BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Steigende Armut: Unterwegs mit dem Caritas-Foodtruck in München | BR24

© Caritas München/Yvonne Möller

Mehrere Hilfsorganisationen betreiben gemeinsam den Foodtruck in München.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Steigende Armut: Unterwegs mit dem Caritas-Foodtruck in München

Viele kostenlose Essensausgaben mussten schließen, weil sie Corona-Abstands-Auflagen nicht einhalten können. Dabei verstärkt die Corona-Krise gerade in den teuren Städten die Armut. In München ist deswegen der knallrote "Foodtruck" unterwegs.

Per Mail sharen

In der Küche des Weißen Raben wird fleißig Gemüse geschnippelt, angebraten, püriert. Das Unternehmen zählt zu den größten Inklusions-Arbeitgebern in Oberbayern. Hier werden rund 400 langzeitarbeitslose Menschen mit Handicap betreut, beschäftigt und für den sogenannten ersten Arbeitsmarkt qualifiziert. Zum Beispiel als Küchenkräfte. Seit 14 Tagen lautet der Auftrag: einen großen Topf Suppe kochen. Für den feuerroten Caritas-Foodtruck, der mitten in der Stadt am Alten Botanischen Garten steht.

Viele Köche ermöglichen hier erst den Brei

Die Köche vom Weissen Raben sind eingesprungen, erklärt Küchenchef Mario Scheffel: "St. Bonifaz, die sonst für die Obdachlosenspeisungen zuständig sind, können aufgrund der momentanen Pandemie die Leute vor Ort nicht verköstigen, und da sind wir eingesprungen, damit die Leute in München, die bedürftig sind, überhaupt eine warme Mahlzeit mittags zu sich nehmen können."

Caritas-Chef Falterbaum: ähnliche Situation in vielen Städten

Auch die Münchner Tafel liefert Lebensmittel an den Caritas-Foodtruck. Sonst würde es nicht reichen, denn eine Suppenportion ist für einen Erwachsenen dann doch ein bisschen wenig. In der Not schließt man sich zusammen. Das gilt auch für Hilfsorganisationen, sagt der Münchner Caritas-Chef Georg Falterbaum, gerade in der Corona-Krise: "Besondere Situationen erfordern auch besondere Maßnahmen und Reaktionsweisen, und zum Glück haben wir viele starke Partner, die sich da engagieren, und es macht ja auch Sinn, die Kräfte zu bündeln, und zusammen sind wir eben besonders stark." Und das ist auch bitter nötig, erklärt Falterbaum, denn Corona erzeugt eine neue Bedürftigkeit: "Im Prinzip haben wir die Entwicklung, die wir hier haben, auch andernorts in der Republik."

© BR/Abendschau/Birgit Rätsch

Viele Obdachlosenspeisungen von Kirchen haben dichtgemacht, weil sie die Hygiene-Schutzregeln nicht mehr einhalten können. Doch wie soll den Bedürftigen weiter geholfen werden? Bei der Caritas in München, hatte man da eine Idee.

Corona hat die Situation für viele Bedürftige noch verschärft

Die Schlange ist lang, die an der Essensausgabe des Food-Trucks wartet. Manche Menschen, vor allem Frauen, verbergen ihr Gesicht nicht nur hinter der Maske, sondern nutzen auch die große Kapuze ihres Anoraks – sie schämen sich, wollen unter keinen Umständen erkannt werden. Zumal, wenn sie erst durch die Corona-Pandemie in diese Situation geraten sind. Es scheinen immer mehr zu werden. Jürgen lebt hingegen schon seit zehn Jahren auf der Straße. Durch Corona sei die Situation noch schwieriger geworden, sagt er: "Weil sehr viele Häuser zugemacht haben, auf die die Leute sich verteilt haben von der Verpflegung her. Jetzt ist das warme Essen weniger geworden, und so ist es jetzt deswegen schwieriger, weil die Leute sich dann konzentriert auf diesen Wagen stürzen, denn jeder möchte natürlich irgendwo etwas Warmes haben."

Gäste regelrecht ausgehungert, Obdachlose häufig unterkühlt

Wie groß die Not ist, sieht Caritas-Sprecherin Marlies Brunner jeden Tag, wenn Menschen schon um zwölf Uhr für die erste heiße Suppe anstehen und sich gleich mehrere der 375 ml-Becher hintereinander beim Foodtruck abholen. "Das reicht ihnen oft nicht, weil sie so ausgehungert und ausgekühlt sind, dass sie sich tatsächlich gleich nochmal anstellen und sich noch eine Portion holen, und dann um vier Uhr, wenn wir zumachen, sich für den Abend auch nochmal eine Portion holen, damit sie dann durch die Nacht kommen."

Freiwilliger Andreas: "Etwas wirklich Sinnvolles für die Menschen"

Aber es gibt auch Lichtblicke in dieser Zeit. Einer davon ist der Abiturient Andreas Arnsdorfer vom Werner-von-Siemens-Gymnasium. Er möchte die Zeit bis zu seinem Studium sinnvoll nutzen und hat sich deshalb als ehrenamtlicher Helfer für den Foodtruck gemeldet. Von der Situation gerade der obdachlosen Besucher des Foodtrucks war er schockiert. "Ich persönlich bin davor noch nie mit Menschen in Kontakt gekommen, die so arm sind oder teilweise auf der Straße leben", erzählt er. "Letzte Woche, als es die ersten Male so kalt war, waren die Leute, die auf der Straße geschlafen haben wirklich unterkühlt in der Früh. Da merkt man, man macht hier was wirklich Sinnvolles für die Menschen."

Für den Winter hoffen Caritas-Chef Georg Falterbaum und seine Mitarbeiter darauf, dass die stationären Obdachlosenspeisungen wieder aufmachen dürfen. Denn es geht ja nicht nur um Essen, sondern auch um soziale Kontakte. Und die lassen sich in geheizten Räumen deutlich besser pflegen als in der Kälte.

Newsletter abonnieren

Interessieren Sie sich für Themen aus Religion, Kirche, Glaube und Spiritualität? Unser Newsletter hält sie auf dem Laufenden - jeden Freitag frei Haus. Hier geht's zum Abo.