BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Peter Kneffel/Picture Alliance
Bildrechte: Peter Kneffel/Picture Alliance

Xavier Naidoo

Per Mail sharen

    Stadtrat knickt ein: Xavier Naidoo darf in Rostock auftreten

    Der umstrittene Sänger Xavier Naidoo soll in Rostock auftreten. Noch im Mai hatten sich Kommunalpolitiker dagegen ausgesprochen. Doch der Oberbürgermeister legte Widerspruch ein. Jetzt haben die Stadträte nachgegeben. Kritik kommt auch aus Bayern.

    Per Mail sharen
    Von
    • Peter Jungblut

    Dem Auftritt von Xavier Naidoo in der Rostocker Stadthalle am 22. August steht nichts mehr im Wege. Zwar wollten SPD und Linke im Stadtrat das Konzert gegen den Widerspruch des Oberbürgermeisters und der Stadtverwaltung verhindern, doch ihr Antrag fand im zweiten Durchgang keine Mehrheit. Die Grünen hatten sich enthalten. Auch ein weiterer Antrag der Grünen scheiterte. Dort hieß es, Rostock sei "eine weltoffene und bunte Stadt" und "zahlreiche Äußerungen und Handlungen Xavier Naidoos" seien "unserer Ansicht nach nicht mit diesen Werten vereinbar". Dazu zählten Bekenntnisse Naidoos zu gemeinsamen Zielen und Positionen mit der Reichsbürgerbewegung, die offene Solidarität mit rechtsextremen Akteuren und dessen klare Haltung gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung: "In der Abwägung dieser Verfassungsrechte gibt es unterschiedliche Auffassungen zum Auftritt Naidoos in der Stadthalle. Klar ist für uns jedoch, dass Naidoos Positionen dem demokratischen Grundkonsens unserer Stadt diametral entgegenstehen."

    Naidoo solidarisiert sich mit Rechtsextremen

    Der Rostocker Stadtrat hatte erstmals am 20. Mai mehrheitlich beschlossen, kein Konzert von Naidoo in der Stadthalle zuzulassen, weil der Sänger der QAnon-Bewegung nahestehe und rassistische Ressentiments schüre. Die Stadtverwaltung hatte dagegen auf den Gleichheitsgrundsatz verwiesen und rechtliche Bedenken gegen das Konzertverbot geäußert. Kein Veranstalter oder Künstler dürfe ausgeschlossen werden, weil der Vermieter von Einrichtungen deren religiösen oder politischen Ansichten nicht teile. Dieser Bewertung schloss sich Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) an. Er legte daher Widerspruch ein, weshalb sich der Stadtrat abermals mit dem Thema zu befassen hatte.

    Naidoo tauchte in der Vergangenheit immer wieder im Zusammenhang mit bizarren Verschwörungsmythen auf – er machte auch umstrittene Äußerungen zur Corona-Pandemie, wonach die Bundesregierung das Covid-Virus als "Waffe" einsetze. Den berüchtigten Verschwörungsprediger Attila Hildmann nannte er einen "Bruder im Geiste", auf seinem Telegram-Account hetzt Naidoo regelmäßig gegen Juden, stellte den Holocaust in Frage und forderte die Wiederherstellung des Deutschen Kaiserreichs von 1871 mit allen Kolonien. Als Mitglied der Verschwörer-Gruppe "Die Konferenz" solidarisiert er sich mit Rechtsextremisten. Er nennt sie "Menschen, die mutig nach vorn gehen". Ihnen ginge es um das "Freisetzen der Wahrheit", behauptet er. Nachdem er im März 2020 die Jury der RTL-Sendung "Deutschland sucht den Superstar" verlassen musste, hatte er Vorwürfe des Rassismus vehement zurückgewiesen. Beim Veranstalter Live Nation wird das Rostocker Konzert wie die meisten anderen der Xavier-Naidoo-Tour als "verschoben" bezeichnet.

    © Kadir Caliskan/Picture Alliance
    Bildrechte: Kadir Caliskan/Picture Alliance

    Auftritt in Giessen im August 2019

    Auch in Naidoos Heimstadt Mannheim gibt es Debatten über ein geplantes Konzert von Naidoo am 9. Oktober in der dortigen SAP-Arena. Der Stadtrat empfahl dem Veranstalter Anfang Mai, den Auftritt zu "überprüfen", in einer Pressemitteilung hieß es, das Konzert sei "nicht im Sinne der Stadt". Ordnungsrechtlich gebe es jedoch keine Handhabe dagegen. Gleichwohl solle die Hirschberger Agentur DeMi Promotion überlegen, "ob sie einem Künstler, der immer weiter ins Abseits driftet und nun mit Antisemiten und Rechtsextremisten Musik macht, eine Bühne bieten will, die er erwartbar nicht nur musikalisch nutzen wird." Der Geschäftsführer der DeMi Promotion, Dennis Gissel, verwies laut SWR auf das Recht der freien Meinungsäußerung, auf einen unterschriebenen Vertrag und darauf, dass bereits 5.000 Karten verkauft worden seien. Als Betreiber der SAP-Arena sagte Daniel Hopp, er sei lediglich Vermieter der Halle und könne keine Veranstaltung absagen.

    Kritik auch aus Hof, Regensburg und Ruhrgebiet

    Im August letzten Jahres hatte die Stadt Hof ein geplantes Naidoo-Konzert in der Freiheitshalle gestrichen. "Die Aussagen des Künstlers auch außerhalb seines künstlerischen Engagements sind umstritten und haben aus meiner Sicht an Deutlichkeit gewonnen", so damals die Oberbürgermeisterin Eva Döhla (SPD). In Regensburg war bei den diesjährigen Schlossfestspielen im Juli ein Auftritt von Naidoo geplant gewesen. Da das gesamte Festival abgesagt wurde, hat sich der Termin erledigt. Zuvor hatte sich die Regensburger Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) geäußert, der Sänger solle "in unserer weltoffenen freiheitlichen Gesellschaft keine Plattform bekommen". Da das Konzert auf Privatgelände stattgefunden hätte, wären der Stadt jedoch die Hände gebunden gewesen.

    Der Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir hatte sich auch gegen einen Auftritt des Musikers am 18. Juni 2022 im früheren Kloster Wiblingen ausgesprochen, und auch Mönchengladbachs Oberbürgermeister Felix Heinrichs (SPD) hatte sich gegen einen geplanten Gig von Naidoo gewandt: "Es ist unstrittig, dass man Xavier Naidoo keine Bühne geben sollte. Es hat mich betroffen gemacht, mit welcher Leichtigkeit die erhobenen Einwände abgetan wurden. Er steht nicht auf dem Grund unserer Demokratie." Dortmunds Oberbürgermeister Ulrich Sierau (SPD) sah es ähnlich: "Wir wollen Xavier Naidoo nicht in unserer Stadt und auch nicht jene Anhänger seiner Musik, die seine Positionen teilen." Lediglich in Berlin gab es bisher keine größeren Debatten. Dort soll Naidoo in der Zitadelle Spandau auftreten.

    Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang!

    Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen... In unserem kulturWelt-Podcast sprechen wir täglich über das, was die Welt der Kultur bewegt. Hier abonnieren!