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Theater Augsburg bringt Bühne per VR-Brille nach Hause | BR24

© Audio: Bayern 2/Bild: Staatstheater Augsburg

Tänzer in "Shifting perspective" vom Staatstheater Augsburg

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Theater Augsburg bringt Bühne per VR-Brille nach Hause

Wer in Augsburg Theater erleben will, kann sich eine VR-Brille liefern lassen und Tänzerinnen und Tänzern virtuell zusehen. Das Staatstheater hat den Shutdown für die Entwicklung einer Digital-Sparte genutzt – und erprobt auch eine neue Ästhetik.

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Ein netter Theatermitarbeiter bringt als Bote eine Lieferung vorbei: Die Tüte mit dem Karton wird an der Türschwelle abgestellt, kontaktlos übergeben. Darin eine sogenannte VR-Brille aus grau-schwarzem Kunststoff mit einem Gummizug. Recht unscheinbar, sobald man sie aber aufsetzt, führt der Blick in eine andere Welt.

Herzlich willkommen in der VR-Bühne

Sofort setzt die Musik ein, ich sitze, wie empfohlen, auf einem Drehstuhl, die Brille sitzt wie angegossen, und doch bin ich anfangs ein wenig enttäuscht. "Shifting perspective", heißt das Stück, wechselnde Ansicht, und die Tänzer agieren in der Tat eindrucksvoll, doch mir erscheint das Ganze ein wenig eindimensional. Wo bleibt denn bitte schön der 3-D-Effekt, frage ich mich und schüttle den Kopf – und da passiert es: Auf einmal scheinen zwei Tänzer ineinander zu schweben, eine andere tanzt unter mir hindurch, ich schaue nach oben und sehe tatsächlich die Scheinwerfer unterm Bühnendach. Auf einmal fühle ich mich mitten drin im Geschehen statt nur dabei.

Das genau ist es, was die Faszination der VR-Brille ausmacht, sagt Intendant André Bücker: "Das Besondere daran ist, dass man mit der VR-Technik eine Unmittelbarkeit herstellt, die man sonst nur im Theater kennt. Das ist dem Theater wesensmäßig sehr nah, anders als abgefilmtes Theater. Das ist wirklich faszinierend."

© Staatstheater Augsburg

Tanz in der virtuellen Realität: auch ein Spiel mit Raum, der kein Raum ist

Eine eigene digitale Sparte des Theaters

Das Augsburger Staatstheater hatte ursprünglich einen ganz anderen Plan als den Lieferservice: Zusammen mit dem Theater Ingolstadt waren mehrere Hundert VR-Brillen angeschafft worden, um sie in eine Produktion von Glucks "Orpheus und Eurydike" einzubauen. Die Produktion war als eine Art Hybrid geplant, erklärt Intendant Bücker, "um das Publikum an mehreren Stellen in die Perspektive von Orfeo zu setzen und in den Untergrund zu geleiten".

Doch dann kam der Corona-Shutdown – und eine neue Idee ins Spiel: Weil es die Hardware schon gab, habe man sich überlegt, mit den Brillen einen "Lieferservice" aufzubauen, "ein digitales Repertoire, eine fünfte, digitale Sparte". Für die Umsetzung per VR-Technik müssen Schauspieler und Regisseure passende Inszenierungen entwickeln, für die 360°-Kamera kann man nicht nur "in eine Richtung" spielen, so André Bücker: Und das sei auch ein kreativer Prozess.

9,90 Euro kostet der Ausflug in die virtuelle Theaterrealität, und abgeholt wird die Brille auch wieder. Ein Service, an den man sich gewöhnen könnte, wenngleich die Musik etwas dröhnt und die schiere Fülle der Eindrücke einen doch recht schnell übersättigt. Trotzdem sei die Reaktion der Augsburger positiv, sagt Intendant Bücker. Deshalb soll die Reihe des "VR-Theater-Lieferservices" jetzt auch ausgebaut werden.

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Von
  • Barbara Leinfelder
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