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Stadt muss sparen: Landshuter Theatersanierung verschoben? | BR24

© bächlemeid architekten/Landestheater Niederbayern

Entwurf für das erweiterte Landshuter Theater

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    Stadt muss sparen: Landshuter Theatersanierung verschoben?

    Bei der Haushaltsklausur des Stadtrats platzte die Bombe: Die Planung für die Sanierung des Landshuter Theaters wird womöglich für fünf Jahre ausgesetzt. Schon seit 2014 müssen die Künstler in einem Zelt auftreten und befürchten jetzt das Schlimmste.

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    Vor vier Jahren war noch von einer "Jahrhundert-Entscheidung" die Rede. Damals kaufte die Stadt Landshut für 7,11 Millionen Euro von der Brauerei Wittmann ein 4.330 Quadratmeter großes, nach dem Theaterunternehmer Johann Baptist Bernlochner (1799 - 1869) benanntes Areal an der Isar, wo seit Oktober 1941 das städtische Theater untergebracht war. Die komplizierten Eigentumsverhältnisse des Grundstücks waren damit geklärt. Jahrzehntelang hatte dort das Landestheater Niederbayern gespielt, doch dann musste der marode Bau 2014 geräumt werden. Eilig wurde in der Nähe des Landshuter Messeparks eine Zeltstadt errichtet, die als "Provisorium" gedacht war. Zügig, so damals die Hoffnung, würde die Stadt Landshut die Sanierung und Erweiterung des Stammquartiers auf den Weg bringen. Im vergangenen Februar hatte das Architekturbüro Bächlemeid aus Konstanz den internationalen Architektenwettbewerb gewonnen, innerhalb von fünf Jahren, also etwa 2024, sollten nach Angaben von Baureferent Johannes Doll die Bauarbeiten für das auf 43 Millionen Euro geschätzte Sanierungs-Projekt beginnen. Selbst in diesem Fall hätte sich das Landestheater Niederbayern also insgesamt mindestens zehn Jahre mit dem Behelfsquartier abfinden müssen.

    © Peter Litvai/Landestheater Niederbayern

    Provisorium am Messepark

    Stadtrat muss im Dezember entscheiden

    Jetzt scheint der gesamte Zeitplan ins Rutschen geraten zu sein, die Stadtverwaltung empfiehlt eine Art Moratorium, also die Theatersanierung auf die lange Bank zu schieben. "Die Aussage, wir blasen das jetzt ab, ist so deutlich, dass wir jetzt auch in der Lage sind, genauso deutlich zu antworten: Wenn ihr das tut, ist das Theater erledigt und der Zweckverband Landestheater Niederbayern noch vor seinem 70. Geburtstag 2022 tot", sagte Intendant Stefan Tilch in einem Interview mit der "Landshuter Zeitung" (Montagausgabe). "Wir fühlen uns wie der Esel, dem dauernd die Karotte vor die Nase gehalten wird, ohne dass er zubeißen kann", so ein tief frustrierter Theatermitarbeiter gegenüber dem BR, der von einer "zehnjährigen Posse" sprach und ankündigte, die Belegschaft werde dem "Oberbürgermeister das Leben schwer machen", falls die Sanierung tatsächlich auf die lange Bank geschoben werde.

    Obwohl Landshut mit erheblichen staatlichen Zuschüssen rechnen kann, die Rede war von bis zu 60 Prozent der Baukosten, scheint die Haushaltslage so düster, dass bei einer nichtöffentlichen Klausur von Stadträten mit dem Oberbürgermeister Alexander Putz (FDP) eine fünfjährige Planungspause diskutiert wurde. Das ursprünglich ins Auge gefasste Investitionsprogramm wackelt. Am 6. Dezember muss der gesamte Stadtrat über den nächsten Haushalt, sowie die mittelfristige Finanzplanung bis 2023 noch abschließend entscheiden. Eine schriftliche Anfrage des BR an die Pressestelle des Rathauses blieb vorerst ohne Antwort.

    Motivation der Mitarbeiter "verheerend"

    Das Landestheater Niederbayern unterhält auch Spielstätten in Straubing und Passau. Es ist kein Geheimnis, dass es speziell mit Schauspielproduktionen Probleme hat, das Ausweichquartier am Landshuter Stadtrand zu füllen. Mitarbeiter klagen über ungenügende Klimatisierung bei den Proben und eine ungünstige Akustik. Auf die Motivation der Belegschaft hat die mangelnde Zukunftsperspektive nach Angaben von Insidern verheerende Auswirkungen.

    Umstrittene Theatersanierungen sind dabei in Bayern nichts Ungewöhnliches: In Augsburg wollten Bürger die derzeit anlaufende teure Modernisierung sogar verhindern, in Würzburg wird an der Erweiterung des Mainfrankentheaters gebaut, bevor das Haupthaus saniert werden kann. Längerfristig muss auch die Oper in Nürnberg modernisiert und erheblich erweitert werden, um für Mitarbeiter und Publikum ein zeitgemäßes Raumangebot zu schaffen.

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