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"flow of forms": Zeitgemäßes Design aus Afrika | BR24

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"flow of forms": Zeitgemäßes Design aus Afrika

Fangen wir doch mal damit an, was es alles nicht zu sehen gibt: Tierfellteppiche, Masken, Trommeln. Stattdessen zeigen die vier Münchner Häuser: funktionale Schulranzen, futuristische Hochhäuser - oder Möbel aus Wasserhyazinthen. Von K. Altemeier

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"Indépendance Tchau", "Tschüss, Unabhängigkeit" - so heißt eine Arbeit des franko-algerischen Künstlers Kader Attia, die im Architekturmuseum zu sehen ist. Alte Karteikästen aus Holz, zwei Meter hoch gestapelt - eine Reminiszenz an das berühmte "Hôtel de l’Indépendance" in Dakar. Anfang der 1970er Jahre erbaut, galt es lange als Sinnbild für eine afrikanische Moderne.

Designgeschichten zwischen Afrika und Europa

Heute? Verfällt es, und Attia verbindet mit seiner Arbeit die Frage nach einer brüchig gewordenen Utopie. "Indépendance Tchau" ist eine der Designgeschichten zwischen Afrika und Europa, die die hier erzählt werden. Dabei gehen Architektur, Kunst und Design ineinander über. Und EIN afrikanisches Design gibt es sowieso nicht, sagt Kuratorin Kerstin Pinther:

"Es geht uns ganz klar darum, Design aus Afrika zu zeigen. Bewusst nicht afrikanisches Design, sondern eben Design aus Afrika, das ein zeitgemäßes Gepräge hat – mit Rückbezügen auf lokale Traditionen, aber trotzdem modern." Kerstin Pinther

Soll heißen: Masken wird man hier nicht finden. Denn von dieser eurozentrischen Perspektive auf Afrika, von dieser eindimensionalen Designgeschichtsschreibung distanziert sich die Ausstellung. Sie zeigt, dass sich Designer auf der ganzen Welt längst mit ähnlichen Fragen beschäftigen.

Schulranzen mit integrierter Lampe

Etwa das Start-Up Rethaka: "Repurpose Schoolbag" heißt ihr Schulranzen mit Solarleuchte. Die lädt sich während der langen Schulwege vieler südafrikanischer Kinder auf und dient abends als Leselicht. Klingt banal, ist es aber nicht - viele Haushalte haben keinen Strom.

Dass Design auf gesellschaftliche Prozesse Einfluss nehmen kann, zeigt auch die Arbeit von Alafuro Sikoki. Sie experimentierte mit den Fasern der wie Unkraut wuchernden Wasserhyazinthe – und kam auf die Idee, diese vor Ort in Nigeria zu Möbeln flechten zu lassen.

Eine Schau, vier Orte

Die Ausstellung "flow of forms" erzählt diese Design-Geschichten an gleich vier Orten in München. Im Architekturmuseum geht es um Technologie, Ökonomie und Gesellschaft. Das "Museum Fünf Kontinente" zeigt den Einfluss Afrikas auf europäisches Design. Im Kunstraum geht es um Kooperationen zwischen den beiden Kontinenten und in der "Galerie Karin Wimmer" um Materialien im weitesten Sinne.