BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© picture alliance / dpa | Oliver Berg
Bildrechte: picture alliance / dpa | Oliver Berg

Ein Imam predigt in der Merkez-Moschee in Duisburg während des Freitagsgebetes 2010.

18
Per Mail sharen

    Start Islamkolleg: Imamausbildung - bezahlt vom deutschen Staat

    Startschuss für Imame "made in Germany". Im Islamkolleg sollen ab heute muslimische Geistliche in deutscher Sprache, mit deutschen Steuergeldern ausgebildet werden. Eine Einflussnahme aus dem Ausland soll damit geringer werden.

    18
    Per Mail sharen
    Von
    • Martin Jarde

    Es sind rund 2.500 Moscheegemeinden, die es aktuell in Deutschland gibt. Ihre Imame kommen meist aus dem Ausland. Das Islamkolleg Deutschland (IKD) in Osnabrück, das heute offiziell seine Türen öffnet, will dies ändern.

    Islamkolleg: zwei Jahre Praxis für Imame

    Predigtlehre, Koranrezitation, Seelsorge und Gemeindearbeit sind Kern des Lehrplans. Die 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen hier neben ihrem Theologiestudium an der Universität also die Praxis vermittelt - ähnlich wie in einem katholischen Priesterseminar oder evangelischen Predigerseminar. Die Ausbildung dauert zwei Jahre.

    In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Altbundespräsident und IKD-Kuratoriumsvorsitzende, Christian Wulff, die Gründung der Einrichtung sei nach dem islamischen Religionsunterricht ein "logischer weiterer Schritt" und "neben seiner großen Bedeutung für das Land auch ein Signal an die Muslime der Anerkennung und Gleichberechtigung".

    "Unabhängig ausgebildete islamische Theologinnen und Theologen für muslimische Gemeinden in Deutschland mitten unter uns in deutscher Sprache und auf dem Boden des Grundgesetzes auszubilden, war längst überfällig." Altbundespräsident Christian Wulff

    Zeichen gegen Ditib-Imame aus der Türkei

    Er wisse, dass sich "immer mehr türkischstämmige Deutsche gegen eine übergriffige Art der Einmischung verwahren und ihren eigenen Weg gehen wollen", sagte der frühere Bundespräsident mit Blick auf Spannungen mit der deutsch-türkischen Religionsbehörde Ditib.

    Filiz Polat, Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion für Migrations- und Integrationspolitik, bezeichnet das neue "Islamkolleg Deutschland" als wegweisend. "Mit der finanziellen Unterstützung des Kollegs setzt der scheidende Bundesinnenminister nach seinem missglückten Start zu Beginn der Legislaturperiode ein wichtiges Signal in die muslimische Community", sagte Polat, die seit Februar Mitglied im Kuratorium der neuen Ausbildungsstätte für muslimische Geistliche ist.

    Zahlreiche Anfragen aus dem EU-Ausland

    Schon jetzt gebe es zahlreiche Anfragen aus dem EU-Ausland zu dem Projekt, so Polat. Mit Blick auf den türkisch-islamischen Verband Ditib, der kürzlich ein eigenes Ausbildungszentrum in der Eifel gegründet hatte, sagte Polat: "Für die Ditib wird das Projekt in Osnabrück eine große Konkurrenz sein."

    Seit über zehn Jahren fordern einzelne Politiker, Wissenschaftler und Religionsvertreter eine deutsche Imam-Ausbildung. Lange Zeit stießen sie damit auf taube Ohren. Die Eröffnung des IKD hat nun weniger mit Religion zu tun als vielmehr mit handfester Politik. 90 Prozent der Imame der etwa 2.500 deutschen Moscheegemeinden kommen aus den islamischen Herkunftsländern. Und sie werden auch von dort finanziert – und somit beeinflusst. Die Einflussnahme ausländischer Staaten, allen voran der Türkei, soll zurückgedrängt werden.

    Seehofer: Türkei soll Zahl entsandter Imame reduzieren

    Bundesinnenminister Seehofer hatte bereits bei der Islamkonferenz im November 2020 klargestellt, dass er erwarte, dass vor allem die Türkei von nun an Schritt für Schritt die Zahl der nach Deutschland entsendeten islamischen Prediger reduziert. Denn diese Entsendung sei nicht mehr zeitgemäß.

    Wenn Europa zur Heimat von Muslimen geworden sei, "dann bedarf es keiner Einmischung und Einflussnahme mehr von außen". Seine Botschaft sei: "Wir sorgen für unsere muslimischen Bürger und Bürgerinnen selbst."

    Sie interessieren sich für Themen rund um Religion, Kirche, Spiritualität und ethische Fragestellungen? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter. Jeden Freitag die wichtigsten Meldungen der Woche direkt in Ihr Postfach. Hier geht's zur Anmeldung.