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Kabarettist Stefan Waghubinger
© Bayerischer Rundfunk

Autoren

Gerhard Brack
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Kabarettist Stefan Waghubinger

In seinem Programm "Jetzt hätten die guten Tage kommen können", präsentiert sich Stefan Waghubinger als Versager in allen Gebieten. Egal ob in der Arbeit oder in der Liebe, Waghubinger scheitert auf allen Ebenen.

"Fünf Jahre ist es jetzt her, dass es in unserer Beziehung begonnen hat zu kriseln. Wie ich es dann gemerkt habe, das ist jetzt auch schon wieder fast ein Jahr her. Sie hat gesagt, sie kriegt keine Luft mehr, es ist ihr zu eng in der Beziehung. Da habe ich gesagt: Na gut, vielleicht brauchen wir mehr Nähe. Dann hat sie gesagt, ja, sie bräuchte schon mehr Nähe, aber zu Dingen, die von mir weiter weg sind." Stefan Waghubinger

Am glücklichsten waren noch die Anfänge der Beziehung, doch auch da schon lief irgendetwas schief.

"Wir sind damals mit dem Fahrrad runter nach Italien. Über die Alpen drüber: Die Serpentinen hoch und wieder runter. Das Fahrrad immer hinten auf dem Autogepäckträger. Wir waren damals in dem Mehrfamilienhaus und man konnte bei uns den Keller nicht abschließen. So hab‘ ich gedacht: Bevor jemand das Fahrrad klaut, nehme ich es lieber mit. Im Nachhinein war das natürlich ein Blödsinn, da unten wird es einem ja viel eher geklaut. Ich hab’s dann schon mit aufs Zimmer genommen. Meine Frau war ein bissl dagegen, aber ich sag mal: so eng waren wir nie wieder zusammen!" Stefan Waghubinger

Selbstmitleid und romantische Ironie

Waghubinger hat Erfahrungen gemacht. Trotzdem hegt er immer wieder falsche Erwartungen ans Leben.

"Ich hab‘ das oft, das ist ganz komisch. Ich hab‘ das ganz oft: Ich weiß oft vorher schon, was passiert. Und dann kommt es doch anders." Stefan Waghubinger

Voll Selbstmitleid, aber auch voll romantischer Ironie zieht Waghubinger Bilanz. Ein Mann in den besten Jahren auf der Sinnsuche. Waghubinger versagt und greift ins Leere.

"Das ist so, wenn man sich an schöne Dinge erinnert, dann wird man traurig. Zum Glück haben wir nicht allzuviele schöne Dinge gemeinsam. Es ist gut, wenn man nicht zu viele schöne Dinge erlebt, dann ist man hinterher nicht so traurig." Stefan Waghubinger

Wehleidig und sentimental schaut er aufs Leben. Und wir schauen auf Waghubinger und lachen über ihn, weil er immer noch deutlicher scheitert als wir.

Stefan Waghubinger CD "Jetzt hätten die guten Tage kommen können" ist erschienen beim Kölner Label "Wortart" und kostet 13,99 Euro.

Autoren

Gerhard Brack

Sendung

B5 Kultur vom 12.11.2018 - 10:25 Uhr