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Verflechtungen von Kirche und Staat in Bayern.
© BR/ Christina Fuchs

Autoren

Barbara C Schneider
Christian Wölfel
© BR/ Christina Fuchs

Verflechtungen von Kirche und Staat in Bayern.

Gott mit Dir, du Land der Bayern – so beginnt die Bayernhymne. Und im Artikel 142 der bayerischen Verfassung heißt es schlicht: Es besteht keine Staatskirche.

Die Trennung von Staat und Kirche geht zurück auf das 18. und 19. Jahrhundert. Eine Zeit des Umbruchs. Seit der Aufklärung gilt die menschliche Vernunft – nicht Gott – als oberste Urteilsinstanz. Mit der französischen Revolution macht Europa den entscheidenden Schritt in die Moderne und stellt die Vormachtstellung der Kirche in Frage. Der sogenannte Reichsdeputationshauptschluss von 1803 bildete die gesetzliche Grundlage für die Enteignungen der Klöster.

Und doch: Ohne die Kirche geht es nicht

Die bayerischen Könige erkannten: Der Vatikan ist als Bündnispartner für Bayern in der aufkommenden Nationalstaatsbewegung wichtig. 1817 kommt es deshalb zu einem Vertrag zwischen Bayern und Rom. Darin bekommt der Staat starken Einfluss auf kirchliche Belange, wie die Ernennung von Bischöfen.

Der Staat verpflichtet sich aber auch zu Entschädigungsleistungen für die Enteignungen im Zuge der Säkularisation, und übernimmt die Besoldung von Bischöfen und Domkapiteln. Der Bischof ist letztlich – bis zum heutigen Tag – Staatsbeamter.

Religionsedikt von 1818: Aufsicht über die Kirche

Im 19. Jahrhundert entsteht das, was man Staatskirchentum nennt. 1818 verabschiedet der bayerische Staat ein Religionsedikt, mit dem er das Konkordat in seinem Sinne auslegt. Der Landesherr hat fortan die Aufsicht über die Kirche.

Das Staatskirchentum hat Folgen bis heute: Die Aufteilung der bayerischen Diözesen stammt aus dieser Zeit. Bis heute werden Bischöfe vom Staat bezahlt und Priester und Pfarrer werden an staatlichen Universitäten ausgebildet. Auch das heutige Kultusministerium hat seine Wurzeln im Staatskirchentum. Ursprünglich regelte es die religiösen Belange.

Weimarer Reichsverfassung: Trennung von Staat und Kirche

1918, mit dem Untergang der Monarchie, wird ein neues Kapitel der Geschichte aufgeschlagen: Der Freistaat Bayern wird am 8.November 1918 ausgerufen, die Wittelsbacher Dynastie gestützt.

Reichsweit wird zu dieser Zeit die Weimarer Reichsverfassung eingeführt, ein Verfassungswerk, das auch das Verhältnis von Staat und Kirche neu regelt: Es legt die Trennung von Kirche und Staat klar fest und garantiert Glaubens- und Gewissensfreiheit.

Die Folge: Die Kirche darf sich fortan selbst verwalten. Es gilt das Recht auf Religionsausübung ebenso wie das Recht auf Freiheit von Religion. Erneut schließen Kirche und Staat ein Konkordat, auf evangelischer Seite wird ein Staatskirchenvertrag ausgearbeitet. Die Kirche darf nun - als Körperschaft des öffentlichen Rechts - Kirchensteuer einziehen.

Das Verhältnis von Staat und Kirche, wie es in der Weimarer Reichsverfassung festgeschrieben ist, findet nach der NS-Zeit auch Eingang ins Grundgesetz: Es bleibt bei der Trennung von Staat und Kirche, das Grundgesetz interpretiert dieses Verhältnis aber positiv. Staat und Kirche sollen gemeinsam ein positives gesamtgesellschaftliches Klima bewirken.

Bis heute: Enge Verflechtungen

In Bayern gibt es bis heute eine enge Verflechtung zwischen den Kirchen und dem Staat. Dies wird vor allem in bayerischen Schulen deutlich: Die Ferien sind nach den christlichen Feiertagen Weihnachten, Ostern und Pfingsten benannt, in den Klassenzimmern hängen Kreuze und die Ehrfurcht vor Gott ist in Bayern Bildungsziel. Doch auch die stillen Feiertage mit ihrem Tanzverbot zeugen von dieser Verflechtung.

Aber: Die Beziehung zwischen Staat und Kirche unterliegt heute verstärkt einem demographischen Wandel. Waren Anfang der 1950er Jahre noch die überwältigende Mehrheit der Bayern katholisch, so wie in Regensburg mehr als 80 Prozent, sind es in der Domstadt heute nur noch 52 Prozent der Bevölkerung.

Die Zahl der Konfessionslosen und Andersgläubigen nimmt zu, etwa der Islam in seinen vielen Facetten, aber auch fernöstliche Traditionen. Religiös sind Bayern und Deutschland bunter und vielfältiger geworden. Vor diesem Hintergrund muss das Verhältnis zwischen Kirche und Staat neu austariert werden.