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Spitzbübischer Coup: So unterschiedlich sind die "Zwei Päpste" | BR24

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Der Papst tanzt Tango: Fernando Meirelles zeigt zwei sehr unterschiedliche Männer an der Spitze der Katholischen Kirche. Sein Film hat Längen, bestätigt manche Vorurteile, doch der "weltfremde" Benedikt XVI. sammelt auch überraschend Sympathiepunkte.

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Spitzbübischer Coup: So unterschiedlich sind die "Zwei Päpste"

Der Papst tanzt Tango: Fernando Meirelles zeigt zwei sehr unterschiedliche Männer an der Spitze der Katholischen Kirche. Sein Film hat Längen, bestätigt manche Vorurteile, doch der "weltfremde" Benedikt XVI. sammelt auch überraschend Sympathiepunkte.

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Zwei Päpste im Vatikan. Benedikt als Emeritus, Franziskus in Amt und Würden. Der Ehemalige zieht aus dem Papst-Palast aus, der Neue zieht erst gar nicht ein. Ab und zu telefonieren sie miteinander. Soweit die bekannten historischen Fakten, die viel Raum lassen für Phantasie. Da wundert es nicht, dass aus diesem Stoff zunächst ein Roman entstand und jetzt auch ein Film gemacht worden ist. "Die zwei Päpste" des brasilianischen Regisseurs Fernando Mereilles nach dem gleichnamigen Roman von Anthony Mac Carten hat zunächst in den Kinos Premiere. Ab Ende Dezember 2019 ist der Streifen dann auch auf Netflix zu sehen.

Disput über das Wesen Gottes

Auf der einen Seite: Benedikt XVI., der Unbeliebte, der weltfremde, vergeistigte Theologe und engstirnige Glaubenswächter, der gern mal auf Latein betet. Auf der anderen Seite Jorge Bergoglio, der weltoffene Kardinal und Erzbischof von Buenos Aires, der Tango tanzt, gern Fußball guckt und die Sprache des Volkes spricht. Mit den beiden Protagonisten prallen in "Die zwei Päpste" von Beginn an Welten aufeinander. Der Film schreibt das Jahr 2012. Benedikt XVI., gezeichnet vom Vatileaks-Skandal, trifft den argentinischen Kardinal in den Gärten seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo. Bergoglio nämlich will den Papst bitten, ihn aus dem Bischofsamt zu entlassen – ohne Erfolg. Benedikt verwickelt ihn in einen theologischen Disput über das Wesen Gottes, das er für unveränderlich hält.

© Peter Mountain / Netflix

Spaziergang durch die vatikanischen Gärten

Zwei Päpste, zwei Charaktere, zwei Theologien und Weltsichten. Benedikt der Starre. Franziskus der Bewegliche. Eine Dichotomie, die der Film immer weiter auf die Spitze treibt und dabei die Sympathien ziemlich eindeutig verteilt. Auch durch die Besetzung der beiden Papst-Rollen. Jonathan Pryce, der Franziskus teils verblüffend ähnlich sieht, überzeugt als Menschenfreund. Während Anthony Hopkins, bekannt als Darsteller des Serienkillers Hannibal Lector, der Benedikt-Figur eine gewisse Arroganz und Kühle verleiht. So stehen die beiden Protagonisten symbolisch für die zwei Lager einer um ihre Zukunft ringenden Kirche. Benedikt, der Bewahrer der Tradition gegen Franziskus, den Reformer. Bernd Hagenkord, der langjährige Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan: "Also ich glaube, da muss man beide, sowohl Benedikt als auch Franziskus gegen die jeweiligen Fans verteidigen."

Unterschiedliche Denktraditionen

Der Jesuit hat die Drehbuchvorlage zum Film gelesen, den gleichnamigen Roman des Neuseeländers Anthony McCarten. Bernd Hagenkord: "Die sind beide differenzierter als diese Schwarzweiß-Malerei, die es auch innerkirchlich gibt. Da gibt es große Teile, die sich überschneiden – von dem her, was sie denken. Die Art und Weise, wie sie denken, die ist völlig verschieden. Sie kommen aus ganz gegensätzlichen Denktraditionen und auch aus unterschiedlichen Kulturen, aber da gibt’s viele, viele Dinge, die sie ähnlich sehen."

© Peter Mountain / Netflix

Päpste beim Fußball-TV

Das lässt Regisseur Fernando Mereilles in seinem Film dann auch durchscheinen, indem er die beiden Stereotype, die er zunächst holzschnittartig aufgebaut hat, dann relativiert und in Frage stellt. Der Dynamik der Handlung, die stellenweise ihre Längen hat, tut das nur gut. Die beiden Papstfiguren erscheinen nicht mehr ganz so schwarz-weiß. Die Zuschauer erfahren von Jorge Bergoglios fraglicher Haltung während der Militärdiktatur in Argentinien. Auf der anderern Seite sammelt ein zweifelnder Benedikt Sympathiepunkte. Dass er sich in einer Szene sogar zum Tango tanzen mitreißen lässt, ist dann doch etwas dick aufgetragen.

Zukunft des Papsttums unklar

Am Ende zeigt der Film Benedikts historischen Rücktritt als fast schon spitzbübisch geplanten Coup Josef Ratzingers. Der nämlich gelangt bei seinen Unterhaltungen mit dem argentinischen Kardinal zur Überzeugung, dass Bergoglio, der bessere Papst sei. Ob das so ist - diese Frage bleibt nicht nur im Film, sondern auch in der Wirklichkeit offen. Und genau diese Ungewissheit ist es, aus der Fernando Mereilles "Zwei Päpste" schöpft. Bernd Hagenkord: "Natürlich ist es so spannend im Augenblick, weil viele Dinge unklar sind, auch was die Zukunft des Papsttums, dass man sowas wunderbar erzählen kann."

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