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© Peter Litvai/Landestheater Niederbayern
Bildrechte: Peter Litvai/Landestheater Niederbayern

Hühnerstall in Gefahr

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Sterben ist kein Grund zur Panik: "Das Schlaue Füchslein"

Leoš Janáček lauschte seine Musik direkt der Natur ab, am liebsten in den böhmischen Wäldern. Trotz seiner Nähe zu Tschechien brachte das Landestheater Niederbayern erstmals eine Oper des Komponisten - sehr aufwändig. Nachtkritik von Peter Jungblut.

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Natürlich sieht das alles ganz niedlich aus: Die Frösche und Fliegen, die Hühner und Käfer, die Füchse und der Kettenhund. Die Ausstatter Charles Cusick-Smith und Philip Ronald Daniels haben mit viel Fantasie alles auf die Bühne gebracht, was in Wald und Wiese kreucht und fleucht. Selbst notorische Stadtmenschen geraten bei diesen Bildern in Verzückung, vielleicht sogar gerade die. Und dennoch: "Das Schlaue Füchslein" ist keine harmlose Märchen-Oper für Kinder.

Ganz im Gegenteil: Der tschechische Komponist Leoš Janáček wollte den Kreislauf der Natur zeigen, und der ist alles andere als "niedlich". Da wird gestorben und gefressen, da wird gejagt und gebissen. Der Hühnerhof schwimmt bald im Blut. Eine raue Welt also, und doch voller universaler Harmonie: Alles, was lebt, endet, aber die nächste Generation steht schon bereit. Die Evolution schreitet stündlich voran. So gesehen war der nicht sehr umgängliche und in seiner Heimat bis heute unpopuläre Leoš Janáček zwar naturverbunden, aber kein Romantiker.

Aus dem Fuchsfell wird ein Muff

Regisseur Stefan Tilch lässt im Bühnenhintergrund immer wieder eine Uhr ticken und den Rhythmus der Jahreszeiten aufscheinen. Im Herbst, wenn die gelben Blättern rieseln, fällt auch die titelgebende Füchsin dem Wilderer zum Opfer. Aus dem Fell wird ein neuer Muff für die Freundin. Alles andere als politisch korrekt! Das böhmisch-mährische Landleben war vor hundert Jahren eben nicht sehr gefühlsduselig, und davon berichtet das "Schlaue Füchslein" eindrucksvoll. Gut, dass Stefan Tilch das noch nicht an Janáček gewöhnte niederbayerische Opern-Publikum mit einer wahrlich herzerwärmenden Tierschau begeisterte. Insbesondere die tapsigen, kleinen Füchse hatten den Beifall auf ihrer Seite. Das machte die Oper optisch zwar süßlicher als sie sein sollte, warb aber für Janáček, und das war hier die Hauptsache.

Deutsche Text-Fassung erleichtert Zugang

Mandie de Villiers war ein herrlich freches Füchslein, das jede Falle rechtzeitig erschnuppert, Peter Tilch ein bewegend melancholischer Jäger. Basil H.E. Coleman dirigierte den schwierigen Janáček vielleicht etwas zu weich und sanft, aber das passte hervorragend zum Regie-Konzept. Gut, dass die deutsche Übersetzung von Max Brod gespielt wurde: Das ist zwar unter Janáček-Fachleuten verpönt, weil sich der Komponist sehr genau an der tschechischen Sprachmelodie orientierte, aber die anspielungsreiche Textmasse ist für deutsche Zuschauer im Original bisweilen eine Zumutung.

Wieder am 28. und 29. April in Landshut, ab 5. Mai wieder in Passau.

© Peter Litvai/Landestheater Niederbayern

Kleine Füchslein

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Buntes Treiben im Wald

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Fuchsbau und Dachs

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Kneipenszene

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Liebe unter dem Blutmond

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Fuchs und Füchsin

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Wilderer und Füchslein