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© Nik Schölzel/Mainfrankentheater

Unterm Frottee: Menelaos (Matthew Habib)

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, aber auch dort kann er jede Menge Schaden anrichten, nämlich dann, wenn er Venus in die Hände fällt. So begann jedenfalls der trojanische Krieg. Prinz Paris musste sich bekanntlich auf dem Berg Ida zwischen drei Göttinnen entscheiden, und weil er nur eine mit seiner Apfel-Trophäe beglücken konnte, waren die beiden anderen naturgemäß beleidigt und entsprechend rachsüchtig. Venus aber, die siegreiche Göttin der Liebe, versprach Paris nichts weniger als Helena, die schönste Frau der Welt - warum sie noch einen Revolver obendrauf legte, das wurde in der Inszenierung am Würzburger Mainfranken-Theater nicht recht deutlich.

Der Schäfer ist ein Agent der Liebe!

Der Schäfer ist ein Agent der Liebe!

Venus als Geheimdienstchefin "M"

Die französische Regisseurin Pascale-Sabine Chevroton zeigte Paris jedenfalls als eine Art Geheimagent 007 im Auftrag der Liebe, und Venus, die ist hier seine strenge Chefin, also das, was in James-Bond-Filmen "M" erledigt, die herbe Anführerin vom Auslandsgeheimdienst MI 6. Wenn Venus nicht gut drauf ist, setzt es auch mal Ohrfeigen. Anders als im Film muss Paris in der Operette allerdings nicht um sich schießen, immerhin, sondern nur eine List anwenden, um Helena nach Troja zu entführen. So richtig spannend und unterhaltsam war diese Idee allerdings nicht umgesetzt, und auch der Einfall, die gesamte Handlung in ein luxuriöses Wellness-Resort zu verlegen, war zwar plausibel, aber letztlich auch recht harmlos.

Sprachliches Durcheinander beschwerlich

Tatsächlich spielt Offenbachs "Schöne Helena" ja in Sparta und im mondänen Badeort Nauplia an der Küste des Peloponnes, aber in der Würzburger Inszenierung war das im Bühnenbild-Entwurf von Alexandra Burgstaller doch eher ein Badelatschen-Paradies mit Gips-Säulen als ein elegantes Seebad mit Chic. Oder anders ausgedrückt: Mehr Bad Füssing als Capri. Klar, dass die schöne Helena sich da unwohl fühlte und aus Protest fast durchgehend französisch sprach, was zu einem Durcheinander führte, das manchem Zuschauer trotz Übertiteln etwas beschwerlich vorkam. Die Sprechtexte waren überhaupt einmal mehr das große Problem dieser Operetten-Premiere: Sänger tun sich ohnehin schwer, zwischen Sprech- und Singstimme hin- und herzuschalten, wenn sie dann auch noch mühsam deutsche Texte auswendig lernen müssen, bleiben Wortwitz und Tempo oft auf der Strecke. Gerade bei Stücken von Offenbach, die von aktuellen politischen Anspielungen und Situationskomik leben, ist das leider sehr hinderlich.

Zwischen korinthischen Säulen

Zwischen korinthischen Säulen

Helena wirft sich neben die Chaiselongue

So gab es ein paar gehörige Durchhänger, und ganz ohne Ballett macht Offenbach natürlich auch nicht richtig Spaß - alle warten auf den Cancan, den der Meister hier aber nun mal nicht reinkomponiert hat. Trotzdem gab es am Ende herzlichen Applaus, weil die Sänger mit Engagement und Spielfreude bei der Sache waren und der Chor, wie schon so oft in Würzburg, munter und ausgesprochen bewegungsfreudig mitmachte. Und es gab durchaus einige Lacher, was für die beiden geplanten Silvester-Vorstellungen hoffen lässt. Der gehörnte König von Sparta, Menelaos, muss ich hier dauernd als "Minimalus" oder noch herber beschimpfen lassen und liebt es gar nicht, wenn ihn Badegäste an den falschen Stellen abtrocknen. Helena, wunderbar lässig gespielt von der italienischen Mezzosopranistin Marzia Marzo, warf sich so vehement neben ihre Chaiselongue, dass sich der Intendant vor Schreck in der Pause nach ihrem Befinden erkundigte. Ihre Antwort: War alles Absicht!

Am Spieltisch

Am Spieltisch

Offenbach ohne moussierende Perlen

Der mexikanische Tenor Roberto Ortiz gab einen etwas spröden Paris, Daniel Fiolka dafür einen herrlich grummeligen Agamemnon, der es gar nicht schätzt, wenn beim Zocken gemogelt wird und Rätsel einigermaßen dämlich findet. Dirigentin Marie Jacquot hätte ruhig noch etwas champagnerseliger, ausgelassener zu Werke gehen können. So klang Offenbach doch ziemlich kontrolliert, ja diszipliniert, was allerdings zu den düsteren Uniformen der griechischen Könige passte. Insgesamt eine solide, aber keine "moussierende" Produktion - und gerade die Perlen, die machen Offenbach doch so süffig.

Wieder am 7., 11. 13. Dezember 2018 am Mainfrankentheater Würzburg, sowie weitere Termine.

Helena hält Ausschau

Helena hält Ausschau