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St. Martha in Nürnberg: Wiedereröffnung nach Brand | BR24

© BR/ STATIONEN

Innenansicht der Kirche St. Martha in Nürnberg.

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St. Martha in Nürnberg: Wiedereröffnung nach Brand

In den frühen Morgenstunden des 5. Juni 2014 steht die evangelisch-reformierte Kirche St. Martha in der Nürnberger Innenstadt in Flammen. Viereinhalb Jahre dauerte der Wiederaufbau. Am 10. November wird die Kirche offiziell eröffnet.

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Es ist ein ungewöhnlicher Einsatzort, zu dem die Nürnberger Feuerwehr in der Nacht zum 5. Juni 2014 gerufen wurde: Die 700 Jahre alte Kirche St. Martha in der Innenstadt Nürnbergs.

Beim Eintreffen der Feuerwehr stand der Dachstuhl bereits in Flammen und obwohl die Rettungskräfte mit einem Großaufgebot rasch anrückten, konnten sie nicht verhindern, dass das Jahrhunderte alte Dachgebälk zusammenbrach.

"Die Bilder werde ich so schnell nicht vergessen: Die Flammen, die meterhoch aus dem Dachstuhl hinaus in den nächtlichen Himmel stiegen und der furchtbare Krach, als der Dachstuhl schließlich nachgab und Orgel und Emporen mit sich in die Tiefe riss." Pfarrer Dieter Krabbe

Die Kirche brannte völlig aus. Verletzt wurde bei dem Feuer niemand.

Wiederaufbau dauerte viereinhalb Jahre

Bereits vor dem Brand hatten Sanierungsarbeiten an der Kirche begonnen. Deshalb wurden die wertvollen Fenster aus dem 14. Jahrhundert nicht in Mitleidenschaft gezogen. Zum Zeitpunkt des Brandes wurden sie an einem anderen Ort gelagert.

Auch die Gemeinde war wegen Restaurierungsarbeiten bereits einige Zeit zuvor in der gegenüberliegenden katholischen Kirche St. Klara aufgenommen worden. Nach dem Feuer war die Unterstützung überwältigend. Doch der Schock saß tief in der Gemeinde.

"Ich musste lernen, dass dieses Gebäude mehr ist als nur ein Gebäude. In diesem Raum waren so viele Emotionen verankert. Über viele Generationen hinweg wurde hier gebetet, getauft, konfirmiert und ausgesegnet. Das ist plötzlich alles weg. Als Reformierte dachten wir, wir seien schlicht und nüchtern mit allem, doch plötzlich haben wir gemerkt: An diesem Gebäude hängen so viele Gefühle." Pfarrer Dieter Krabbe

Auf den Brand hätte er verzichten können, sagt der Pfarrer Dieter Krabbe, aber er sehe auch eine Chance in dieser Krise. Die Kirchengemeindeleitung war sich schnell einig, dass die Kirche wiederaufgebaut werden sollte, aber anders als zuvor. Pfarrer Dieter Krabbe: "Wir haben jetzt Optionen, die wir uns vor dem Brand nie hätten träumen lassen."

Der Kirchenraum verändert mit Mut und Überzeugung.

Heute hat St. Martha keine Emporen mehr. Der Architekt Florian Nagler nimmt den Charakter der früheren Kirche auf und interpretiert ihn neu. Die neue Kanzel stammt von dem Bildhauer Werner Mally, der bereits im Jahr 2000 den Altartisch gestaltete. Auch die wertvollen Kirchenfenster haben wieder ihren Platz im Altarraum gefunden.

Der Kirchenraum ist nach dem Wiederaufbau offen und licht und bietet ganz neue Möglichkeiten: Suppenküche und Vesperkirche, Deutschunterricht für Geflüchtete, Konzerte und diakonische Angebote – alles unter dem neuen Dach der Kirche.