnen hatten die Döbrichs mit 2.000 Euro. Mittlerweile verfügt die Stiftung über einen Grundstock von 436.000 Euro. Außerdem konnte sie 172.500 Euro für direkte Spenden an junge Leute verbuchen, denn hinter der Idee des Ehepaars Döbrich stehen inzwischen mehrere hundert Engagierte und Mitstreiter.

Mehr als 130 junge Leute in Zentralamerika wurden bisher von der Annette-und-Wolfgang-Döbrich-Stiftung gefördert. Abitur, Berufslehre oder Universitätsabschluss – mit den Geldern stehen den Jugendlichen viele Wege offen. "Der beste Weg aus der Armut, der kürzeste Weg aus der Armut ist der Weg über die Schulbank", sagt Wolfgang Döbrich. Er fügt hinzu: "Ich selber bin geprägt noch von den Revolutionen in Zentralamerika. Und da hat mir der Bischof Gomes mal gesagt, als wir dann schließlich erfolgreich waren, Salvador, Nicaragua, die Länder sozusagen von ihren Diktaturen befreit waren, da brach auf einmal die internationale Solidarität völlig zusammen, nach dem Motto: ‚jetzt ist es erledigt‘. Aber jetzt beginnt erst der Wiederaufbau."

Der Armut entgegenwirken

Die Annette-und-Wolfgang-Döbrich-Stiftung motiviert auch in Deutschland junge Leute, ihre Hilfe anderen anzubieten. Die Fürstenfeldbruckerin Johanna Kropf hat nach ihrem Abitur ein freiwilliges Soziales Jahr in Mittelamerika gemacht. Dabei hat sie auch Stipendiaten der Döbrich-Stiftung aufgesucht, zum Beispiel Elvis Reyes im Armenviertel La Carpio am Rand von Costa Ricas Hauptstadt San José. Er studiert mit Unterstützung der Gelder aus Deutschland Informatik. Zugleich arbeitet er bei einem kirchlichen Projekt, in dem Frauen Handwerke lernen, damit sie damit ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können.

Auch Aurora Menjívar aus San Salvador ist Stipendiatin der Annette-und-Wolfgang-Döbrich-Stiftung. Sie ist dankbar für die rund 75 Euro, die sie jeden Monat erhält. Ihr Ziel ist es, Graphikerin zu werden. Wolfgang Döbrich freut sich, dass sie gute Fortschritte macht.

Stiftung bietet auch Zusammenhalt

Über die finanziellen Belange hinaus bedeutet die Stiftungsarbeit Ermutigung für alle Beteiligten. Durch die ehrenamtliche Mitarbeit entstehen Freundschaften, zugleich nutzt Wolfgang Döbrich die vielfältigen Kontakt aus seiner langen Berufszeit, unter anderem als Gemeindepfarrer, Studentenpfarrer in München und Studienleiter an der Evangelischen Akademie Tutzing, für die Stiftung.

Sie feiern gemeinsam Feste, geben eine Zeitschrift mit aktuellen Informationen aus Zentralamerika heraus und treffen sich jedes Jahr, um zu entscheiden, wer ihrer Stipendiaten weiterhin gefördert wird. "Es ist auch eine Gemeinschaft, die durch diese Stiftung entsteht", sagt Wolfgang Döbrich, "ein großer Freundeskreis, dazu gehören ca. 50 bis 100 Leute, die aktiv mitwirken, und die sich dann auch freuen, dass die Dinge vorangehen".

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