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Nach langem Streit beginnt der Bau für das Museum der Moderne | BR24

© BR kulturWelt

Jahrelang wurde diskutiert, schon jetzt haben sich die Kosten verdoppelt: Nach dem Spatenstich kann das Museum der Moderne mitten in Berlin jetzt Gestalt annehmen – der Weg für das 450-Millionen-Euro-Projekt am Potsdamer Platz ist frei.

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Nach langem Streit beginnt der Bau für das Museum der Moderne

Jahrelang wurde diskutiert, schon jetzt haben sich die Kosten verdoppelt: Nach dem ersten Spatenstich kann das Museum der Moderne mitten in Berlin jetzt Gestalt annehmen – der Weg für das 450-Millionen-Euro-Projekt am Potsdamer Platz ist frei.

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Der Zweite Weltkrieg hat diesen Ort auseinandersprengt, die Teilung der Stadt erledigte den Rest. Nur die St. Matthäus-Kirche von Friedrich August Stüler erinnert noch an die alte Bebauung. Das sogenannte Kulturforum gehört bis heute zu den größten Problemzonen in der Berliner Innenstadt. Beim Wiederaufbau in den 60er Jahren entstanden Architektur-Solitäre, die sich gegenseitig maximal auf Abstand halten – im Norden das golden schimmernde Zelt der Philharmonie von Hans Scharoun, im Süden die Neue Nationalgalerie – der gläserne Würfel von Mies van der Rohe. Dazwischen viel schmuddelige Freifläche.

Die Idee vom Forum funktioniert hier nicht:

"Ich habe deshalb diesen Begriff der Dichte immer schon eingebracht, weil, was eigentlich fehlt, ist eher die Dichte und die Nähe und nicht die Weite und die Offenheit. Und wir sehen es als unsere Aufgabe, hier mit diesem letzten Schlussstein das nachzuholen. Das heißt, diese Gebäude aufeinander zu beziehen, aber auch die Institutionen." Jacques Herzog, Architekt

Das Museum als ein Raum mit vielen Sälen

Mit ihrem Entwurf eines gedrungenen, breiten Hauses unterm Giebeldach knüpfen Herzog de Meuron an das fragilste Bauwerk des Ortes an, die St. Matthäus-Kirche. Schön schreibt die durchbrochene Backstein-Hülle des Neubaus die lebendige Fassadengestaltung von Stüler in die Gegenwart fort.

9.000 qm Ausstellungsfläche sollen unter dem Dach entstehen, dafür müssen die Architekten tief in den Berliner Boden gehen. Doch selbst am untersten Punkt wird das Dach sichtbar bleiben, verspricht der Architekt:

"Wenn du reinkommst und die Treppe runtergehst, bist du in diesem Mittelschiff, und da siehst du von unten bis oben unters Dach. Da siehst du, dass alles ein Raum ist, das ganze Museum ist ein Raum, in dem es dann verschiedene Säle gibt. Es ist ganz wichtig, dass man immer die Übersicht hat, wenn man reingeht, über das ganze Haus. Diese Idee mit dem Satteldach ist wortwörtlich zu nehmen: Es ist ein Haus, in dem alle Platz finden können." Jacques Herzog, Architekt
© picture alliance/Fabian Sommer/dpa

Architekt Jaques Herzog liefert mit seinem Partener Pierre de Meuron die Hülle für eine der wichtigsten Kunstsammlungen des 20. Jahrhunderts.

Der Platz wird dringend gebraucht. Die Sammlung der Nationalgalerie kann nur in Teilen gezeigt werden. Drei Privatsammlungen hängen in der Warteschleife. Die exquisite Schenkung des Ehepaars Pietzsch mit Werken der Surrealisten. Die Kunst der 60er Jahre aus der Sammlung Marzona und die Sammlung Marx, als einzige eine Dauerleihgabe. Erich Marx hat das Museum der Moderne mit angeschoben und läßt sich trotzdem immer noch den Rückzug offen. Der Zeitpunkt wäre günstig, die Sammlung den Staatlichen Museen als Schenkung zu überlassen.

Oppenheim, Richter, Beuys und andere in einer Künstler-WG

Innerhalb des einen Gebäudes benötigen die unterschiedlichen Kunstformen des 20. Jahrhunderts verschiedene Räume, erklärt Architekt Jacques Herzog:

"Wenn das wie eine große Familie wäre in einer WG sozusagen, dann bist du immer in diesem einen Raum, aber du hast auch immer deine Privatheit, sonst würde das ja nicht funktionieren. Kunst ist wie Menschen. Die wollen ganz unterschiedliche Formen leben können, mehr intime, aber auch mehr öffentliche, mehr laute." Jacques Herzog, Architekt

Im Museum der Moderne sollen Max Ernst und Meret Oppenheim, Charlotte Posenenske und Mario Merz, Gerhard Richter und Candida Höfer unter einem Dach wohnen. Für das zentrale Werk "Das Kapital" von Joseph Beuys ist in dem Neubau ein Zimmer mit Aussicht von den Architekten reserviert worden, meint Jacques Herzog:

"Da gibt es ganz etwas Besonderes: Von außen kann man reinschauen, wir haben auch die Glasscheibe leicht geneigt, so dass da wie in alten Warenhäusern Schaufenster ähnliche Gläser sind, wo du besonders reflexionsfrei reinsehen kannst. Das heißt: Die Wahrnehmung wird überall angeregt!" Jacques Herzog, Architekt

Millionenpuffer für eine Kostensteigerung

Im November hat der Haushaltsausschuss des Bundestags rund 364 Millionen Euro für den Bau bewilligt, mit einem Puffer für eine Steigerung der Baukosten und Risiken soll die Gesamtsumme 450 Millionen nicht übersteigen. Jacques Herzog sagt dazu: "Sicher ist es, dass wir diesen Budgetrahmen einhalten wollen. Und ich denke, wir können das auch. Die Kosten, die wir jetzt haben, entsprechen wirklich dem Projekt."

Trotzdem ein stattlicher Preis. Aber mit dem Spatenstich erhält die Hauptstadt mehr als ein Museum – nämlich die Riesenchance, dass der Neubau ausstrahlt auf seine Umgebung, dass die tote Ecke in der Innenstadt ein lebendiges Zentrum der Künste wird. Und schließlich: für Museen gilt, nichts ist teurer als billig bauen.

© picture alliance / Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild

Siegerentwurf der Architekten von Herzog & de Meuron für das Museum der Moderne in Berlin, präsentiert am 17.11.2016 im Kulturforum

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