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Spielen, lüften, spielen: So macht die Münchner Schauburg weiter | BR24

© Audio: BR / Bild: Judith Buss

Ab Mitte Juni geht es wieder los: Simone Oswald gehört seit der Spielzeit 2017/2018 zum festen Ensemble an der Schauburg.

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Spielen, lüften, spielen: So macht die Münchner Schauburg weiter

Ab 15. Juni darf wieder in den Theatern gespielt werden, allerdings nur vor begrenzter Zuschauerzahl und unter strengen Hygieneauflagen. Kreativität ist auch am Münchner Jugend-Theater gefragt: Die Schauburg stellt ihr Konzept für die Spielzeit vor.

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Hätte man ihr vor ein paar Monaten gesagt, dass man nur mit Mundschutz proben dürfe und unter strenger Einhaltung von Sicherheitsabständen zwischen den Darsteller*innen – sie hätte das als Möglichkeit weit von sich gewiesen, erklärt Schauburg-Intendantin Andrea Gronemeyer. Aber genau das ist nun Realität, seit der Probenbetrieb vergangene Woche wieder anlaufen durfte. Und inzwischen nimmt Gronemeyer die Herausforderung sportlich. Gerade Künstler*innen seien gefordert "kreative und witzige Lösungen" zu finden, damit das Publikum die corona-bedingten Einschränkungen nicht als Defizit erleben müsse.

Sehr zupass kommt der Münchner Schauburg, dass sie – schon vor dem Ausbruch von Corona! – für den Beginn der neuen Spielzeit eine Produktion ohne Worte geplant hatte. "Der Apfelwald", ein reines Bildertheaterstück, soll im Oktober Premiere feiern. Sprechen auf der Bühne bedeutet ja immer tendenziell auch: spucken. Das ist bei diesem Stück also kein Problem. Zudem ist ein Figurentheaterfestival für Oktober angedacht. Auch das scheint corona-tauglich, wird im Figurentheater doch meist eine Vielzahl von Puppen von nur wenigen Menschen geführt.

Statt der Pandemie wird Freiheit zum Thema

Die Pandemie selbst soll übrigens kein Thema auf der Bühne sein. Zumindest nicht unmittelbar. Indirekt schon. "Freiheit?" lautet das Motto der neuen Saison an der Münchner Schauburg. Kein Wert sei zuletzt während des Lockdowns einer derart harten Belastungsprobe unterzogen gewesen wie die Freiheit, sagt dazu Intendantin Gronemeyer.

Wieviel Freiheit ist möglich? Wo liegen ihre Grenzen, welche Einschränkungen sind nötig in einer Demokratie, um ein friedliches Zusammenleben zu gewährleisten? Und wo lauern die Gefahren für unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaftsordnung? Derlei Fragen werden die Stücke in der neuen Saison umkreisen, zum Beispiel eine Adaption von Ödön von Horváths "Jugend ohne Gott", die mit Münchner Jugendlichen erarbeitet werden soll; oder eine Bühnenfassung von Heidi Benneckensteins Buch "Ein deutsches Mädchen", das die Geschichte eines Ausstiegs aus der Neonazi-Szene erzählt.

© Judith Buss

Da galten noch keine Abstandsregeln: Inszenierung von "Himmel und Hände" an der Münchner Schauburg, dem Theater der Jugend, im Jahr 2018.

Doppelvorstellungen für mehr Publikum

Etwa 200 Zuschauer*innen fasst die Schauburg normalerweise. Wegen der Corona-Pandemie müssen die Reihen ausgedünnt werden. Allerdings wird die Schauburg oft von Familien besucht, deren Mitglieder ohne Abstand beisammensitzen dürfen. Insofern hofft Gronemeyer, dass im Theater der Jugend etwas mehr Publikum unterkommt als an Häusern, die vor allem für Erwachsene spielen, die oft nur in Paaren kommen.

Mit zwischen 60 und 80 Zuschauer*innen pro Vorstellung rechnet Gronemeyer. Um möglichst viel Publikum zu erreichen, will sie Doppelvorstellungen ansetzen. Also: Spielen, durchlüften, Publikum austauschen und dann nochmal dasselbe Stück spielen.

Keine Schulklassen mehr

Sorge macht Andrea Gronemeyer, dass angesichts der unklaren Lage, wie es im Herbst an den Schulen weitergeht, Klassen als Besuchergruppen vorerst wegfallen: "So werden wir solche Kinder nicht mehr erreichen, deren Eltern nicht dafür sorgen, dass sie mal ein Theater besuchen". Damit gerät der Anspruch der Münchner Schauburg in Gefahr, die sich als Ort für alle begreift, an dem sich (junge) Menschen unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft auf Augenhöhe begegnen können.

In diesem Selbstverständnis gleich die Schauburg der Tafelrunde um König Artus, in der eine Art Modellprojekt der Demokratie steckt. Eine moderne Fassung des Sagenstoffes unter dem Titel "King A" soll im November auf die Bühne der Schauburg kommen. Dass die Darsteller in der Aufführung womöglich Ritterhelme tragen, könnte hilfreich sein: auch geschlossene Visiere sind ein prima Spuckschutz.

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