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Don Bosco in Augsburg

Auch vor den sakralen Bauwerken machte die Epoche des Brutalismus nicht Halt. Brutalismus hat dabei nichts mit brutal zu tun - ein Wortspiel, das Kritiker dieses Baustils gerne verwenden. Es kommt vom französischen "brut" - Beton.

II. Vatikanisches Konzil gab den Anstoss

Roh und unverstellt: ein Bruch im Vergleich zu den prachtvollen gotischen oder barocken Kirchen. Einen Anteil an diesem Wandel hatte das Zweite Vatikanische Konzil, sagt Norbert Jocher, Leiter des Kunstreferats im Erzbistum München Freising. Es sei genau die Zeit des Konzils gewesen, in der man versucht habe, die Kirche und ihre Gottesdienste volksnaher und verständlicher zu machen.

So ein Bau, wo man klare Formen, klare Räume hat, echte "Materialität". Die Unmittelbarkeit der Liturgie in der Nähe zum Volk wird zelebriert und die Unmittelbarkeit auch der Materialität und die Unmittelbarkeit der Formensprache. - Norbert Jocher

Beton - Naturmaterial mit Charakter

Doch gerade die Einfachheit dieser Kirchen scheint manchen Kirchgänger heute zu stören. Zu kahl, zu kastenförmig, zu grau – so die Meinung. Theologin und Kunsthistorikerin Karin Berkemann sieht das anders. Die Mit-Herausgeberin des Magazins "moderneREGIONAL" erkennt im Beton ein Naturmaterial mit Charakter.

Wenn Sie mal genau hinschauen, dann haben Sie Kiesnester drin, dann haben Sie Gießspuren drin, da ist vielleicht ein bisschen Moos schon drauf. Da passiert sehr viel. Letztlich altert Beton, auch wie Stein, sehr schön, wenn man ihn lässt. - Karin Berkemann

#sosbrutalism - bedrohte Betonbauten bewahren

Vermehrt fallen Sakral- und Profanbauten aus der Zeit des Brutalismus aber einem Abriss zum Opfer. Zu hässlich für den Denkmalschutz, finden viele Betongegner. Das deutsche Architekturmuseum in Frankfurt und die Stiftung Wüstenrot haben sich zusammen getan und die Onlineplattform #sosbrutalism ins Leben gerufen. Sie stellen bedrohte Betonbauten vor, um sie vor der Zerstörung zu bewahren.

Doch Beton scheint in neuester Zeit auch ein Revival zu erleben: Unlängst wurde in Poing eine Kirche aus Stahlbeton geweiht. Schlicht, hell und ohne Schnickschnack. Die Geister scheiden sich auch hier.

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Autoren

Franziska Reinhart

Sendung

Religion und Orientierung vom 02.09.2018 - 04:05 Uhr