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Wann Sterbehilfe in Deutschland erlaubt ist – und wann nicht | BR24

© picture alliance / chromorange

Tabletten und eine Spritze liegen neben einem Kreuz.

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Wann Sterbehilfe in Deutschland erlaubt ist – und wann nicht

Unheilbar kranke und unter großen Schmerzen leidende Menschen wünschen sich manchmal einen vorzeitigen Tod. In Deutschland ist es Ärzten allerdings verboten, aktive Sterbehilfe zu leisten. Doch komplett verboten ist sie auch nicht.

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In Deutschland wird rechtlich zwischen mehreren Arten der Sterbehilfe unterschieden.

Die aktive Sterbehilfe

Aktive Sterbehilfe bedeutet, dass eine andere Person einen Patienten gezielt tötet, etwa indem er oder sie dem Kranken eine Überdosis eines Schmerz- oder Narkosemittels verabreicht. Dabei handelt derjenige, der die aktive Sterbehilfe leistet, ausdrücklich nach dem Willen des Kranken. Wenn dieser nachweislich und bei klarem Verstand den Wunsch nach aktiver Sterbehilfe geäußert hat, spricht man juristisch von "Tötung auf Verlangen". Die ist in Deutschland strafbar und wird mit 6 Monaten bis 5 Jahren Freiheitsstrafe geahndet.

Die Beihilfe zur Selbsttötung oder der sogenannte assistierte Suizid

Dabei stellt ein Arzt oder eine andere Person einem schwer Kranken beispielsweise ein Medikament in tödlicher Dosis zur Verfügung. Der Patient nimmt das Mittel dann selbst ein und stirbt daran. Da eine Selbsttötung straffrei ist, ist auch die Beihilfe dazu nicht strafbar. Ärzte, die Beihilfe zum Suizid leisten, könnten allerdings durch eine andere rechtliche Regelungen belangt werden, wie die zur unterlassenen Hilfeleistung. Das ist nicht der Fall, wenn eine eindeutige Willensbekundung des Patienten vorliegt. Jedoch legt die Berufsordnung der Bundesärztekammer fest, dass ein Mediziner nie Beihilfe zum Suizid leisten darf. Nicht alle Landesärztekammern haben diese übernommen. Klar unter Strafe steht dagegen die geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung etwa durch Sterbehilfevereine. Gegen dieses 2015 eingeführte Verbot in Paragraph 217 des StGB liegen mehrere Verfassungsbeschwerden vor. Ein Urteil der Karlsruher Richter wird in wenigen Monaten erwartet.

Die passive Sterbehilfe

Unter passiver Sterbehilfe versteht man den Abbruch oder das Unterlassen lebensverlängernder Maßnahmen. Man spricht auch von Sterben zulassen. Eine künstliche Ernährung, Bluttransfusion oder Beatmung werden bewusst nicht verabreicht oder eingestellt. Die passive Sterbehilfe ist seit 2010 in Deutschland erlaubt, wenn sie dem erklärten oder mutmaßlichen Patientenwillen entspricht.

Die indirekte Sterbehilfe

Bei der indirekten Sterbehilfe geht es vor allem darum, die Schmerzen zu lindern. Dabei nimmt der Arzt das Risiko in Kauf, dass der Patient möglicherweise schneller stirbt, weil er ihm starke Schmerzmittel verabreicht hat. Die indirekte Sterbehilfe ist in Deutschland zulässig.

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Das Thema Sterbehilfe wird nach wie vor sehr kontrovers disktutiert. In welchen Fällen ist Sterbehilfe in Deutschland überhaupt erlaubt? #fragBR24

In den Beneluxstaaten und in der Schweiz gelten liberalere Regelungen als bei uns. In den meisten europäischen Ländern ist die rechtliche Lage dagegen restriktiver oder unklar.

Sterbehilfe in den Niederlanden

Sämtliche Arten der Sterbehilfe sind straffrei. Sie müssen allerdings von einem Arzt unter strengen Auflagen geleistet werden. Dieser muss vor der Tötung auf Verlangen feststellen, dass für den Patienten keine Aussicht auf Besserung besteht und dass dieser seine Leiden kaum erträgt. Der Patient muss nach reiflicher Überlegung und aus eigenem Antrieb den Wunsch nach Sterbehilfe äußern. Ist die Entscheidung gefallen, muss zudem noch ein zweiter Arzt zustimmen. Ähnliche Regelungen gelten in den Nachbarländern Belgien und Luxemburg. Zudem ist in den Niederlanden wie auch in Belgien die aktive Sterbehilfe für Kinder erlaubt. In Belgien ohne Altersbeschränkung in den Niederlanden ab 12 Jahren.

Sterbehilfe in der Schweiz

Die aktive Sterbehilfe verboten. Die ärztlich assistierte Selbsttötung und die Suizidbeihilfe auch durch gewerblich organisierte Sterbehilfe-Vereine sind erlaubt, genauso wie die passive und indirekte Sterbehilfe. Zwar sieht der Schweizer Berufsverband der Ärzte die Suizidbeihilfe einerseits nicht als Aufgabe von Ärzten an. Andererseits aber sollten Ärzte laut Schweizer Berufsverband den Patientenwillen respektieren. Sterbehilfevereine wie Dignitas vermitteln Kranken auf Wunsch Ärzte, die todbringende Medikamente verschreiben.

Sterbehilfe in anderen europäischen Ländern

In Schweden ist die Sterbehilfe ähnlich wie in Deutschland geregelt. Strafbar ist nur die aktive Sterbehilfe. In den meisten anderen europäischen Ländern ist die aktive Sterbehilfe und die Suizidbeihilfe verboten, die passive Sterbehilfe aber erlaubt: etwa in Österreich, Frankreich, Großbritannien, Irland, Dänemark, Italien, Spanien, in Ungarn oder in der Slowakei. In Ländern wie Kroatien, Albanien oder Griechenland liegen keine gesetzlichen Regelungen für die passive Sterbehilfe vor. Die strengsten Gesetze in puncto Sterbehilfe gelten dagegen in Polen. Dort steht jede Form – auch der Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen – unter Strafe.

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