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Stardirigent Petrenko verlängert Vertrag | BR24

© Bayerische Staatsoper

Glückliche Einigung: Ludwig Spaenle, Kirill Petrenko, Nikolaus Bachler

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    Stardirigent Petrenko verlängert Vertrag

    Der regelmäßig umjubelte Dirigent Kirill Petrenko will bis mindestens 2021 an der Bayerischen Staatsoper präsent bleiben, nach 2020 aber nur noch als "Gast". Ein Kompromiss, denn Petrenko wechselt 2018 zu den Berliner Philharmonikern.

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    Interviews gibt er keine und auch sonst macht er sich in den Medien ausgesprochen rar: Kirill Petrenko ist ein scheuer, introvertierter Mensch, der allerdings im Gespräch mit Musikern und Freunden ausgesprochen gesellig sein kann. Jetzt hat der Bayerische Ministerrat eine Vertragsverlängerung an der Bayerischen Staatsoper möglich gemacht. Das war bis zuletzt fraglich gewesen, weil der gebürtige Russe Petrenko allseits umworben ist und 2018 Chef der Berliner Philharmoniker wird. Eine Doppelbelastung mit zwei Führungsaufgaben hielten viele für ausgeschlossen. 

    Zwei Premieren pro Saison

    Nun soll Petrenko immerhin bis zur Saison 2019/2020 Chef des Bayerischen Staatsorchesters bleiben und danach noch ein Jahr als Gastdirigent zur Verfügung stehen. Münchens Opernfreunde werden aufatmen, zumal Staatsintendant Nikolaus Bachler für jede Saison zwei Premieren unter der Leitung von Petrenko versprach, sowie einige Repertoire-Vorstellungen und Konzerte. 

    Petrenko gilt als ausgesprochener Spezialist für die deutsche Romantik und Spätromantik, also für die Komponisten Richard Wagner und Richard Strauss, aber auch für das russische Fach und zeitgenössische Werke. Mit den Soldaten (1960) von Bernd Alois Zimmermann feierte Petrenko an der Bayerischen Staatsoper einen seiner größten Triumphe. Dagegen waren die Reaktionen auf seine Dirigate von Belcanto- und Mozart-Opern eher durchwachsen. Offensichtlich liegen Petrenko hochemotionale, ja explosive Partituren des späten 19. und 20. Jahrhunderts mehr als die verspielt-artistischen Werke der Aufklärung um 1800. 

    Besessene Arbeit am Detail 

    Bekannt wurde Petrenko, als er im Jahr 2000 im thüringischen Meiningen Wagners Ring erstmals überhaupt in der Geschichte dieses Riesen-Werks an vier aufeinander folgenden Tagen dirigierte, und zwar nach außerordentlich sorgfältigen und zahlreichen Proben. Überhaupt gilt Petrenko als besessener Arbeiter, der sich leidenschaftlich in die Details einer Partitur versenken kann, ohne dabei freilich im Klangbild penibel oder kleinlich zu wirken, ganz im Gegenteil. Sein Bayreuther Ring ließ viele Kritiker das Werk musikalisch völlig neu erleben, nämlich außerordentlich vielschichtig. Pauschale Lautstärke und auftrumpfendes, vermeintlich "wagnerianisches" Pathos im Orchester duldet Petrenko nicht. 

    Jüngster Chefdirigent Deutschlands

    Inzwischen ist der aus Omsk in Sibirien stammende Dirigent  (Jahrgang 1972) österreichischer Staatsbürger. 1990 kam er nach Vorarlberg, wo sein Vater eine Stelle als Geiger antrat. Nach einem frühen Engagement als Kapellmeister an der Volksoper Wien (1997) kam er nach Meiningen, wo er der jüngste Generalmusikdirektor Deutschlands wurde (1999) und wechselte später an die Komische Oper Berlin (2002 - 2007). In München ist Petrenko seit 2013 tätig. Den szenisch umstrittenen Bayreuther Ring wird er im nächsten Jahr nicht mehr dirigieren, um sich auf seine Münchener Verpflichtungen zu konzentrieren.

    Auch der Intendant der Staatsoper, Nikolaus Bachler, bleibt bis 2021. Der Ministerrat stimmte den Vertragsverlängerungen zu.