BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Sternsinger-Debatte: geschminkte Kinder sorgen für Diskussion | BR24

© picture alliance / dpa

Beim Auftakt der Sternsinger-Aktion 2014 in Fürstenfeldbruck gab es noch angemalte Kinder. Inzwischen verzichten viele Gruppen darauf.

Per Mail sharen

    Sternsinger-Debatte: geschminkte Kinder sorgen für Diskussion

    Ein Schwarzer König mit stereotypen Merkmalen: dicke Lippen, Goldschmuck. Vergangene Woche hat eine Krippenfigur aus Ulm eine Rassismus-Debatte entfacht. Nun wird auch über schwarz geschminkte Sternsinger diskutiert.

    Per Mail sharen

    Zweieinhalb Monate müssen wir noch warten, dann ist es wieder so weit: Die Sternsinger werden unterwegs sein – einen Segen im Gepäck und die Spendendose für notleidende Kinder in aller Welt. Die Gruppen sind dem Brauchtum gemäß als die Heiligen Drei Könige verkleidet - Caspar, Melchior und Balthasar.

    Della: Überzogene Darstellung schwarzer Menschen

    Einer von ihnen ist meist schwarz und soll damit die Kirche Afrikas darstellen. Doch das dafür eines der Kinder schwarz geschminkt wird, ist umstritten.

    Tahir Della, Sprecher der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland, findet, dass man darauf verzichten sollte: "Es geht darum, dass mit einer Schminke völlig überzogen schwarze Menschen dargestellt werden, mit irgendwelchen Ohrringen und übertriebenen Perücken. So sehen schwarze Menschen in der Regel eben nicht aus und das ist das Problem."

    Kirchliche Verbände empfehlen Verzicht auf Schminke

    Im Bistum Passau, dem der deutsche Jugendbischof Oster vorsteht, will man die Bedenken nicht abtun. Doch Domdekan Hans Bauernfeind warnt davor, über das Ziel hinaus zu schießen: "Ich wehre mich dagegen, dass man pauschal sagt, alle Kinder oder Jugendlichen, die schwarz angemalt sind als Sternsinger, dass das von vornherein rassistisch ist, sondern dahinter steckt die Botschaft, dass sind Menschen aus der ganzen Welt, die die Menschwerdung Gottes bezeugen und das ist das eigentlich Wichtige und Bedeutende."

    An dem Gedanken, die Vielfalt der Weltkirche darzustellen, findet auch Eva Russwurm nichts verkehrt. Sie war selbst jahrelang Sternsingerin und betreut nun im Erzbistum Bamberg die Sternsingeraktion.

    Für die kommende Weihnachtszeit schließt sie sich jedoch der Empfehlung des Kindermissionswerks "Die Sternsinger" und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend an. Die lautet: keine Kinder mehr schwarz zu schminken. "Wir wollen auf keinen Fall, dass die Sternsingeraktion den Touch bekäme, dass wir rassistisch wären, dass wir Menschen mit dunkler Hautfarbe abbilden anhand ihrer stereotypischen Merkmale und deshalb empfehlen wir allen unseren Verantwortlichen, wenn sie damit Probleme sehen, dann sollen sie bitte darauf verzichten."

    Vorschlag: schwarze Kinder für Rolle einsetzen

    Della begrüßt die Entscheidung. Sie zeige, dass es hierzulande mittlerweile einen konsequenteren Umgang mit dem Thema Rassismus gebe. An der Botschaft, durch die Heiligen Drei Könige die Weltkirche darzustellen, hat auch er nichts auszusetzen, aber er hat auch einen Vorschlag, wie man das anders machen könnte: "Es gibt eben auch schwarze Kinder, die man fragen könnte, ob sie diese Rolle übernehmen wollen, anstatt weiße Menschen umzuschminken, um schwarze Menschen darstellen zu lassen. Wir wollen, wenn überhaupt, uns selbst darstellen und nicht dargestellt werden und schon gar nicht in der Form wie es eben sehr rassistisch aufgeladen ist."

    Das Kindermissionswerk und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend sagen zudem, dass die Gleichsetzung von Hautfarbe und Herkunft heute nicht mehr immer aufgeht. Sie glauben, dass der ursprüngliche Sinn der Tradition besser deutlich wird, wenn Kinder als Sternsinger so gehen, wie sie eben sind: vielfältig in ihrem Aussehen.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!