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"Star Wars 9" ist ein uninspirierter Parcours des Abschieds | BR24

© Bayern 2

Auch "Star Wars" soll ein Ende haben. Im neunten und letzten Teil der Saga sind alle Helden noch einmal dabei, wenn nicht leibhaftig, dann als Traum oder Hologramm. Die Story läuft auf eine finale Schlacht zu – und bleibt dennoch spannungslos.

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"Star Wars 9" ist ein uninspirierter Parcours des Abschieds

Auch "Star Wars" soll ein Ende haben. Im neunten und letzten Teil der Saga sind alle Helden noch einmal dabei, wenn nicht leibhaftig, dann als Traum oder Hologramm. Die Story läuft auf eine finale Schlacht zu – und bleibt dennoch spannungslos.

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Wer sich nicht vorstellen kann, was der heutige Tag für die Fans der "Star Wars"-Filme bedeutet, wer nicht ahnt, was die Vollendung der neunteiligen Saga für Millionen Menschen auf diesem Planeten ausmacht, dem sei, bevor er vielleicht doch mal ins Kino geht und erkundet, was diesen Hype auslöst, empfohlen, nach Dassow in Mecklenburg-Vorpommern zu fahren: Dort lässt sich in einer alten Scheune die erste Trilogie der Filmreihe real erleben.

Auf über 1.000 Quadratmetern sind Kulissen des Sternenkriegerepos nachgebaut – "von Fans für Fans", wie es das Betreiber-Ehepaar Marc und Kirstin Langrock ausdrückt. Er ist ein Fan der ersten Stunde, und sie war irgendwann auch infiziert davon. In der Scheune wird der Besucher durch insgesamt 30 Filmsets geführt. Den Anfang macht der böse Darth Vader auf seinem martialischen Raumschiff. Er ist umgeben von drei seiner Soldaten, den Sturmtrupplern. An Prinzessin Leia und dem Astromech-Droiden R2-D2 vorbei geht es zum Wüstenplaneten Tattuin. Undsoweiter.

Ein Drama des Nicht-Loslassenkönnens

Die Dramaturgie dieser Ausstellung in Dassow entspricht ziemlich genau der des jetzt abschließenden Teils der insgesamt neun Filme: Alle Figuren und Helden sind mit dabei – und wer bereits gestorben ist, tritt im Traum, als Erscheinung oder zumindest als Hologramm wieder auf. "Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers" ist ein Drama des Nicht-Loslassenkönnens, ein quälend in die Länge gezogener Parcours des Abschieds. Eine uninspirierte Abfolge interstellarer Verfolgungsjagden verbunden mit raunendem Stammbaumgeklingel: Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Das ist schon die ganze Handlung.

Dem Film fehlen die Frische und Energie eines beherzten Lebewohls. Ohne wirkliche Spannungsmomente wird vergeblich immer wieder die Hand aufgelegt, um alte Wunden zu heilen – und überhaupt steuert alles darauf zu, dass sich am Ende alle liebhaben, nachdem das ewig Böse wie erwartet in einer finalen Schlacht besiegt wird. Brav sortiert sich abschließend das Personal: Schwarz zu schwarz, weiß zu weiß – und weil das alles in einer bunt durchmischten Welt geschieht, tut man sich mit dem Vorwurf eines verkappten Rassismus schwer. Wer genau hinhört, kriegt immerhin mit: Die Guten sprechen Amerikanisch, die Bösen britisches Englisch.

© Walt Disney

Spektakuläre Landschaften: Star Wars 9"

Der interstellare Stoff kann überall andocken

Auch gendermäßig wird nichts gewagt. Gegen Ende ist mal zu sehen, wie sich zwei Frauen küssen, aber nur im Bildhintergrund. Das hätte man sich auch sparen können. Es gibt eine entschlossene weibliche Heldin namens Rey, immerhin, und am Schluss ein großes Liebespaar – und doch auch wieder nicht. Alles bleibt offen, alles wirkt diffus. Nur nicht festlegen. Nur keinen Fehler machen, um die "Star Wars"-Geldmaschine nicht ins Stottern zu bringen, mit all den vielen Freizeitparks und Merchandise-Artikeln, die die große Kohle machen.

Auch visuell hat "Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers" nicht viel zu bieten – viele Sets wirken diesmal in ihrer trashigen Anmutung zu lieblos mit shabby Raumschiffen und modischen Accessoires, die von der römischen Tunika über Motorradrocker-Outfits bis zu futuristischen Raumanzügen reichen. Es ist eine Anything-Goes-Ästhetik. So lässt sich der interstellare Stoff überall andocken, an allen Epochen, Stilen, Popkulturen und Wissenschaften – von der Ahnenforschung über die Psychologie bis zur Geologie, Astrologie und Archäologie. Das mag äußerst beliebig erscheinen, ist es auch – und genau das macht die Sternensaga so erfolgreich.

Mit der Angst vor dem Ende nach neun Teilen hätte man souveräner umgehen können – denn das Imperium wird sowieso weiter existieren, mit weiteren Spin-Offs, Vor- und Parallelgeschichten sowie Streamingserien. Vermutlich wird es irgendwann auch einen Teil 10 der Saga geben. Zweieinhalb Stunden dauert jetzt der neunte – das hat Längen. Eine Stunde kürzer dauert der sehr vergnügliche Rundgang durch die Scheune von Dassow in Mecklenburg-Vorpommern. Statt Harrison Ford, Carrie Fisher, Adam Driver oder Daisy Ridley sieht man dort ein paar Fans, die sich als ihre Helden verkleiden. Es wird – soviel ist sicher – nie enden wollen.

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