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© Peter Litvai/Landestheater Niederbayern
Bildrechte: Peter Litvai/Landestheater Niederbayern

Liebe auf britisch

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    Steuern zahlt er nicht: "Der Graf von Luxemburg" in Passau

    Er heiratet aus Geldnöten und muss sich mit einem harschen Briten herumschlagen: Franz Lehárs Operettenheld René, Graf von Luxemburg, gerät in Passau in Brexit-Nöte. Und der Artikel 50 des EU-Vertrags kommt auch vor. Nachtkritik von Peter Jungblut.

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    Natürlich bezahlt der Graf von Luxemburg keine Steuern. Umso merkwürdiger, dass er total pleite ist, schließlich regiert er das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der EU. Es geht also schon mal herrlich absurd zu am Landestheater Niederbayern. Und so bleibt es über zweieinhalb Stunden. Der etwas trottelige Prinz Edward aus Schottland beruft sich bei seinen Eheplänen dauernd auf "Artikel 50", der jederzeit den Austritt ermöglicht, in diesem Fall aus der Ehe - tatsächlich ist natürlich der EU-Vertrag gemeint. Der ordensbehängte Adelige, der auch gern seinen Kilt herausholt, schwafelt von Freizügigkeit und davon, dass alle Rechte bewahrt werden sollen, scheint also ganz im Brexit-Fieber zu sein: Da hat sich der britische Regisseur Stephen Medcalf einiges von der Seele weg inszeniert, bei seinem Passauer "Grafen von Luxemburg", und so muss es selbstverständlich auch sein bei einer gelungenen Operette.

    Ausrutscher gehören dazu

    Aktuelle politische Anspielungen, freche Seitenhiebe und moralische Ausrutscher gehören ja geradezu zwingend zu dieser Kunstform, jedenfalls dann, wenn sie einigermaßen populär bleiben und unterhalten soll. Das ist am Landestheater Niederbayern zweifellos gelungen, wenn die Optik auch etwas zeitgemäßer hätte sein können. Ausstatterin Cordelia Chisholm setzte auf Kostüme der 1930er Jahre und zitierte auch im Bühnenbild die Zeit der Uraufführung dieser zweiten Fassung des "Grafen von Luxemburg", die im März 1937 in Berlin heraus kam, also im Nationalsozialismus, in der Spätzeit der Operette, als sie drauf und dran war, nur noch albern zu werden und jeden Biss zu verlieren drohte.

    Lehár komponierte Faschings-Nummer

    Franz Lehár hatte eigens ein paar Nummern hinzu komponiert und ließ sein Werk anders als bei der Erstfassung von 1909 mit einer Faschingsnummer beginnen - im Nachhinein betrachtet ein schales, allzu aufgesetztes Entree. Das funktionierte auch in der Passauer Inszenierung nicht wirklich, obwohl der Chor eigens im Zuschauerraum aufmarschierte und tapfer mit den Luftschlangen wedelte. Es blieb offen, ob das ironisch gemeint war oder tatsächlich frohsinnig. Da machten die Dialoge allemal mehr Laune, und Stephen Medcalf schaffte es tatsächlich, die wirklich alberne Handlung einigermaßen witzig aussehen zu lassen. Der Graf von Luxemburg heiratet ja aus Geldnot eine Frau, die es nur auf den Titel abgesehen hat und eigentlich viel höher hinaus will. Dass sich beide ineinander verlieben, ist in der Operette unvermeidbar, wird aber nur plausibel, wenn die Solisten wirklich all ihren Charme spielen lassen.

    Martialischer Liebhaber

    Der amerikanische Tenor Jeffrey Nardone in der Titelrolle und Maria Pitsch als seine divenhafte und karriereorientierte Gattin Angéle Didier machten das mit viel Spielfreude: Verblüffend, wie sie sich ihre Hände zum Ringtausch quer durch ein Gemälde reichten, nur, um sich nicht ansehen zu müssen. Höchst amüsant auch alle anderen Solisten: Peter Tilch als Prinz Edward, Mandie de Villiers als seine Whiskey-orientierte Verlobte, Emily Fultz als selbstbewusste Muse und Mark Watson Williams als lebenslustiger Maler. Die italienische Dirigentin Margherita Colombo hatte keine Scheu vor durchaus rabiater Operetten-Seligkeit - es war zu hören, dass dieser "Graf von Luxemburg" mehr mit Berlin als mit Wien zu tun hat, eher ein martialischer als ein zartschmelzender Liebhaber ist. Insgesamt eine muntere Gute-Laune-Produktion mit einer wohl dosierten Brise Satire. Faschingsstimmung kam nicht auf - aber dazu ist das heutige Operettenpublikum wohl ohnehin zu "gesetzt".


    Wieder am 11., 16. und 17. Februar in Landshut, sowie am 24. und 25. Februar in Passau, sowie weitere Termine.