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"Stern 111" von Lutz Seiler erhält Preis der Leipziger Buchmesse | BR24

© picture alliance / dpa

Autor Lutz Seiler

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    "Stern 111" von Lutz Seiler erhält Preis der Leipziger Buchmesse

    Lutz Seilers Roman "Stern 111" bekommt den Preis der Leipziger Buchmesse. In der Kategorie Sachbuch ist Bettina Hitzers Buch "Krebs fühlen" ausgezeichnet, als beste Übersetzung Pieke Biermanns "Oreo". Das gab die Jury im Deutschlandfunk bekannt.

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    Der dichte Nachwende-Roman "Stern 111" von Lutz Seiler wird mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet. Der Preis für die beste Übersetzung geht in diesem Jahr an Pieke Biermann, die "Oreo" von Fran Ross aus dem Amerikanischen übersetzte. Bettina Hitzer setzte sich mit ihrem Buch "Krebs fühlen. Eine Emotionsgeschichte des 20. Jahrhunderts" gegen die vier anderen Nominierten in der Kategorie Sachbuch durch.

    Die Preise wurden in diesem Jahr in der Sendung "Lesart" Im Deutschlandfunk Kultur bekannt gegeben. Wegen des Coronavirus wurde die Leipziger Buchmesse in diesem Jahr abgesagt. Die Auszeichnung mit dem renommierten Buchpreis, der sonst zu Beginn der Messe in drei Kategorien (Belletristik, Sachbuch, Übersetzung) vergeben wird, wurde ins Radio verlegt, im Studio waren die Juror*innen Jens Bisky, Tobias Lehmkuhl und Wiebke Porombka zu Gast.

    "Verquickung von Geschichtsschreibung und Privatmärchen"

    "Stern 111": das war der außerirdisch anmutende Name eines beliebten Kofferradios in der DDR, um deren Ende es in dem ausgezeichneten Roman geht. "Dieser Roman leuchtet auf jeder Seite, und das mit menschenfreundlichem Humor. Die Milchstraße wird ziegengemacht, in jeder schnell errichteten Mauer krabbeln die Asseln der Schwellenzeiten, unter dem Schimmel der uralten Konserven lauert rätselhafte Süße. In Lutz Seilers kunstvollem Roman wird groß und genau die Neuordnung der Dinge in einem plötzlich regellosen Raum beschrieben, und das in der Verquickung von Geschichtsschreibung und Privatmärchen", so lautet die Begründung der Jury. Lutz Seiler setzt sich mit seinem Roman gegen die Nominierten Verena Güntner ("Power"), Maren Kames ("Luna Luna"), Leif Randt ("Allegro Pastell") und Ingo Schulze ("Die rechtschaffenen Mörder") durch, die ebenfalls 1.000 Euro erhalten.

    © Suhrkamp

    "Stern 111" von Lutz Seiler erhält den mit 15.000 Euro dotierten Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik.

    "Gesellschaftsgeschichte, Emotionsgeschichte und Mediengeschichte"

    Die am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung arbeitende Historikerin Bettina Hitzer hat sich mit ihrem Buch über die Volkskrankheit Krebs gegen die ebenfalls nominierten Michael Martens, Armin Nasehi, Julia Voss und Jan Wenzel durchgesetzt. Die Jury lobt Hitzer für ihren umfassenden Blick auf die sich wandelnde Geschichte der Krebserkrankung: "Bettina Hitzer zeichnet die Geschichte dieser Erkrankung so umfassend nach wie noch nie: Sie schreibt eine Gesellschaftsgeschichte, Emotionsgeschichte und Mediengeschichte. Ihr Buch beleuchtet, wie unterschiedlich im 20. Jahrhundert in Deutschland Krebs erforscht, besprochen und erlebt worden ist". Insbesondere der "emotionsgeschichtliche Zugriff" der Historikerin wird als "fruchtbares Novum der Geschichtswissenschaft" hervorgehoben.

    Sprachliches Feuerwerk

    "Oreo" von Fran Ross changiert zwischen Mythologie, Rassismus-Kritik, Slapstick und Psychoanalyse-Satire: Jiddische Ausdrücke, Gossen-Slang und akademisches Highbrow-Palaver wechseln sich darin ab. Die Übersetzerin Pieke Biermann habe, wie die Jury urteilt, die enorme Herausforderungen des Originaltextes "bravourös gelöst und das halsbrecherische Erzähl-Tempo dieser durch New York rasenden rotzfrechen und oberschlauen Superfrau mit großem Erfindungsreichtum in ein Deutsch gebracht, das eine solch schrill-schöne Vielgestalt auf so engem Raum selten gesehen hat".

    Der Preis der Leipziger Buchmesse

    Der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse wird seit 2005 vergeben und ehrt herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Die Auszeichnung gehört zu den wichtigsten Literaturpreisen in Deutschland. Im vergangenen Jahr ging der Preis für Belletristik an Anke Stelling für "Schäfchen im Trockenen". Den Preis für Sachbuch/Essayistik erhielt 2019 Harald Jähner für "Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945-1955". Eva Ruth Wemme wurde ausgezeichnet für ihre Übersetzung des Romans "Verlorener Morgen" von Gabriela Adameşteanu aus dem Rumänischen.

    Die siebenköpfige Jury setzt sich aus deutschen Journalisten und Literaturkritikern zusammen, in diesem Jahr unter dem Vorsitz von Jens Bisky (Süddeutsche Zeitung). Die sechs weiteren Mitglieder der Jury sind die Bloggerin Katharina Herrmann ("Kulturgeschwätz"), der freie Literaturkritiker Tobias Lehmkuhl (Die Zeit, Deutschlandfunk), die Literaturkritikerin Wiebke Porombka (FAZ, Die Zeit), der Redakteur der Literarischen WELT Marc Reichwein, die Literatur-Kritikerin Katrin Schumacher (3sat, MDR Kultur) und die freie Kritikerin und Autorin Katharina Teutsch (FAZ, Die Zeit, Kulturzeit, Deutschlandfunk).

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